Académie française – mehr als nur Sprachpflege

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Die Academie française – damit verbinden wir vor allem orthographische Vorschriften für die französische Sprache. Doch sind ihre Aufgaben zweierlei: Die Pflege der französische Sprache und das Mäzenatentum.

Die Académie wurde 1635 von Kardinal Richelieu unter der Herrschaft von König Ludwig XIII gegründet. Ihr Ziel lag – mehr noch als in der Vorgabe von Regeln und Vorschriften – in der Vereinheitlichung der französischen Sprache als gemeinsames Erbe aller Franzosen und französischsprachigen Menschen. Ein Jahrhundert zuvor, im Jahr 1539, hatte König Franz I. durch das Edikt von Villers-Cotterêts Französisch zur Sprache der Verwaltung und Justiz im gesamten Königreich bestimmt und es damit an die Stelle des Latein gestellt. Heute liegt die Hauptaufgabe der Académie française darin, verlässliche Sprachregeln aufzustellen und der französischen Sprache Reinheit, Eloquenz und die Fähigkeit zum künstlerischen und wissenschaftlichen Diskurs zu verleihen.

Die zweite wesentliche Aufgabe – das Mäzenatentum – war ursprünglich nicht vorgesehen und entwickelte sich erst durch die Spenden und Schenkungen, die der Akademie Jahr für Jahr zuteil werden. So verleiht die Institution jährlich rund 60 Preise, darunter der Grand Prix de la Francophonie, der seit 1986 vergeben wird und von dem Interesse der Académie an der Verbreitung der französischen Sprache in der Welt zeugt.

Die Akademie ist nicht zuletzt für ihre Mitglieder bekannt: darunter Persönlichkeiten wie Montesquieu, Marivaux, Voltaire, d’Alembert, Chateaubriand, Lamartine, Hugo, Vigny, Musset oder Nodier. Die „Unsterblichen“ (les immortels), so ihr Beiname, haben sich nicht nur durch ihre jeweiligen Werke, sondern auch durch ihr Mitwirken an der Arbeit der Akademie in die französische Kulturgeschichte eingebrannt. Die Mitgliedschaft in der Akademie ist übrigens eine unkündbare Würde.

Zu den derzeitigen Mitgliedern zählen unter anderem der frühere Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und die Politikerin und früheres Mitglied des Conseil constitutionnel, Simone Veil.

Doch nicht nur politische Persönlichkeiten sind hier vertreten, sondern auch Akademiker wie Gabriel de Broglie, Historiker, ENA-Absolvent und Großoffizier der Ehrenlegion, François Cheng, Hochschullehrer chinesischer Herkunft und Offizier der Ehrenlegion oder auch Claude Dagens, Absolvent der ENS, der klassische Philologie studierte und später Bischof wurde.

Auch die Zunft der Schriftsteller ist in der Académie française gebührend vertreten, zum Beispiel durch Assia Djebar, die mehrfach ausgezeichnete Roman-Autorin algerischer Herkunft, oder durch den libanesisch-stämmigen Roman-Autoren, Librettisten, Essayisten und Journalisten Amin Maalouf.

Es ist eine pluralistische Akademie, so vielfältig wie die literarischen, akademischen und politischen Laufbahnen ihrer Mitglieder, die uns dazu anhalten, über den Stellenwert und Platz unserer Sprache in Schriften und Reden, aber auch im alltäglichen Gebrauch nachzudenken.

Letzte Änderung 04/01/2016

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