Französische Literaturpreise 2016 [fr]

GIF Wie jedes Jahr stehen Ende Oktober/Anfang November in Frankreich traditionsgemäß alle Zeichen auf Literatur. Mit der Bekanntgabe der Gewinner der wichtigsten Literaturpreise wird kurz vor Weihnachten damit quasi die neue „Lesesaison“ eröffnet. Jeder Preis hat dabei seine eigene Geschichte und gibt Einblicke in die Vielfalt und Kreativität der französischsprachigen Literatur.

Die wichtigsten Werke erscheinen dann etwas später meist auch in deutscher Übersetzung

- Der prix du roman de l’Académie française
- Der Prix Goncourt
- Der Prix Goncourt der Gymnasiasten
- Der Prix Renaudot
- Der Prix Fémina
- Der Prix Médicis
- Der Prix interallié
- Datenbank Literaturpreise und der Preisträger in Frankreich

Der Prix de l’Académie Française

Der große Romanpreis der Académie Française 2016 wurde an die Ex-Bankerin und Journalistin Adelaïde de Clermont-Tonnerre und ihr Werk Le dernier des nôtres (Editions Grasset) vergeben.

Darin beschreibt die Autorin die amour fou eines jungen, ambitionierten Mannes mit der Tochter eines Milliardärs am Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Autorin springt in ihrem Werk zwischen Geschichtsbuch und Thriller durch Zeit und Raum. Da verlässt man kurz Manhattan und findet sich im zerbombten Dresden von 1945 wieder.

Der Preis, der seit 1915 verliehen wird, ist einer der wichtigsten Auszeichnungen der Académie, der schon 1635 gegründeten Gelehrtengesellschaft, die über die französische Sprache und Literatur wacht. Der nur mit 10 000 Euro dotierte Preis hat eine große Außenwirkung.

- Liste der Preisträger

Der Prix Goncourt

Der renommierte Literaturpreis Prix Goncourt wurde 2016 an Leïla Slimani für ihren Roman Chanson douce vergeben.

Die Franko-Marokkanerin Slimani erzählt in dem bei den Editions Gallimard erschienen Roman die Geschichte des Mordes einer Kinderfrau an zwei ihr anvertrauten Kindern in einer modernen, wohlbetuchten und klassenbewussten Familie, die mit ihrer Unnahbarkeit das Drama in Gang setzt.

Der seit 1903 zu Ehren der Schriftstellerbrüder Edmond und Jules Goncourt vergebene Prix Goncourt ist einer der wichtigsten Literaturpreise Frankreichs. Er wird zusammen mit dem Prix Renaudot traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben. Die 9-köpfige Jury, bestehend aus Schriftstellern und Literaturkritikern, zeichnet dabei in jedem Jahr das beste Prosawerk in französischer Sprache aus.

Auch wenn das Preisgeld mit der Summe von 10 € eher symbolischen Charakter hat, so ist doch der Erfolg in den Buchläden im In- und Ausland meist garantiert. Im Schnitt verkauft sich das ausgezeichnete Werk 300.000 Mal.

Die Gewinner des Prix Goncourt wurden in den letzten 10 Jahren ausnahmslos in die deutsche Sprache übersetzt.

- Chronologie der Preisträger des Prix Goncourt

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde am 17. November 2016 an den jungen französisch-ruandischen Autor Gaël Faye für den Roman Petit pays (Éditions Grasset) vergeben.

Faye beschreibt den Bürgerkrieg und Genozid im Ruanda der 90er Jahre mit den Augen eines Kindes aus einer privilegierten französisch-ruandischen Familie.

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde 1988 von der FNAC zusammen mit dem Rektorat Rennes und unter der Schirmherrschaft der Académie Goncourt ins Leben gerufen. Der Preis gelangte seitdem zu hohem Ansehen. Die Jury, die den Preisträger aus etwa 12 Romanen der offiziellen Selektion der Académie Goncourt auswählt, besteht aus 15-18-jährigen Schülern unter der Aufsicht ihres Literaturlehrers.

- Chronologie der Preisträger seit 1988:

Der Prix Renaudot

Den Prix Renaudot 2016 erhielt die Schriftstellerin und Dramatikerin Yasmina Reza für ihr Werk Babylone (Éditions Flammarion).

