FrancEducation – ein Gütesiegel für den Französisch-Unterricht im Ausland [fr]

GIF Zum ersten Mal wurde das Qualitätssiegel FrancEducation an ausländische Schulen vergeben, die bilinguale Exzellenzklassen in Französisch anbieten. Mit dem neuen Gütezeichen soll zur Verbesserung der Vielfalt und Qualität des Französisch-Unterrichts im Ausland beigetragen werden. Die Qualität der Schulen wird dadurch anerkannt und sie erhalten Zugang zu einer Reihe von Vorteilen.

Das Gütezeichen wurde vom Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten zusammen mit dem Bildungsministerium sowie der französischen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (AEFE) eingeführt und wird nach Aktenlage sowie einer Überprüfung vor Ort verliehen. Die von den diplomatischen Vertretungen und der AEFE durchgeführte Überprüfung zeigt, ob die Kriterien erfüllt sind.

Die Kriterien sind sehr anspruchsvoll.

- Das erste Kriterium erfordert beispielsweise, dass mindestens ein Drittel des Unterrichts auf Französisch abgehalten werden muss. Das Referat für Sprachenvielfalt und französische Sprache im Außenministerium unterstreicht, dass „die Messlatte sehr hoch angelegt wurde. Selbst die Aushängeschilder der französischen Bildungszusammenarbeit, das binationale Abitur in Italien, Spanien und Deutschland, erfüllen dieses Kriterium nicht alle“.

- Das zweite Auswahlkriterium, das besagt, dass ein vom nationalen Bildungswesen anerkannter Lehrer einer jeden Stufe (Primärstufe, Sekundarstufe etc.) an der Schule sein muss, kann an die jeweiligen Situationen vor Ort angepasst werden. Die Schüler sollen ihre Prüfungen auf Französisch ablegen sowie Zugang zu einem französischsprachigen Umfeld haben, z. B. in Form von Mediatheken, Bibliotheken, Städtepartnerschaften etc. Des Weiteren müssen die Lehrer die erforderlichen Qualifikationen erfüllen und die Schule muss einen Weiterbildungsplan einsetzen.

Das Gütezeichen FrancEducation ist drei Jahre lang gültig (anschließend muss eine erneute Überprüfung stattfinden). Es ist kostenpflichtig. Die Schulen zahlen 1 200 Euro pro Jahr und erhalten dafür das Recht, das Logo zu verwenden, z. B. in Form eines Schildes an ihrer Außenfassade und in ihrem Schriftverkehr. Diese Qualitätsgarantie sichert nicht nur Anerkennung und Ansehen, sondern bietet auch Zugang zu weiteren Leistungen: Fonds zur Finanzierung innovativer Projekte, vereinfachte Einstellungsverfahren für französische Lehrkräfte. Die ausländischen Lehrer, die an der Schule Französisch unterrichten, haben selbstverständlich ein Anrecht auf Weiterbildung beim Institut français.

In Paris wird für die Verantwortlichen der bilingualen Klassen einmal im Jahr in Paris ein Treffen veranstaltet, das ihnen die Möglichkeit eines Erfahrungsaustauschs bietet: „Dahinter steckt der Gedanke, ein Exzellenznetzwerk zu schaffen, ein neues Netzwerk neben dem der französischen Gymnasien im Ausland“, erklärte das Außenministerium; und weiter: „In der Welt nehmen ca. 1,7 Millionen junge Menschen in 53 Ländern an einem zweisprachigen Unterricht teil. Das Label soll dabei helfen, die besten Schulen, die zur Verbreitung unserer Kultur und zur Ausbildung der Schüler beitragen, zu erkennen. Die Schüler tragen später wiederum selbst zur Verbreitung der französischen Sprache und Kultur bei. Das Label ermöglicht es, diese Schulen zu fördern, ihnen dabei zu helfen, ihren Unterricht noch besser zu gestalten, Anreize für andere Schulen zu schaffen, selbst das höchste Niveau anzustreben und vielleicht bilinguale Klassen einzurichten.“

Das Gütezeichen FrancEducation bietet die Möglichkeit, französisches Fachwissen im Bildungsbereich zu verbreiten und den Lehrern andere Perspektiven der Mobilität aufzuzeigen.

Dieses neue Instrument der französischen Diplomatie ist das Schlüsselelement des Strukturplans für den Französischunterricht im Ausland. Dieser Plan umfasst außerdem die Konsolidierung der AEFE-Mittel und die Steuerung des französischen Schulnetzwerks im Ausland, wozu auch eine detaillierte Kartierung gehört. Es geht darum, eine laufende Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Denn verschiedene Faktoren deuten darauf hin, dass die Zeiten, in denen Englisch maßgeblich ist, vorbei sind. Die französischsprachigen Länder erleben ein starkes demografisches Wachstum. Der Internationalen Organisation der Frankophonie zufolge sprechen heute 220 Millionen Menschen Französisch, im Jahre 2050 werden es 715 Millionen sein. In den Schwellenländern besteht in den neuen, offenen Mittelschichten eine Nachfrage nach kultureller und sprachlicher Vielfalt. In Indien lernen zum Beispiel 1 200 000 Schüler Französisch. Diese Zahl wächst jedes Jahr um 15 %. „Unsere Sprache hat in der heutigen multipolaren Welt ihren rechtmäßigen Platz“, so das Außenministerium. Die Zukunft der französischen Sprache scheint gesichert zu sein, vor allem weil das Französische auch in der digitalen Welt sehr präsent ist.

Die Tschechische Republik sichert sich den Löwenanteil bei der ersten Vergabe des Gütezeichens FrancEducation. Diese Auszeichnung haben die Gymnasien Jan Neruda in Prag, Matyas Lerch in Brünn, Pierre de Coubertin in Tabor sowie das slawische Gymnasium in Olmütz erhalten. Zwei der acht ausgezeichneten Schulen befinden sich in New York (USA): The Caroll School und The Lilian Weber School. Eine weitere Schule, die Schule Aleksanten, liegt in Tampere (Finnland). Die Richmond Road School befindet sich in Auckland (Neuseeland). Sie wurde für ihren bilingualen Zweig L’Archipel ausgezeichnet.

Diese Schulen, unter denen sich Primär- und Sekundarschulen sowie öffentliche und private Schulen befinden, liegen bisher oftmals im Stadtzentrum der Hauptstädte oder in regionalen Metropolen. Ziel ist es, im Jahre 2012-2013 ca. 50 Schulen auszuzeichnen und ca. 100 weitere Schulen im Jahre 2013-2014. Die Priorität liegt auf Schulen in Europa und in den G20-Staaten.

Sylvie Thomas

Letzte Änderung 22/05/2012

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