Das Collège de France - eine ganz besondere Institution

GIF Article en français

Das Collège de France ist eine öffentliche Hochschuleinrichtung, in der Grundlagenforschung aufs Engste mit der Lehre dieser Forschung verbunden wird. Das heutige Collège de France wurde von Franz I. ins Leben gerufen. Dieser ernannte 1530 die ersten „königlichen Vorleser“ (lecteurs royaux) - drei für Hebräisch, zwei für Griechisch und einen für Mathematik. Sie sollten Disziplinen unterrichten, die noch nicht an der Universität zugelassen waren. Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Vorleser auf 20 und zu Ende des 19. Jahrhunderts waren 40 dieser Vorleser tätig. Während der beiden Kaiserreiche wurde die Einrichtung Collège Impérial genannt. Ihren heutigen Namen Collège de France trägt sie seit 1870.

Die Freiheit, zu forschen

Aus den königlichen Vorlesern sind heute 52 Professoren verschiedenster Nationalitäten geworden, die mit hunderten Wissenschaftlern, Ingenieuren, Technikern und Verwaltungsangestellten zusammenarbeiten. Die verschiedenen Lehrstühle decken getreu der Devise des Collège de France „Docet omnia“ - zu Deutsch: „(es) lehrt alles“ - die verschiedensten Wissenschaftsbereiche (Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Geschichte, Archäologie, Sprachwissenschaften, Orientalistik, Philosophie, Sozialwissenschaften usw.) ab. Die Professoren werden von ihren Kollegen frei und unter Berücksichtigung der Entwicklung von Wissenschaften und Kenntnisstand gewählt. Die Ernennung eines neuen Professors erfolgt nach der Schaffung eines neuen Lehrstuhls, der entweder das Erbe eines vorherigen Lehrstuhls - mindestens teilweise - fortsetzt oder aber sich einer neuen Lehre widmet.

Seit 1992 ist das Collège de France berechtigt, eine herausragende wissenschaftliche Persönlichkeit aus dem Ausland als Honorarprofessor für einen ordentlichen Lehrstuhl zu berufen. Diese Öffnung wurde mit der Schaffung von vier zusätzlichen, für die Dauer eines Jahres mit einem Honorarprofessor besetzten Lehrstühlen fortgesetzt. Der 1989 ins Leben gerufene Europa-Lehrstuhl und der 1992 geschaffene internationale Lehrstuhl werden nach diesem System jeweils für die Dauer eines Jahres von einem ausländischen Professor besetzt. 2004 entstand der Lehrstuhl für künstlerische Schöpfung, der für jeweils ein Jahr von einer Persönlichkeit besetzt wird, die das zeitgenössische Kunstschaffen in seinen verschiedenen Formen illustriert. Der erste Inhaber war der Architekt Christian de Portzamparc, der zweite der Komponist Pascal Dusapin. Mit dem 2007 geschaffenen und erstmals durch Privatfonds finanzierten Lehrstuhl für technische Innovation - Liliane Bettencourt - stellt das Collège de France neue Verbindungen zwischen der Welt der Forschung und jener der Industrie und der neuen Technologien her.

Hinzu kamen ein Lehrstuhl „Wissen gegen Armut“ (2008 – 2012), ein Lehrstuhl „nachhaltige Entwicklung – Umwelt, Energie und Gesellschaft“ (2008) und ein Lehrstuhl „Informatik und Digitalwissenschaften“ (2009). 2014 wurde ein neuer Kurszyklus ins Leben gerufen, der Gastprofessoren die Möglichkeit gibt, über drei Jahre jährlich ein Dutzend Vorlesungen zu halten. Fast fünf Jahrhunderte nach seiner Entstehung wird das Collège de France damit nach wie vor seiner einzigartigen Rolle gerecht, „das Wissen an seinem Ursprung zu unterrichten“, und zwar in allen Bereichen der Literatur, der Kunst und der Wissenschaften.

Forschung

Im Collège de France gehen Forschung und Lehre Hand in Hand. Zahlreiche Laboreinrichtungen und Bibliotheken sind auf die verschiedenen Standorte des Instituts im Zentrum von Paris verteilt. Die Einrichtung wird vom Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung sowie von Förderern unterstützt, welche die Entwicklung wissenschaftlicher Tätigkeiten ermöglichen.

Die Forschungsprogramme des Collège de France und seine Partnerschaften mit französischen (CNRS, ENS, INSERM, Institut Pasteur, etc.) und ausländischen Institutionen machen das Collège de France zu einem der bedeutendsten Einrichtungen für französische Forschung und Lehre weltweit. In seinen Laboreinrichtungen und seinen sechs Schwerpunktinstituten (Biologie, Chemie, Physik, Kulturen, Gegenwart und Literaturwissenschaft) bringt das Collège de France Forscher sowie junge Gaststudenten im Rahmen mittelfristiger Forschungsprogramme zusammen.

Die Verbreitung von Wissen

Die Zahl der Teilnehmer an Kursen, Vorlesungen und Seminaren nimmt stetig zu (ca. 140 000 pro Jahr). Die Veröffentlichungen und die Verbreitung der Kurszyklen gewinnen zunehmend an Popularität. Aber der eigentliche Trumpf des Collège de France ist eine bahnbrechende Innovation: die Öffnung eines internationalen digitalen Campus im Jahr 2007. Auf diese Weise kann das Wissen des Collège de France optimal verbreitet werden. Mit einem Tool zur Übersetzung der Unterrichtszyklen und des Textmaterials in die englische Sprache trägt das Collège de France erheblich zur Strahlkraft der französischen Wissenschaft bei. Einige Kurse werden sogar in die portugiesische und in die chinesische Sprache übersetzt.

Die Bibliotheken

Das Collège de France besitzt wahre Schätze: seltene Bücher und Spezialbibliotheken, darunter zu Nah- und Fernost (China, Japan, Korea, Indien, Tibet) und eine umfangreiche Bibliothek zur Sozialanthropologie, zur asiatischen Gesellschaft, über Byzanz oder auch zur Ägyptologie. Seit 2013 sind die Archive des Collège de France auch online zugänglich.

Die internationale Wirkung

Dozenten am Collège de France haben die Möglichkeit, ein Drittel ihrer Tätigkeit in Universitäten außerhalb von Paris oder im Ausland auszuüben. Zahlreiche Lehraufträge laufen über Partnerschaftsabkommen mit Universitäten aus etwa 15 anderen Ländern oder in Zusammenarbeit mit den französischen Kulturinstituten.

Der internationale digitale Campus bietet für alle einen Zugang zur Forschung und Lehre des Collège de France.

Das Collège de France in Zahlen:

  • 2 Abelpreise für Mathematik,
  • 4 Fields-Medaillen,
  • 7 Balzan-Preise.

10 Nobelpreise wurden an Dozenten des Collège de France vergeben, der letzte 2012 an Prof. Serge Haroche, Inhaber des Lehrstuhls für Quantenphysik.

52 Forschungsgebiete (Mathematik, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Geschichte, Archäologie, Umwelt, technologische Innovation, Digitalwissenschaften, Ägyptologie etc.)

6 Institute (Institut für Biologie, Physik, Chemie, Gegenwart, Kulturen und Literaturwissenschaften)

315 Forscher

326 Ingenieure, Techniker und Verwaltungsangestellte

186 fortgeschrittene Doktoranden und Postdoktoranden

20 Gastforscherteams

Der Bestand an seltenen Büchern und die Spezialbibliotheken gehören zu den besten Europas.

140 000 Gasthörer jährlich.

www.college-de-france.fr

Letzte Änderung 16/09/2015

Seitenanfang