Außenminister Fabius zum Auftakt der COP21: Historischen Erfolg anstreben [fr]

In seiner Eröffnungsrede der Weltklimakonferenz in Paris/Le Bourget am 30. November 2015 nannte der Präsident der COP 21, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, die Bedingungen für einen Erfolg der Konferenz und forderte dazu auf, die Pariser Konferenz gemeinsam zu dem historischen Erfolg zu führen, auf den die ganze Welt warte.

Rede des Präsidenten der COP21 Laurent Fabius

Sehr geehrter Staatspräsident,
sehr geehrter Generalsekretär der Vereinten Nationen,
sehr geehrte Staats- und Regierungschefs,
sehr geehrte Gesandte,

in der vergangenen Woche haben mir die Menschen, die ich getroffen habe – wissend, dass ich der COP21 vorsitzen werde –, alle dieselbe Frage gestellt: Wird die Klimakonferenz in Paris ein Erfolg?

Die erste Bedingung für den Erfolg ist bereits erfüllt, dank Ihnen. Sie sind etwa 150 Staats- und Regierungschefs, die sich heute hier versammeln trotz der Turbulenzen. Im Rahmen unserer Konferenz finden mehrere Tausend Gesandte und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen und auf der ganzen Welt sind es Millionen. Durch Ihr Engagement zeigen Sie, dass Zivilisation und Solidarität stärker sind als Barbarei. Danke.

Was die zweite Bedingung für den Erfolg betrifft, habe ich Vertrauen, dass sie ebenfalls erfüllt wird. Für das Klima wollten wir nichtstaatliche Akteure aus der ganzen Welt zusammenbringen: Städte, Regionen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, treibende Kräfte aus den Bereichen Soziales und Wirtschaft, Privatpersonen. In Zusammenarbeit mit der UNO, deren Generalsekretär sich intensiv eingebracht hat, wurde der Verlauf dieser Konferenz in diesem Sinne gestaltet: Die Entscheidungen der Regierungen sind von großer Wichtigkeit –, aber die der nichtstaatlichen Akteure sind es ebenso. Genau hier werden in den kommenden Stunden und Tagen konkrete und wichtige Maßnahmen von hunderten Gebietskörperschaften und Unternehmen angekündigt. Einflussreiche Initiativen werden angestoßen, manchmal durch öffentlich-private Partnerschaften, insbesondere im Bereich der Innovation für saubere Technologien, Solarenergie oder den Kohlenstoffpreis. All diese Handlungen sind vielversprechend im Kampf gegen den Klimawandel. Ein Kampf, der sowohl eine lebensnotwendige Verpflichtung als auch eine bedeutende Gelegenheit für eine nachhaltige Entwicklung ist, die Wirtschaft, Ethik und Ökologie miteinander vereinbart.

Es bleibt die dritte Bedingung für den Erfolg, die schwierigste: Nach der Konferenz, in nur elf Tagen, müssen wir ein allgemein gültiges und ehrgeiziges Klimaabkommen erzielen. Dieses Abkommen muss differenziert, gerecht, nachhaltig, dynamisch, anpassbar und rechtlich verbindlich sein und es muss dazu führen, dass bis 2100 die Temperatur aufgrund von Treibhausgasen um nicht mehr als 2 Grad, vielleicht sogar 1,5 Grad, im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten ansteigt. Jeder dieser Begriffe zielt auf Bestimmungen ab, auf die wir uns in der Vergangenheit nicht gänzlich einigen konnten. Das ist die Herausforderung der Gespräche, die Ihre Minister und Verhandlungsführer haben werden. Wir dürfen keine Zeit mit Diskussionen zum Verfahren verlieren, wir müssen uns mit dem Inhalt auseinandersetzen und gemeinsam Lösungen finden. Als Vorsitzender der Weltklimakonferenz werde ich jedem unvoreingenommen zuhören und mich für einen ehrgeizigen Kompromiss einsetzen.

Es gibt mehrere ermutigende Zeichen. Das Bewusstsein dafür, dass ein Abkommen unumgänglich ist, ist stark gewachsen, gefördert durch die Feststellung, dass 2014 das wärmste Jahr war, das jemals aufgezeichnet wurde, und 2015 noch schlimmer wird. Wissenschaftliche Arbeiten stellen auf unanfechtbare Weise Diagnosen und Prognosen. Das Engagement großer geistiger und spiritueller Persönlichkeiten ist stark und das der Regierungen weist im Allgemeinen in die richtige Richtung.

