Die Galette des rois - eine alte Tradition zum Dreikönigstag [fr]

JPEG Die Galette des rois, der Dreikönigskuchen, wird nach alter Tradition am 6. Januar zum Fest der Epiphanie gemeinsam gegessen.

Dieser Kuchen aus Blätterteig, in dem eine fève (eine kleine Figur aus Porzellan) versteckt wird, ist meist mit Frangipane gefüllt, einer Creme aus süßen Mandeln, Butter, Eiern und Zucker. Doch gibt es auch lukullischere Varianten, die unseren Gaumen zu verwöhnen suchen: mit Schokolade, mit Äpfeln, kandierten Früchten ... Jedes Jahr warten die französischen Pâtissiers für das gemeinsame Essen des Dreikönigskuchens mit ausgewählten Kreationen auf.

Die Zeit der Galette des rois beginnt zwölf Tage nach Weihnachten und endet mit dem Fastnachtsdienstag. Wie viele christliche Feiertage geht der Tag der Epiphanie auf heidnische Ursprünge zurück. Denn die Römer feierten einst die Saturnalien, ein Fest zur Wintersonnenwende, bei dem durch eine in einem Kuchen versteckte weiße oder schwarze Bohne ein König oder eine Königin für einen Tag bestimmt wurde.

Die einfache Form der Galette des rois besteht in einem Blätterteigkuchen, der mit sich kreuzenden Einschnitten verziert und im Ofen gebacken wird. Normalerweise wird sie mit verschiedenen Zubereitungen ergänzt: mit Mandelcreme (Frangipane), Früchten, Schokolade, verschiedenen Cremefüllungen ... Am beliebtesten ist bei den Franzosen die Galette mit Mandelcremefüllung, die aus süßen Mandeln, Butter, Eiern und Zucker zubereitet wird. Diese soll von einem Florentiner Adligen, dem Marquis von Frangipani, im 14. Jahrhundert erfunden worden sein.

Früher wurde der Dreikönigskuchen in ebenso viele Stücke wie Gäste geteilt, plus eins. Dieses zusätzliche Stück, das sog. „Armenstück“, war für den ersten Armen gedacht, der das Haus besuchte. In Südfrankreich ist die traditionelle Nachspeise keine Galette sondern eine Brioche mit Früchten, in der ebenfalls eine Porzellanfigur verborgen ist, „Gâteau des rois“ genannt. Sie besteht aus einem mit Orangenblütenwasser verfeinerten Hefeteig in Form einer Krone, der mit roten kandierten Fruchtstücken belegt und mit Zucker bestreut ist. Der Brauch, am Dreikönigsfest gemeinsam die Galette des Rois anzuschneiden, wurde selbst an der Tafel Ludwigs des XIV gepflegt. Die Damen des Hofes, die die Bohne fanden, wurden Königinnen von Frankreich für einen Tag und hatten beim König einen Wunsch frei, die so genannten „grâces et gentillesse“ (Gunst und Gnaden). Diesen Brauch jedoch schaffte der Sonnenkönig ab.

Im 18. Jahrhundert ist die fève ein Porzellanfigürchen, das die Geburt Christi und die Krippenfiguren darstellt. Heutzutage gibt es eine Fülle an Figürchen des Dreikönigskuchens, die die Sammlerherzen höher schlagen lässt. Es ist eine alte Familientradition, sich zum Anschnitt der famosen Galette zu versammeln. Dabei setzt sich das jüngste Kind unter den Tisch und nennt jeweils die Gäste, so dass jeder auf diese Weise sein Stück vom Kuchen bekommt. Mit dem Dreikönigskuchen wird auch eine Papierkrone mitgeliefert, und der- bzw. diejenige, der oder die das Figürchen findet, wird gekrönt und darf sich seine Königin oder ihren König aussuchen.

Jedes Jahr stellen die Meisterkonditoren neue Kreationen vor, wobei sie das Traditionelle mit neuen Geschmacksrichtungen verbinden. Die Galette des rois wird jedoch nicht nur im Namen der großen Pâtissiers hergestellt. Sie ist in allen Feinbäckereien Frankreichs zu finden, wo sie von den Handwerksmeistern mit anerkanntem Savoir-faire hergestellt wird – zur großen Freude der Gaumenfreunde.

Beim alljährlichen traditionellen Empfang im Elysée-Palast wird eine riesige Galette (mit 1,20 m Durchmesser für 150 Personen) für den Präsidenten der französischen Republik angefertigt. Der mit der Herstellung beauftragte Konditormeister hat jedoch Anweisung, in den Kuchen keine fève einzubacken, denn „im Rahmen der Präsidentschaft der Republik kann ja kein König bestimmt werden“.

Im Ausland erfreut sich die berühmte Galette des rois einer großen Anhängerschaft, vor allem an belgischen und holländischen Tischen. Und ist es in erster Linie in New Orleans üblich, die Galette zur Karnevalszeit zu verkosten, wird sie doch auch in New York, London oder in Berlin genossen.

Annik Bianchini

Letzte Änderung 06/03/2017

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