Arbeitslosenversicherung in Frankreich

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Wer hat ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung zur beruflichen Wiedereingliederung (ARE)?

In Frankreich hat jeder, der einer bezahlten Arbeit nachgeht und Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, bei Verlust des Arbeitsplatzes ein Anrecht auf Arbeitslosengeld. Dies gilt sowohl für Beschäftigte im privaten als auch im öffentlichen Sektor. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung erfolgt einerseits über das Sozialversicherungssystem für Arbeitnehmer und andererseits über die Arbeitslosenhilfet.

-  Das allgemeine Versicherungssystem wird über die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert. Der Arbeitgeber ist für die Zahlung des Arbeitgeber- und des Arbeitnehmeranteils der Beiträge in die Arbeitslosenversicherung verantwortlich. 2015 belief sich der Beitragssatz auf 6,40 %, davon 4 % Arbeitgeber und 2,40 % Arbeitnehmer.
-  Die Arbeitslosenhilfe wird vom Staat finanziert.
Selbstständige zahlen keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung ein. Sie können jedoch eine private Arbeitslosenversicherung bei einer Versicherung abschließen.
Verwaltungsstrukturen

Seit dem 1. Januar 2009 existiert mit Pôle emploi eine einheitliche Arbeitsagentur, die wie die deutsche Agentur für Arbeit mit der Betreuung von Arbeitslosen wie auch der Auszahlung von Versicherungsleistungen betraut ist.

Welche Bedingungen werden an den Bezug von Arbeitslosengeld geknüpft?

Die Bedingungen für die finanzielle Unterstützung zur beruflichen Wiedereingliederung sind:

• Vertragsbeendigung

Der Arbeitgeber muss aus einem der folgenden Gründe seinen Arbeitsplatz verloren haben:

-  Entlassung (betriebsbedingt oder nicht)
-  Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrags
-  Beendigung des Arbeitsverhältnisses im beiderseitigen Einvernehmen
-  Berechtigte Eigenkündigung (Belästigung, Diskriminierung, Wechsel des Wohnorts nach Eheschließung, etc.)
-  Ausgehandelte Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses zur Vermeidung einer betriebsbedingten Kündigung.

• Mindestdauer eines Arbeitsverhältnisses

Um Anspruch auf Arbeitslosengeld erheben zu können, muss der Antragsteller eine festgelegte Mindestdauer in einem Arbeitsverhältnis nachweisen:

-  unter 50-Jährige: 122 Arbeitstage bzw. 610 Arbeitsstunden im Laufe der letzten 28 Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses (d. h. etwa 4 Monate in den letzten 28 Monaten);
-  über 50-Jährige: 122 Arbeitstage bzw. 610 Arbeitstage im Laufe der letzten 36 Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Über welchen Zeitraum kann Arbeitslosenunterstützung bezogen werden?
Die Beschäftigungsdauer, in der der Beschäftigte Beiträge entrichtet hat, bestimmt die Dauer der Unterstützung. Jeder gearbeitete Tag wird vergütet. Der Antragsteller muss mindestens 122 Tage (4 Monate) gearbeitet haben, um eine Unterstützung zu erhalten. Die maximale Bezugsdauer beträgt 730 Tage bzw. 2 Jahre.

Wie hoch ist die Arbeitslosenunterstützung?

Nachdem überprüft wurde, ob der Antragsteller ein Anrecht auf Unterstützung hat, wird deren Höhe berechnet. Auf der Grundlage des Gehaltes der letzten 12 Monate errechnet Pôle emploi den Referenz-Tageslohn (SJR - salaire journalier de référence). Dieser SJR multipliziert mit der Anzahl der beschäftigten Tage dient anschließend als Berechnungsgrundlage für die Höhe des Tagegeldes.

- Arbeitslosengeldsimulator

Es gibt jedoch eine Obergrenze bei der Arbeitslosenversicherung:

-  Die Beiträge werden nur für einen Teil des Gehaltes berechnet. Für 2015 wurde die Gehaltsobergrenze, die zur Berechnung der monatlichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu berücksichtigen ist, auf 12 516 Euro festgesetzt. Die Berechnung des Referenz-Tageslohns (SJR) erfolgt nur für diesen Teil des Gehalts (d. h. der Teil des Gehalts, für den der Arbeitnehmer Beiträge gezahlt hat).
-  Das Bruttotagegeld des Erwerbslosen darf jedoch 75 % des SJR nicht überschreiten.

Wann hat man keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung?

Zu Beginn der Arbeitslosigkeit gibt es eine Karenzzeit von 7 Tagen. Während dieser Zeit bezieht der Erwerbslose keine Unterstützung. Erhält der Erwerbstätige eine Abfindung, von der er einige Zeit leben kann, berechnet Pôle emploi eine längere Karenzzeit, in der der Betreffende kein Arbeitslosengeld erhält. Die Karenzzeit beträgt maximal 75 Tage.

Der auf Listen für Stellengesuche eingetragene Erwerbslose bezieht kein Arbeitslosengeld, wenn

-  er freiwillig aus seiner Tätigkeit ausgeschieden ist;
-  er vor Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses weniger als 4 Monate erwerbstätig war.
-  er das Renteneintrittsalter erreicht hat;
-  er nicht aktiv und fortlaufend nach einer neuen Beschäftigung sucht.

Folgeunterstützung nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes ARE

Nach dem Auslaufen des ARE kann der Arbeitslose die besondere Solidaritätsunterstützung (ASS - allocation de solidarité spécifique) erhalten, die um die soziale Mindestsicherung (RSA - revenu de solidarité active) ergänzt wird. Diese Leistungen entsprechen in etwa dem deutschen ALG II (Arbeitslosengeld II).

Um die ASS beziehen zu können, muss der Arbeitssuchende, der keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosenhilfe hat, nachweisen, dass er in den letzten 10 Jahren vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses 5 Jahre lang einer nicht selbstständigen Tätigkeit nachgegangen ist, wodurch er ein Anrecht auf die ARE erhielt. Er muss außerdem weiterhin aktiv nach einer neuen Arbeit suchen.

Weitere Informationen unter:

- www.pole-emploi.fr
- Informationen zur ASS
- Informationen zur RSA:

Letzte Änderung 19/02/2016

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