In ihrem Thriller beschreibt Reza ein Nachbarschaftsfest, das zu einem Verbrechen entartet. Sie stellt dabei Fragen nach der Rolle von Emotionen, die bis hin zum Verlust der Menschlichkeit gehen.

Der Prix Renaudot wurde 1926 von Literaturkritikern komplementär zum Prix Goncourt ins Leben gerufen. Er erinnert an den Arzt, Philantropen und Herausgeber der ersten französischen Zeitung La Gazette Théophraste Renaudot. Der Preis wird zusammen mit dem Prix Goncourt traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben.

- Chronologie der Preisträger des Prix Renaudot

Der Prix Femina

Der Prix Femina 2016 ging an Marcus Malte für seinen Roman Le Garçon (Editions Sulma).

Der Autor beschreibt dabei das Leben eines kleinen Jungen, der mit seiner Mutter in Südfrankreich in der Einsamkeit lebt, und der sich instinktiv auf den Weg ins Leben und zu den Menschen macht und dabei das Universum erschließt. Dabei geht es um die Frage, wie weit jugendliche Unschuld in der Gesellschaft gehen kann.

Der 1904 unter Federführung der Gräfin Anna de Noailles von 22 Mitarbeitern des Magazins La vie heureuse (heute Fémina) geschaffene Prix Fémina wird von einer Jury aus 12 Frauen unter dem Vorsitz von Régine Desforges vergeben. Dieser nicht dotierte Preis ist mit 100.000 bis 250.000 verkauften Exemplaren meist ein Kassenschlager. Er wird am ersten Novembermittwoch - also einige Tage vor dem Prix Goncourt - im Pariser Hôtel Crillon vergeben. Sein Ziel ist es, ein Gegengewicht zu diesem zu bilden, da dessen Jury ursprünglich weibliche Literaten weder fördern, noch auszeichnen wollte.

- Chronologie der Preisträger

Der Prix Médicis

Der Prix Médicis 2016 ging an den Historiker Ivan Jablonka für seinen Roman Laëtitia ou la fin des hommes.

In dem bei den Editions du Seuil erschienenen Werk begibt sich der Autor auf die Suche nach den Hintergründen eines Mordes an einem 18-jährigen jungen Mädchen, der Paris, die Politik und die Justiz 2011 erschütterte. Eine Verbindung von Literatur, Geschichte und Sozialwissenschaften.

Die Begründer des 1958 geschaffenen Prix Médicis, Gala Barbisan und Jean-Paul Giraudoux, wollten mit dieser Auszeichnung einen „etwas anderen Literaturpreis“ schaffen. Der Prix Médicis zeichnet in seinen drei Kategorien (französischer bzw. ausländischer Roman/Bericht sowie Essay) vielversprechende junge Autoren mit einer neuen Ton- und Stilart aus. Der Ausland-Médicis wird seit 1970 und der Essay-Médicis seit 1985 vergeben. Die Jury gibt die Preisträger zusammen mit der Jury des Prix Fémina am ersten Novembermittwoch im Pariser Hôtel Crillon bekannt.

- Chronologie der Preisträger

Der Prix interallié

Den Prix interalliés 2016 erhielt der Autor Serge Joncour für seinen Roman Repose-toi sur moi (Editions Flammarion).

Dabei geht es um die langsame Annäherung zwischen Aurore und ihrem Nachbarn Ludovic in einem Pariser Hinterhof, die zu einer großen Liebe wird. Vor dem Hintergrund einer sich aller Regeln entledigenden Gesellschaft begibt sich der Autor auf die Suche des Spannungsverhältnisses von Stadt und Land, Solidarität und Egoismus und der Kraft der Liebe.

Die Idee für den Prix interallié wurde 1930 im illustren Privatclub des Cercle de l’Union interalliée in der Nr. 33 der rue du Faubourg-Saint-Honoré in Paris geboren, als eine Reihe von Journalisten auf die Ergebnisse der Beratungen der Frauen-Jury zum Prix Femina wartete. Die Idee war so gut, dass der Preis bis heute ohne jegliches Preisgeld auskommt. Er wird im Restaurant Lasserre an der av. Franklin Roosevelt vergeben.

- Chronologie der Preisträger

- Datenbank Literaturpreise und der Preisträger in Frankreich

Letzte Änderung 06/02/2017

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