Landwirtschaft: Bio in Frankreich

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Der Öko-Boom

Die biologische Landwirtschaft boomt in Frankreich. 1931 kamen die ersten Bioprodukte auf den französischen Markt; heute zählt Frankreich 25 000 Bioproduzenten. Aktuelle Zahlen belegen, dass sich die biologische Landwirtschaft stetig entwickelt hat. Zwischen 2007 und 2012 hat sich die Zahl biologischer Betriebe verdoppelt und die Nutzflächen für den Ökoanbau wurden um 85 % ausgebaut. So werden heute über eine Million Hektar für ökologische Landwirtschaft genutzt; das entspricht 3,8 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Frankreichs.

Das Bio-Siegel AB

Frankreich hat nicht bis zur Einführung eines EU-Siegels gewartet, um Bioprodukte auszuweisen. Während die Europäische Union erst im Jahr 1991 eine Regelung fand, führte Frankreich bereits 1985 das Bio-Siegel AB ein. Sowohl das europäische als auch das französische Bio-Siegel können für Produkte vergeben werden, die zu 100 % aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Bei Verarbeitungserzeugnissen müssen mindestens 95 % der Inhaltsstoffe aus dem Öko-Anbau kommen. Das AB-Logo ist Eigentum des französischen Agrarministeriums.

Das Bio-Verhalten der Franzosen

Bioprodukte standen noch nie so hoch im Kurs wie heute: Laut einer 2014 veröffentlichten Umfrage der Agence Bio in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut CSA konsumiert fast jeder zweite Franzose (49 %) mindestens einmal im Monat Bioprodukte – im Jahr 2003 waren es erst 37 %. Über ein Viertel der französischen Bevölkerung verzehrt jede Woche Bioerzeugnisse und 9 % sogar täglich. Insgesamt sind 75 % der Über-18-Jährigen entweder regelmäßige (mehr als einmal im Monat) oder gelegentliche (weniger als einmal im Monat) Bio-Konsumenten.

Die Ausgaben der französischen Bevölkerung für Bioprodukte haben sich zwischen 2007 und 2012 von 2,1 auf 4,2 Milliarden Euro verdoppelt. Der Bioanteil am Lebensmittelmarkt beträgt heute 2,4 %, gegenüber 1,3 % im Jahr 2007.

Bio außer Haus

Über die Hälfte aller Franzosen möchte sich auch außer Haus biologisch ernähren. Laut Gesetz dürfen Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung (Mensen, Kantinen etc.) das Bio-Siegel AB benutzen, nicht jedoch das europäische Zertifikat.
Im Jahr 2013 boten 56 % der Gemeinschaftsverpflegungsbetriebe ihren Gästen vereinzelt oder kontinuierlich Bioprodukte an. Die Kantinen in Schulen und Unternehmen stehen mit 73 % bzw. 50 % an vorderster Front, dahinter folgen mit 30 % die Verpflegungseinrichtungen der Gesundheits- und Sozialbranche.

Organisation der Biosparte

Neben den zuständigen Ministerien ist die Agentur für die Entwicklung und Förderung der biologischen Landwirtschaft Agence Bio Dreh- und Angelpunkt der ökologischen Landwirtschaft. Die im November 2001 gegründete Agentur untersteht dem Agrarministerium und fungiert als Informations- und Handlungsplattform zur Entwicklung, Förderung und Strukturierung des französischen Biosektors.
Die Agentur sorgt für eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren (Ökologie-, Agrar- und Wirtschaftsministerium, Nationales Institut für Herkunft und Qualität INAO, Berufsverbände) und erfüllt vier wesentliche Aufgaben: öffentlichkeitswirksame Förderung der biologischen Landwirtschaft, Beobachtung der Entwicklung des Ökoanbaus in Frankreich, Verwaltung des Strukturfonds für Biobetriebe sowie des Fonds Avenir Bio und Zertifizierung der Biobetriebe bzw.

Vergabe des AB-Siegels.

Das Nationale Institut für Herkunft und Qualität INAO untersteht ebenfalls dem Agrarministerium und ist für die Zulassung der Zertifizierungsstellen zuständig. Das Institut überwacht die Durchführung der Kontrollen und gewährleistet den Schutz des AB-Siegels.

Subventionen / Hilfen

Frankreich und die Europäische Union unterstützen die Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Biobauern können nicht nur Zuschüsse aus der Gemeinsamen Agrarpolitik beantragen, sondern auch nationale und regionale Hilfen: Agrarumweltmaßnahmen, Steuergutschriften und nicht-finanzielle Unterstützung bei der Umstellung. Weitere Subventionen können beim Regional- oder Departementrat beantragt werden.

Biowein – ein Musterbeispiel der französischen Biobranche

Seit 1991 werden in Frankreich auch Bioweine produziert. Seit 2012 ist der gesamte Herstellungsprozess genormt.

Der Weinsektor liegt ganz im Trend des zunehmenden Bioanbaus. Zwischen 2007 und 2012 hat sich der Anbaufläche für Bioweine verdreifacht: von 22 500 ha auf 64 000 ha. Das entspricht 8,2 % der gesamten Weinanbauflächen im Jahr 2012, gegenüber 2, 76 % im Jahr 2007.

Der französische Biowein ist im Ausland sehr beliebt: 40 % gehen in den Export.

Weitere Informationen:

- Ministerium für Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft
- Ministerium für Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie:
- Agentur für die Entwicklung und Förderung der biologischen Landwirtschaft Agence Bio

Letzte Änderung 28/01/2016

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