CNES-Chef Le Gall: Europa steht für Exzellenz bei der Raumfahrt [fr]

Der Präsident der französischen Raumfahrtbehörde CNES Jean-Yves Le Gall hat in einem Beitrag für die Tageszeitung Le Figaro vom 21. November 2016 auf die wichtigen Errungenschaften und den Erfolg Europas im Bereich der Raumfahrt hingewiesen. So spielten etwa europäische Satelliten bei der Bekämpfung des Klimawandels eine wichtige Rolle.

Die Raumfahrterfolge Europas geben zur Hoffnung Anlass

Das Tagesgeschehen lässt mitunter an Europas Platz in der Welt zweifeln. Der Alte Kontinent scheint gefangen zwischen den Zielsetzungen der Schwellenländer und dem Gestaltungsanspruch der Vereinigten Staaten. Dennoch gibt es einen Sektor, in dem Europa sich seiner Leistungen nicht schämen muss – die Raumfahrt. In der vergangenen Woche wurde auf verschiedenen Veranstaltungen deutlich, dass unser Kontinent einen bedeutenden Platz auf globaler Ebene einnimmt.

Da wäre zunächst die COP22 in Marrakesch. Dem Beispiel der französischen Raumfahrtbehörde in Frankreich folgend wurde auf Initiative Europas eine Gesprächsrunde der weltweiten Raumfahrtagenturen organisiert. Bei dieser Gelegenheit wurde die Rolle der Satelliten bei der Bekämpfung des Klimawandels gestärkt, um sicherzustellen, dass das Pariser Klimaübereinkommen wirksam umgesetzt wird.

Ferner wurde das Programm Ariane 6, die europäische Antwort auf die Bestrebungen der Konkurrenz, offiziell bestätigt. Der französische Staatspräsident hat das Werk in Mureaux (Yvelines) besucht, in dem künftig das neue Vorzeigeprojekt der europäischen Raumfahrt produziert wird.

Am 17. November wurden mit einer Ariane-5-Rakete vier Galileo-Satelliten von Kourou aus gestartet, mit denen Europa über sein eigenes satellitengestütztes Ortungssystem verfügen wird.

Ebenfalls am 17. November brach unser Landsmann Thomas Pesquet von Baikonur in Kasachstan aus zur Weltraumstation auf. Er wird 6 Monate an Bord der ISS bleiben, um dort die nächsten Etappen zur Erforschung des Weltraums vorzubereiten.

In anderen Bereichen hat Europa Schwierigkeiten. Daher stellt sich die Frage, warum es im Bereich Raumfahrt so erfolgreich ist? Zunächst einmal sind sich alle politischen Verantwortungsträger darin einig, dass der Weltraum die Möglichkeit bietet, „bei den ganz Großen mitzuspielen“. Die intensive diplomatische Arbeit des für Raumfahrt zuständigen Staatssekretärs im französischen Ministerium für Bildung und Forschung, Thierry Mandon, wurde von unseren Partnern begrüßt, was in der Entscheidung zur Ariane 6-Rakete zum Ausdruck kam. Und zweitens sind die mächtigen und organisierten Raumfahrtagenturen – die Europäische Weltraumorganisation, die französische Raumfahrtbehörde – in der Lage, diese Programme zu entwickeln und zu lenken. Sie arbeiten auf europäischer und internationaler Ebene zusammen, um die Kosten, aber auch die Gewinne zu teilen. Und drittens zählt die europäische Raumfahrtindustrie zu den besten der Welt. Sie versteht es, sich zu organisieren, weiterzuentwickeln, innovativ zu sein und sie arbeitet Hand in Hand mit den staatlichen Behörden.

Die Europäische Weltraumorganisation ist nach der NASA die zweitgrößte Raumfahrtagentur weltweit. Die französische Raumfahrtbehörde ist heute die Raumfahrtagentur mit den meisten internationalen Kooperationen, was für die Strahlkraft unserer Raumfahrtpolitik sorgt und unserer Industrie Marktanteile sichert. Die französische Raumfahrtbehörde steht zudem angesehenen internationalen Gremien vor, wie der Agentur für das Europäische GNSS Galileo (GSA) oder der International Astronautical Federation.

Seit 35 Jahren ist Ariane die Trägerrakete, um die uns die Welt beneidet. Rosetta und Philae haben die Welt in Atem gehalten und uns eine beachtliche Fülle an wissenschaftlichen Erkenntnissen geliefert. Die Jason-Satelliten überwachen permanent den Anstieg der Meeresspiegel. Die Leistungsfähigkeit der Galileo-Satelliten wird sie schnell zum weltweit besten Navigationssystem werden lassen. Diese Ergebnisse bedeuten auch zigtausende hochqualifizierte Arbeitsplätze in ganz Europa. Und ein Wachstum im fast zweistelligen Bereich, von dem andere Industriezweige nur träumen können.

Ja wirklich, Europa kann gewinnen und seine Stellung auf internationaler Ebene behaupten. Das ist die Lehre, die wir aus dieser goldenen Woche der europäischen Raumfahrt ziehen können.

Letzte Änderung 29/11/2016

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