Frankreich - Vorreiter beim globalen Gesundheitsschutz [fr]

Staatspräsident François Hollande hat in einem Gastbeitrag für das renommierte britische Medizin-Journal The Lancet (2.5.2016) zu einem besseren globalen Gesundheitsschutz aufgerufen. Frankreich wolle auf diesem Gebiet weiterhin eine Vorreiterrolle spielen.

„Die Pflicht, allen Menschen ein universelles Recht auf Gesundheit zu garantieren, bleibt mehr denn je auf der Tagesordnung, wie auch die Vereinten Nationen mit der Verabschiedung der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung betont haben.
Es herrscht Dringlichkeit. Die Epidemien in Zusammenhang mit dem Ebola- und dem Zika-Virus verdeutlichen das Ausmaß und die Brisanz dieser Herausforderungen. Die weltweite gegenseitige Abhängigkeit verstärkt die Unvorhersehbarkeit und die schwere Greifbarkeit der Bedrohung, während diese Epidemien Armut und Ungleichheit noch untermauern.

Täglich sterben 16 000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie Röteln oder Tuberkulose. Hunderte von Frauen sterben während einer Schwangerschaft oder wegen Komplikationen bei der Geburt, während in den armen Ländern, den Schwellenländern in epidemiologischer Hinsicht, chronische Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen und auch Diabetes heute verantwortlich sind für über die Hälfte der Todesfälle.

Um diese Krankheiten zurückzudrängen, ist ein politischer Wille nötig, der sich dauerhaft behaupten kann. Das ist möglich. Seit 1990 sind vermeidbare Kinderkrankheiten weltweit um über 50% zurückgegangen. Neuinfektionen mit HIV/Aids sind zwischen 2000 und 2013 um etwa 30% zurückgegangen.
In diesem Kampf wird Frankreich getreu seinen Grundwerten weiterhin eine Vorreiterrolle spielen.

2015 hat es über 1 Mrd. € in die Entwicklungshilfe im Gesundheitsbereich gesteckt. Seit 2007 hat es 1,1 Mrd. € in UNITAID investiert, dessen Hauptbeitragszahler es ist, und 4,4 Mrd. € in den globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria eingezahlt.

Frankreich ist auch in akuten Krisensituationen aktiv, gestern gegen Ebola in Guinea, heute gegen Zika. Aus diesen Krisen müssen wir alle erdenklichen Lehren ziehen, und zwar im Geiste gemeinsamer Verantwortung und Solidarität. Beim Abschluss der hochrangigen Konferenz zur internationalen Gesundheitssicherung am 23. März in Lyon habe ich folgende Prioritäten gesetzt:

1. Verbesserung der Überwachungs-, Warn- und Diagnoseinstrumente weltweit und bessere Planung der Krisenbewältigung: Mit der neuen Agentur für das Gesundheitswesen hat Frankreich seine Maßnahmen verstärkt. Die internationale Verbreitung dieses Fachwissen wird eine seiner Prioritäten sein.
2. Krisenmanagement durch Stärkung der Rolle der Zivilgesellschaft, der Fachkräfte vor Ort und der betroffenen Bevölkerung: die Finanzierung für Gesundheitsprojekte, die von NRO getragen werden, wird erhöht und Frankreich wird über das Europäische Medizincorps und die WHO das Personal aufstocken.
3. Förderung der Forschung in den Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften: Da die Antizipation im Bereich Forschung ganz entscheidend ist, hat Frankreich 8 Mio. € für das REACTing-Konsortium zur Verfügung gestellt, das unter der Federführung des Forschungsinstituts INSERM die Forschung über auftretende Gesundheitsbedrohungen wie Zika und Ebola koordiniert.
4. Umsetzung dieser internationalen Gesundheitsregelung mit starker und transparenter globaler Führung. Frankreich unterstützt die Einrichtung einer Plattform zur Vorbereitung und zur Reaktion auf globale Gesundheitsbedrohungen, wofür das Büro der WHO in Lyon der Dreh- und Angelpunkt sein könnte.

Aber die Vorbeugung von Notfällen im Gesundheitsbereich und die Reaktion auf Krisen müssen mit einem langfristigen Handeln zur Stärkung der Gesundheitssysteme und zum Entstehen einer echten universellen Gesundheitsabdeckung dort, wo es nötig ist, einhergehen.

Frankreich will gegen die unerschwinglichen Preise mancher neuer Medikamente vorgehen und gleichzeitig Innovationen fördern. Es hat deshalb die Initiative ergriffen, die G7 zu mobilisieren: Zum ersten Mal in diesem Jahr sollen auf einem Treffen der Gesundheitsminister der sieben reichsten Länder der Erde Regulierungsbehörden, Pharmaindustrien und Patienten in den Dialog treten und ihre Koordinierung verbessern.

Dieses Vorgehen zu Gunsten des Behandlungsangebots wird mit dem entschlossenen Willen verknüpft sein, den Kranken einen effektiven Zugang zu Behandlungen zu gewährleisten. Frankreich trägt bereits dazu bei, indem es beispielsweise die Politik der kostenlosen Behandlung von Kindern unter 5 Jahren in 4 Ländern der Sahel-Zone unterstützt.

Ich rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Von unserer Entschlossenheit, eine echte Abdeckung im Gesundheitsbereich zu erreichen, wird unsere Fähigkeit abhängen, Infrastrukturen für eine qualitativ hochwertige Behandlung zu finanzieren und reale Politiken zur Prävention und Aufklärung über chronische Krankheiten umzusetzen. Was auch voraussetzt, das medizinische Personal, das die Länder des Südens so nötig brauchen, richtig auszubilden und zu bezahlen.

Es geht hier um unser Ziel, die extreme Armut bis 2030 zu beseitigen; es geht ferner um den Zusammenhalt der Völkergemeinschaft, da die Gesundheitsrisiken heute Teil der grundlegenden Bedrohungen für Frieden und Sicherheit sind.“

Letzte Änderung 27/07/2016

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