Audiovisuelle Medien in Frankreich

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Wie in Deutschland besteht auch die französische Rundfunk- und Fernsehlandschaft aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Die Vielfalt der heutigen Fernsehlandschaft ist das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung.

- Digitaler Empfang französischer Fernsehsender in Deutschland

Die Zeit vor den Privaten

Nach dem Zweiten Weltkrieg beauftragt die französische Übergangsregierung das neue Informationsministerium mit der Gründung der staatlichen Rundfunkanstalt Radio Diffusion Française (RDF), die den ersten öffentlich-rechtlichen Sender an den Start bringen soll. 1964 wird das Office de Radiodiffusion Télévision Française (ORTF) gegründet. Diese neue öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalt unterscheidet sich von der RDF durch eine größere Unabhängigkeit vom Informationsministerium, dem lediglich eine Aufsichtsrolle zusteht. Die ersten beiden Fernsehsender ebenso wie die Radiosender werden zunächst ausschließlich über die redevance audiovisuelle (ähnlich den deutschen Rundfunkgebühren) finanziert. Erst 1968 erhält der erste französische Sender TF1 die Genehmigung, Werbung auszustrahlen. 1971 führt der zweite Sender (heute France 2) die ersten Werbepausen ein.

1973 wird ein dritter Sender - France 3 - gegründet. Dieser unterscheidet sich von den anderen beiden öffentlich-rechtlichen Sendern durch seine regionale Ausrichtung, ähnlich wie die Dritten Programme in Deutschland. Hier werden jeden Tag regional unterschiedlichee Nachrichten und Sendungen angeboten.

Nach und nach lösen sich die Radiosender von den Fernsehanstalten und versammeln sich unter dem Dach von Radio France.

Die Entwicklung des Privatfernsehens

Die Liberalisierung der Rundfunk- und Fernsehlandschaft beginnt erst 1981 mit dem Amtsantritt von Staatspräsident François Mitterrand und der Gründung des ersten französischen Privatsenders Canal+, eines gebührenpflichtigen Fernsehsenders, der nur zu bestimmten Uhrzeiten jeweils kurz unverschlüsselt empfangen werden kann.

Einige Jahre später geht M6 auf Sendung. Der Privatsender und sein Ableger W9 gehören heute zur Bertelsmann-Gruppe. 1997 wird der erste öffentlich-rechtliche Sender privatisiert. Die französische Bouygues-Gruppe kauft ihn auf und gründet später den Nachrichtensender LCI. Daraufhin werden weitere Nachrichtensender gegründet, unter anderem BFM TV und I-Télé (ein Ableger von Canal+), die vergleichbar sind mit den deutschen Sendern N24 oder n-TV. Nicht zu vergessen ist die Gründung des deutsch-französischen Kulturkanals Arte im Jahre 1992, der sich damals einen Sendeplatz mit dem Sender La Cinquième teilte.

All diese Sender mit Ausnahme von Canal+ gehören heute zum Grundangebot, das jeder kostenlos und ohne Abo empfangen kann, ähnlich wie das in Deutschland durch den Rundfunkstaatsvertrag gewährleistete Angebot.

Mit dem Übergang zum digitalen Fernsehen, der in den letzten Jahren in Frankreich und in Deutschland vollzogen wurde, wurde das Senderangebot immer größer: Arte muss seinen Sendeplatz nicht mehr mit La Cinquième teilen, es entstanden France 4 und France Ô – ein Regionalsender aus Übersee. Mit den Sendern La Chaîne Parlementaire und Public Sénat, die dem deutschen Phoenix ähneln, kann das französische Publikum auch die Parlamentsdebatten verfolgen. Die Abdeckung der öffentlich-rechtlichen Sender beträgt 97% der Bevölkerung.

Wie auch in Deutschland haben sich in Frankreich erst in den 90er Jahren gebührenpflichtige Sender etabliert. Der aus dem Fernsehangebot in Frankreich nicht mehr wegzudenkende Bezahlsender Canal+ hat im Oktober 2012 einen weiteren Bezahlsender (D8) in Betrieb genommen. D8 wird ebenso über DVB-T verbreitet und richtet sich an ein breites Publikum. Der Sender hat bereits einige Persönlichkeiten aus Medien und Politik einstellen können, von denen er sich eine größere Zuschauerzahl erhofft. Auch dieser Sender unterliegt der Aufsicht durch die nationale Rundfunkaufsichtsbehörde CSA: Er muss täglich mindestens 2 Stunden neue, noch nie ausgestrahlte Inhalte präsentieren und darf Serien, die auf Canal+ gezeigt wurden, erst nach 18 Monaten ins Programm aufnehmen. Ferner ist er an eine Begrenzung bei der Ausstrahlung amerikanischer Serien gehalten.

Die terrestrische digitale Verbreitung hat zu einer noch größeren Bandbreite der Sender geführt. So gingen im Dezember 2012 weitere 6 Anstalten auf Sendung: HDI, L’équipe 21, 6ter, Numéro 23, RMC Découverte et Chérie 25. Insgesamt sind auf diesem Wege jetzt 25 Sender kostenlos zu empfangen.

Letzte Änderung 19/01/2016

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