Frankreich bietet Alternativen für Migranten in Calais [fr]

Innenminister Bernard Cazeneuve hatte im Herbst letzten Jahres (26. Oktober 2015) zur Lage in Calais Stellung bezogen und dabei auch die Alternativen für Migranten aufgezeigt, die von ihrem Plan nach Großbritannien zu gelangen, Abstand nähmen. Hierzu gehört auch die Stellung eines regulären Asylantrags in Frankreich.

Der Aufenthalt von inzwischen etwa 6000 Migranten, die sich Hoffnung auf ein Übersetzen nach Großbritannien machten, ziehe Konsequenzen für die Stadt und die Region nach sich, die wirtschaftlich und sicherheitstechnisch immer schwerer zu beherrschen seien, so Cazeneuve damals.

Insgesamt gehe es darum, die Sicherheit der Bevölkerung, die Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung und die Achtung der Rechte der Migranten zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wies er auf das humanitäre Engagement der Bevölkerung von Calais hin.

Der Staat setze angesichts der Krise auf langfristige Lösungen, um Migrationsflüsse zu regulieren, Migranten menschenwürdig unterzubringen, den Asyl-Verpflichtungen Frankreichs nachzukommen und um gegen Schlepperbanden vorzugehen.
Der Innenminister unterstrich in diesem Zusammenhang noch einmal, dass Frankreich sich nicht der Verantwortung entziehe, sondern die notwendigen Mittel für eine medizinische und therapeutische Betreuung der Migranten vor Calais bereitstelle.

Alternativen für Migranten in Frankreich

Innenminister Cazeneuve unterstrich, dass Frankreich alles versuche, um die Situation in Calais zu verbessern. So können Migranten

-  in Calais Asylanträge stellen, um dann „überall in Frankreich würdig untergebracht zu werden, in einem Land, das die Mittel und den Willen hat“, so der Innenminister.

Dieses Angebot wird zunehmend genutzt. Wöchentlich entscheiden sich etwa Hundert Migranten, in Calais ihr Ziel Großbritannien aufzugeben und in Frankreich einen Asylantrag zu stellen. Schon 2000 Anträge sind 2015 direkt bei der hierfür zuständigen Stelle in Calais entgegengenommen worden und die Antragsteller wurden dann in den dafür vorbereiteten Einrichtungen aufgenommen.

-  oder ohne die Stellung eines Asylantrags in Frankreich in einer staatlichen Einrichtung beherbergt und versorgt werden.

Vor dem Hintergrund der Sackgasse Calais ist es Ziel dieser Maßnahme, den Migranten in einem stabilen Umfeld mit einer Gesundheits- und Sozialversorgung, die Möglichkeit zum Überdenken ihrer Übersiedlungspläne nach Großbritannien zu geben. Seit Anfang November sind zu diesem Zweck schon drei Aufnahmezentren eröffnet worden, die unter der Obhut von humanitären Organisationen stehen. Ende des Jahres werden 2000 Plätze für Asylbewerber aus Calais zur Verfügung stehen.

Humanitäre Unterbringung in Calais

Im Aufnahmezentrum Jules Ferry des Camps de la Lande bei Calais können Migranten Nahrung erhalten, Sanitäreinrichtungen nutzen und medizinisch versorgt werden. Zudem wurde hier auch ein besonders gesichertes Beherbergungszentrum für Frauen und Kinder eröffnet, dass bis Jahresende 200 Plätze anbietet, damit die Betroffenen im Winter nicht ohne Schutz sind.

In Kürze wird für Migranten, die Calais augenblicklich nicht verlassen können bzw. wollen, eine weitere Beherbergungsmöglichkeit für 1000 Personen im Camp de la Lande geschaffen. Das Zentrum wird durch die Hilfsorganisation La vie active betrieben. Zudem stellt die Sozialbehörde des Departements in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen eine Betreuung und Beratung der Migranten sicher.
Migrationskontrolle in Calais insgesamt alternativlos

Insgesamt müsse Frankreich in Calais seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen, so der Innenminister am 21. Oktober bei einem Besuch in Calais:

„Im augenblicklichen Migrationskontext ist die Kontrolle und Sicherung der Grenzen die einzige Antwort auf die Krise. Zu einem Zeitpunkt, da täglich 10.000 mehrheitlich englischsprachige Migranten, für die Großbritannien oft das bevorzugte Ziel ist, in den Schengenraum eindringen, darf das Signal nicht ausgesendet werden, dass die französisch-britische Grenze nicht überwacht sei und dass eine Passage in dieses Land möglich bzw. leicht wäre. Dies würde zu einem massiven und unkontrollierbaren Zustrom von Migranten führen. Kann man sich vorstellen, wie die humanitäre Lage in Calais aussähe, wenn nur etwa ein Viertel von ihnen täglich hierher käme, um über den Hafen oder den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen? Ich wünsche mir, dass diejenigen, die die Öffnung der Grenze und einen Abzug der Sicherheitsbeamten verlangen, sich der Tragweite einer solchen Entscheidung und der Konsequenzen für die Migranten wie auch der Bevölkerung von Calais bewusst werden.“

Letzte Änderung 30/03/2016

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