Frankreich weitet Freiwilligendienst für Jugendliche aus [fr]

Ab dem 1. Juni 2015 haben alle 16- bis 25-Jährigen [1] in Frankreich die Möglichkeit, an einem staatlich organisierten Freiwilligendienst (Service civique) teilzunehmen. Im Rahmen dieses Programms werden dann 150 000 bis 160 000 Plätze mit einer Vergütung angeboten. Der Freiwilligendienst steht auch jungen Leuten aus den Mitgliedsländern der Europäischen Union offen.

Der 2010 eingeführte Freiwilligendienst, an dem seither 85 000 junge Menschen teilgenommen haben, wird auf Initiative von Staatspräsident François Hollande somit stark ausgeweitet.

Neben diesem Dienst existieren in Frankreich noch weitere Freiwilligendienste für Jugendliche und junge Erwachsene, die ebenfalls EU-Bürgern offen stehen.

Eine Perspektive für Jugendliche

Der staatlich organisierte Freiwilligendienst bietet jungen Bürgerinnen und Bürgern nicht nur die Möglichkeit, Erfahrungen im Zusammenleben zu machen, Bürgersinn zu erleben und sich für die Gemeinschaft zu engagieren, sondern er fördert durch praktische Ausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen auch die Eingliederung ins Berufsleben. Schätzungsweise verlassen jährlich 140 000 junge Franzosen die Schule ohne Berufsabschluss oder Abitur. Um diese Quote bis 2017 um die Hälfte zu reduzieren, soll jedem Schulabbrecher eine Qualifikation, ein Ausbildungsplatz oder ein Platz im staatlich organisierten Freiwilligendienst angeboten werden.

Neue Chance für Schulabbrecher

Der staatlich organisierte Freiwilligendienst ist ein probates Mittel, um Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Chance auf eine Qualifikation zu bieten. Bei der Suche nach Lösungen für 20 000 Schulabbrecher im Jahr 2013 wurden 3 600 in den staatlich organisierten Freiwilligendienst aufgenommen; 2014 waren es 5 000.

Den Schulabbrechern steht das Bildungsministerium in besonderer Weise zur Seite: Die Art des Aufgabenbereichs, die Wahl der Trägerorganisation, die Dauer (6-12 Monate) sowie die wöchentliche Stundenzahl (24 Std. und mehr) werden unter Berücksichtigung des Profils und der Interessen jedes Teilnehmers festgelegt. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass sie in einem dualen System an drei Tagen in der Woche (ca. 21 Std.) im Freiwilligendienst tätig sein und an zwei Tagen nach einem individuellen Programm eine schulische Einrichtung besuchen.

Die Einsatzmöglichkeiten

Der staatlich organisierte Freiwilligendienst kann bei Vereinen, Gebietskörperschaften (Kommune, Departement oder Region) oder öffentlichen Einrichtungen (Museen, Schulen u.a.) in Frankreich oder im Ausland geleistet werden. Die Laufzeit beträgt 6 bis 12 Monate mit mindestens 24 Wochenstunden. Ein freiwilliges Engagement ist also mit der Fortsetzung des Studiums oder mit einer Teilzeitbeschäftigung vereinbar.
Einsatzmöglichkeiten bestehen in neun großen Bereichen: Kultur und Freizeit, internationale Entwicklung und humanitäre Maßnahmen, Bildung für alle, Umwelt, Hilfseinsätze bei Katastrophen, Gedenken und Bürgersinn, Gesundheit, Solidarität, Sport.

15 000 Botschafter für den Energiewandel

Am 24. Februar 2015 haben die Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie, Ségolène Royal, und der Minister für Stadtentwicklung, Jugend und Sport, Patrick Kanner, im Rahmen des staatlich organisierten Freiwilligendienstes ein nationales Programm „Energiewandel, Klima und Biodiversität“ aufgelegt. 15 000 Plätze sind für die nächsten zwei Jahre im Umweltbereich geplant, 5 000 davon sofort. Mit dem Programm verfolgt die Regierung mehrere Ziele: die Mobilisierung der Gebietskörperschaften für den Energiewandel; die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Klima im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris; den Schutz der biologischen Vielfalt und der Landschaft.

„Jeder junge Freiwillige wird zum Botschafter für den energetischen und ökologischen Wandel“, sagte Ségolène Royal bei der Vorstellung des Programms.

Die Vergütung

Die Teilnehmer erhalten eine Vergütung von 573 Euro netto monatlich (davon 467,34 € vom Staat und 106, 31 € von der Trägerorganisation). Diese Vergütung erfolgt in Form von Sach- oder Geldleistungen entsprechend der Übernahme von Verpflegungs-oder Transportkosten. Bezieher der Mindestsicherung RSA und Hochschulstipendiaten, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, erhalten monatlich 106,38 Euro mehr. Außerdem bleibt die Wohnbeihilfe während der Ableistung des Freiwilligendienstes bestehen.

Förderung weiterer Freiwilligendienste

Neben dem staatlich organisierten Freiwilligendienst hat Staatspräsident Hollande am 5. Februar 2015 außerdem eine „Bürgerreserve" [2] für alle Franzosen, die sich an dem kollektiven Elan beteiligen und ihr Bestes geben wollen“, angekündigt.

Außerdem soll der freiwillige Militärdienst [3] , der schon in Übersee-Frankreich existiert, auch in Festland-Frankreich eingeführt werden.

Im Übrigen sollen vier neue EPIDE [4] -Zentren das Bildungs- und Eingliederungsangebot für Jugendliche (zwischen 16 und 25 Jahren) ergänzen. Bis Ende 2015 sollen weitere 1000 Jugendliche in einem EPIDE-Zentrum aufgenommen werden.

[1Menschen mit Behinderung bis 30 Jahre

[2réserve citoyenne

[3service militaire adapté

[4Établissements Publics d’Insertion de la Défense - öffentliche Einrichtung, die den Ministerien für Beschäftigung, Stadtentwicklung und Verteidigung untersteht und junge Frauen und Männer bei der Eingliederung in Beruf und Gesellschaft unterstützt (Sozialisierung, Orientierung, Ausbildung, Beschäftigung)

Letzte Änderung 08/06/2015

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