Davon zeugt die Zahl der nationalen Beiträge, den sogenannten INDC. Bis zum heutigen Tag wurden 183 INDC veröffentlicht, das entspricht mehr als 95 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Sicherlich unterscheiden sie sich in ihren Zielsetzungen, aber allein die Tatsache, dass fast alle Länder diesen Schritt gemacht haben, zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung auf und ermöglicht es, die Fortschritte, die künftig gemacht werden müssen, vorherzusehen. Denn aufgepasst! Die Gesamtheit dieser Beiträge entfernt uns zwar von einer Erderwärmung von 4, 5 oder 6 Grad, wie sie das IPCC in inakzeptablen Szenarien von Untätigkeit aufgezeigt hat, aber sie ist noch nicht ausreichend, um unter der Marke von 1,5 oder maximal 2 Grad zu bleiben. Daher sind die Mechanismen regelmäßiger Treffen und Verbesserungen, die wir hoffentlich in das Abkommen integrieren können, von entscheidender Bedeutung.
Ich möchte mit Nachdruck auf einen Aspekt hinweisen: Ein globales Klimaabkommen ist keine Forderung der Industriestaaten an die Entwicklungsländer, es ist eine allgemein gültige Anforderung, auf die wir gemeinsam antworten müssen. Die Solidarität im Klimasektor muss noch ausgebaut werden; ebenso die Freisetzung finanzieller Mittel und Technologien zu Gunsten der Länder des Südens. Das Pariser Abkommen muss auch ein Pakt für Gerechtigkeit und gegen Ungleichheiten sein. Als Vorsitzender dieser Konferenz wird es meine Aufgabe sein, darauf zu achten.

Bei all diesen Punkten wünschen wir – meine Amtskollegen und Verhandlungsführer – uns, dass Sie an diesem ersten Tag den unerlässlichen politischen Impuls geben: Dass Ihre Ansprachen so klar und deutlich ausfallen, dass kein anderer Ausgang als der Erfolg möglich sind!

Meine Damen und Herren Staats- und Regierungschefs,

(…) In diesem Jahr 2015 herrscht Dringlichkeit. Die Treibhausgase sammeln sich weiter in der Atmosphäre an, so dass, wenn nichts oder zu wenig getan wird, eine unumkehrbare Situation entsteht. Hier und jetzt handelt es sich um ein außergewöhnliches „Momentum“. Dieser Konferenz hier wurde bei der COP im Jahr 2011 in Durban ausdrücklich die Aufgabe übertragen, zu einer Einigung zu gelangen. Die COP21 muss einen Wendepunkt darstellen. Alles wird sicher nicht in Paris gelöst werden, aber nichts ohne Paris.

(…) Von unseren Antworten, von unserem Einsatz hier, wird das menschenwürdige Leben von Millionen unserer Schwestern und Brüder abhängen.

(…) Entweder scheitern wir in Paris, was Zerstörung und Elend bedeuten würde. Oder wir schließen ein weitreichendes Abkommen, um gegen den Klimawandel vorzugehen, und eine schöne Zukunft steht uns offen.

Ich glaube an den Erfolg, weil ich ihn erhoffe. Ich glaube an ihn, weil wir alle wissen, dass die Bekämpfung der Erderwärmung mehr ist als ein Umweltthema. Sie ist eine wesentliche Bedingung dafür, den Planeten mit Nahrung und Wasser zu versorgen, die biologische Vielfalt zu bewahren und die Gesundheit zu schützen, um gegen Armut und Massenmigration zu kämpfen, um Konflikte beizulegen und Frieden zu fördern, und schließlich um der nachhaltigen Entwicklung und dem Leben eine Chance zu geben.
In diesen letzten Wochen des Jahres 2015 ist es Frankreichs und Ihrer aller Aufgabe, zwei der wichtigsten Herausforderungen des Jahrhunderts anzunehmen: den Terrorismus zu bekämpfen und gegen den Klimawandel vorzugehen. Die gegenwärtigen Generationen treiben uns zum Handeln an, die künftigen Generationen werden über unser Vorgehen urteilen. Wir können sie noch nicht hören, aber in gewisser Weise blicken sie bereits auf uns. Der Begriff „historisch“ wird oft falsch verwendet; heute ist er aber angebracht. Machen wir die Pariser Konferenz gemeinsam zu dem historischen Erfolg, auf den die ganze Welt wartet.

Letzte Änderung 28/01/2016

Seitenanfang