Der Laizität verpflichtet: Frankreich bildet 300 000 Lehrer fort [fr]

Die Trennung von Staat und Kirche ist seit 1905 in der französischen Gesetzgebung verankert. Besonders in Schulen ist das Thema aktueller denn je. Seit einigen Monaten haben daher das französische Innenministerium und das Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung mehrere Initiativen zur Förderung der laizistischen Erziehung auf den Weg gebracht. In diesem Rahmen sollen bis Ende des Jahres 2015 300 000 Lehrkräfte speziell für Fragen der Laizität geschult werden.

Die Werte der französischen Schulbildung

Das französische Bildungssystem basiert auf fünf großen Leitlinien, die in der französischen Gesetzgebung verankert sind: gleiche Zugangschancen, kostenlose Bildung, Neutralität, Laizität und allgemeine Schulpflicht. Darüber hinaus sieht sich die ‚Schule der Republik‘ als Institution, die staatsbürgerliche Rechte und Pflichten sowie die Regeln des Miteinanders vermittelt, mündige BürgerInnen herausbildet und die republikanischen Werte vertritt.

Die Charta der Laizität

Seit Schuljahresbeginn 2013 hängt in allen französischen Schulen die sogenannte Charta der Laizität aus. Sie wurde für Lehrkräfte, Schüler und die gesamte Bildungsgemeinschaft konzipiert und vermittelt in gut verständlicher Sprache den Kerngedanken der Laizität in Schulen – auch in Verbindung mit anderen Werten und Prinzipien der französischen Republik.

Reaktionen auf die Attentate von Januar 2015

Infolge der Schockwelle, die am 7., 8. und 9. Januar 2015 durch Frankreich ging und auch nicht vor den Schulen Halt machte, brachte das Bildungsministerium im Rahmen der sogenannten „Grande mobilisation pour les valeurs de la République“ elf Maßnahmen auf den Weg, die der Förderung der republikanischen Grundwerte, darunter die Laizität, gelten.

Fortbildung für laizistische Werte

Ein Element dieses Maßnahmenpakets ist die Ausbildung von besonderen, auf die Vermittlung von laizistischen und moralischen Werten spezialisierten Lehrkräften. Seit Frühjahr 2015 schult das Bildungsministerium im Rahmen von speziellen Fortbildungen diese Sonderlehrkräfte, die bereits in Schulen und Ausbildungsstätten im Einsatz sind. Bis Ende des Jahres sollen es 300 000 werden.

Die „Laizitätsbeauftragten“

Die sogenannten „référents laïcité“ („Laizitätsbeauftragte“) können sowohl in Schulen als auch in Ausbildungsstätten für Lehrer (z.B. im Studienkolleg) eingesetzt werden. Auf Anfrage der Schulleitung können sie in Schulen in Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Personal über Mittel und Wege nachdenken, den SchülerInnen die Charta der Laizität näher zu bringen. Außerdem können sie Lehrkräften helfen, wenn es zu Schwierigkeiten bei der Vermittlung und Achtung der laizistischen Grundwerte kommt.

Auch in den Hochschulen für Lehr- und Bildungsberufe können die Beauftragten auf Anfrage eingesetzt werden, um mit dem Lehrkörper zusammenzuarbeiten oder punktuell im Rahmen einer Ausbildung zum Thema Laizität mitzuwirken.

Die „Laizitätsbeauftragten“ im Innenministerium

Seit 2011 gibt es zudem in jeder Präfektur einen „Laizitätsbeauftragten“. Bei Fragen in Zusammenhang mit dem Laizitätsgrundsatz ist er der Ansprechpartner für gewählte Vertreter, Leiter staatlicher Dienststellen und für Vertreter der im jeweiligen Departement existierenden Religionen.

Der 9. Dezember ist in Frankreich Tag der Laizität.

Letzte Änderung 07/01/2016

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