Doping: Die Anti-Dopinggesetzgebung in Frankreich

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Die Antidopingpolitik ist einer der Schwerpunkte der Tätigkeit des Ministeriums für Gesundheit, Jugend und Sport. Auch wenn man nicht generaliseren sollte, so ist es doch unabstreitbar, dass Doping bei sehr unterschiedlichen Sportarten und bei allen Leistungsstufen eine Rolle spielt. Die Anti-Dopingpolitik hat in Frankreich eine lange Tradition und geht auf das so genannte Mazeaud-Gesetz (loi Mazeaud) vom 1. Juni 1965 zurück. Dieses strenge Gesetz sah Geld- oder Haftstrafen für die Einnahme von leistungssteigernden Produkten oder Substanzen im Sport vor, ohne damit die Bestrafung durch die Sportverbände außer Kraft zu setzen. Nach einer gewissen Aufweichung der Regelungen mit dem Gesetz von 1989 - nur noch der Handel mit Dopingsubstanzen ist strafbar und die Einnahme solcher Substanzen durch Sportler fällt unter die Sportsgerichtsbarkeit - führte das Gesetz vom 23. März 1999 dann zu einer verstärkten Vorsorge und medizinischen Überwachung.

GIFMit dem Gesetz vom 5. April 2006 (Buch II, Abschnitt 3 des Code du sport) schließlich wird die Prävention und Repression im Anti-Dopingkampf noch einmal intensiviert. Mit ihm wird zudem die nationale Gesetzgebung besser mit der internationalen (Schaffung der internationalen Anti-Dopingagentur AMA und des Anti-Dopingkodexes) in Einklang gebracht. Zudem werden die rechtlichen Eingriffsmöglichkeiten verbessert sowie der Gesundheitsschutz der Sportler ausgeweitet.

Das Gesetz verschärft das Vorgehen gegen Dopingmissbrauch mit drei Schwerpunkten:

1. Die Einrichtung einer neuen unabhängigen Verwaltungsbehörde, die französische Agentur zum Kampf gegen Doping (Agence Française de lutte contre le Dopage, AFLD), die den Rat der Prävention und des Anti-Dopingkampfes CPLD ersetzt und damit beauftragt ist, auf die Wirksamkeit der Dopingbekämpfung zu achten.

2. Die Schaffung einer neuen Struktur von Beratungsstellen (Antennes Médicales de Prévention et de Lutte contre le Dopage, AMPD) für Sportler, die Dopingprodukte benutzt haben bzw. die sich dieser behelfen könnten.

3. Die Androhung eines hohen Strafmaßes für alle, die mit Dopingprodukten handeln und bei der Beschaffung behilflich sind. Diese können bis zu sieben Jahre Haftstrafe und 150.000 Euro Bußgeld betragen, falls die Taten in organisierten Gruppen und beim Umgang mit Minderjährigen begangen werden. Andernfalls beträgt das Höchstmaß fünf Jahre Freiheitsentzug und 75.000 Euro Geldstrafe. Es können noch zusätzliche Strafen verhängt werden: das Schließen sportlicher Einrichtungen, in denen der Handel mit Dopingprodukten stattgefunden hat oder beispielsweise ein Berufsverbot für den Beschaffenden.

Die Rolle und Strafkompetenzen der Sportverbände:

1. Sie sind verpflichtet, Disziplinargewalt über die Sportler auszuüben und im Dopingfall sportliche Sanktionen auszusprechen. Hierzu haben sie in erster Instanz 10 Wochen und bei einer Berufung insgesamt 4 Monate Zeit. Laut Dekret n°2006-1768 vom 23. Dezember 2006 beträgt die zu verhängende Strafe beim ersten Mal 2 bis 6 Jahre Suspendierung vom Sportbetrieb und im Wiederholungsfall eine 4-jährige bzw. lebenslängliche Sperre. Strafen können auch verhängt werden, wenn der Sportler die Einnahme von Doping zu verschleiern sucht bzw. versucht, sich der Kontrolle zu entziehen. Im Fall eines Nicht-Einschreitens seitens der Verbände muss die AFLD das Verfahren an sich ziehen und kann auch bei Entscheidungen der Sportgerichtsbarkeit eingreifen.

Die Weitergabe und der Handel mit Dopingsubstanzen ist neben den genannten strafrechtlichen Konsequenzen mit einer Sperre von 4 Jahren bzw. einer lebenslangen Sperre zu ahnden.

Wenn ein Sportler aufgrund einer Sonderregelung mit einer « besonderen » Substanz, aus der Liste der verbotenen Substanzen „positiv“ getestet wird, fällt die Strafe geringer aus. Sie kann bei erstmaligen Verstoß mit einer Ermahnung bzw. einem Jahr Sperre geahndet werden und im Wiederholungsfalle mit 2 bis 6 Jahren Sperre bzw. bei einem dritten Verstoß mit 4 Jahren oder lebenslange Sperre.

2. Sie sind zur verstärkten medizinischen Kontrolle ihrer Sportler verpflichtet. Diese hängt vom Grad der sportlichen Betätigung ab und reicht von einer einfachen medizinischen Bescheinigung bei Gelegenheitsssportlern bis hin zu einer kompletten Überwachung von Spitzensportlern.

Die für den Anti-Dopingkampf eingesetzten Mittel:

Ein Netzwerk aus 24 beratenden Ärzten, das den Jugend- und Sportdirektoren auf regionaler und Departementebene angegliedert wurde, komplettiert die staatlichen Kontrollen. Als Ergänzung zu einem Netz aus 21 Vertragsärzten und einem medizinischen Leiter, 8 Masseuren/Kinesitherapeuten und 22 Krankenpflegern (aus Zentralverwaltung, regionalen Einrichtungen des Ministeriums und dem INSEP ), koordinieren die beratenden Ärzte in jeder Region die Umsetzung der Politik im Bereich Sportmedizin, die auf nationaler Ebene beschlossen wurde und fördern neue lokale Präventionsprojekte, wie z.B.: Plakate gegen Dopinggebrauch in Allgemeinarztpraxen und pharmazeutischen Laboren oder Projekte in Schulen. Die Ärzte nehmen auch an verschiedenen Aktionen teil, die vom Interministeriellen Ausschuss zur Drogen- und Suchtbekämpfung geleitet werden.

Die finanziellen Mittel für diese Politik sind logischerweise von 1997 mit 5,64 Mio. € auf 22,24 Mio. € 2006 gestiegen.

Die Aufstockung der finanziellen Mittel ermöglichte:

- die Einrichtung eines nationalen Kontrollprogramms der AFLD 2006 sowie die Verstärkung der Kontrollen und der Verfeinerung der Analysemethoden,
- die Ausweitung der Forschung über leistungsstimulierende Substanzen und deren Entdeckung,
- die starke Ausweitung von angemeldeten und unangemeldeten Urinproben bei Wettkämpfen,
- die Unterstützung der Sportverbände bei der medizinischen Betreuung von Leistungssportlern und der medizinischen Begleitung bei Wettkämpfen.

 

Details und weitere Informationen unter L’agence française de lutte contre le dopage

Letzte Änderung 13/07/2015

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