Bildungsministerin Vallaud-Belkacem im Journal du Dimanche zur Reform des collège [fr]

In einem Interview mit dem Journal du Dimanche vom 10. Mai 2015 beantwortet die Ministerin für Bildung, Hochschulen und Forschung, Najat Vallaud-Belkacem, Fragen zu der für 2016 geplanten Reform des collège und deren Auswirkungen auf den Deutschunterricht.

(Auszüge)

Frage: Sind denn die Klassen, in denen zwei Fremdsprachen unterrichtet werden, wirklich den Privilegierten vorbehalten?

Najat Vallaud-Belkacem: Die Klassen, in denen ab der ersten Klasse der Sekundarstufe (6è) zwei Fremdsprachen unterrichtet werden, betreffen nur 15 % der Schülerinnen und Schüler. Mit der Reform ermöglichen wir es allen Schülerinnen und Schülern, eine zweite lebende Sprache ab der zweiten Klasse der Sekundarstufe (5è) zu erlernen, also ein Jahr früher als heute. Schülerinnen und Schüler, die im ersten Grundschuljahr (CP) mit einer anderen Sprache als Englisch anfangen (dazu gehört auch Deutsch), haben die Garantie, dass sie Englisch schon ab der ersten Klasse der Sekundarstufe (6è) lernen können, was bisher nur eine Möglichkeit war. Mit anderen Worten: Wir erweitern die Logik der Zwei-Sprachen-Klassen auf mehr Schüler und verbessern den Unterricht in der zweiten lebenden Sprache für alle. Das ist ein echter Fortschritt.

Frage: Besteht nicht doch die Gefahr, dass die deutsche Sprache ins Abseits gerät?

Najat Vallaud-Belkacem: Nein, denn wir werden den Deutschunterricht fördern. Ich sage noch einmal, dass wir zum nächsten Schuljahr 515 Stellen für Deutschlehrer schaffen werden. Vor allem bin ich dabei, die landesweite Planung für den Unterricht in lebenden Sprachen in die Hand zu nehmen, um eine echte Angebotsvielfalt zu garantieren, indem die Lehrerstellen angemessen im ganzen Land verteilt werden. Was den Deutschunterricht angeht, so werde ich aufgrund der Bedenken, die in diesem Zusammenhang geäußert wurden, den Rektoren sehr anspruchsvolle Ziele vorgeben: Für die erste lebende Sprache, die künftig ab der ersten Grundschulklasse (CP) unterrichtet wird, soll die Anzahl der Sprecher bis 2016 von 178 000 auf 200 000 gesteigert werden; und für die zweite lebende Sprache, die künftig ab der zweiten Klasse der Sekundarstufe (5è) unterrichtet wird, von 487 000 auf 515 000. Zur Überprüfung dieses Ziels soll im Übrigen ein Ministerialbeauftragter für die Förderung der deutschen Sprache benannt werden.

Letzte Änderung 09/07/2015

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