Französisches Außenministerium veröffentlicht Göring-Katalog [fr]

Das diplomatische Archiv Frankreichs veröffentlichte am 30.9.2015 zusammen mit dem Historiker Jean-Marc Dreyfus den vollständigen Göring-Katalog (Editions Flammarion). Hierin sind alle Kunstwerke aufgelistet, die die Nr. 2 des Nazi-Regimes Hermann Göring während des zweiten Weltkrieges in Europa zusammengerafft hatte, um sie in seinem Anwesen Carinhall in der Schorfheide bei Berlin zu sammeln. Darunter die großen flämischen Künstler des 17. Jahrhunderts, die deutsche Malerei des 16. Jahrhunderts sowie die klassische französische und italienische Kunst.
Nachdem ein Teil der Werke nach dem Krieg von amerikanischen Truppen aufgefunden wurde, bemühte sich die französische Regierung darum, die in Frankreich entwendeten Werke wiederzuerlangen.

Das außergewöhnliche Dokument zeigt nicht nur die Tragweite des durch die Nazis betriebenen Kunstraubs in Europa auf, sondern erlaubt auch die Identifikation und Rückgabe der Werke an ihre legitimen Besitzer. Zudem werden im Inventar der geraubten Werke die Geschichte ihrer Sammlung und die Suche nach ihren rechtmäßigen Besitzern nachgezeichnet.

Die Erstellung des Kataloges ist besonders der Kunsthistorikerin und Konservatorin des Musée Jeu de Paume Rose Valland (1898-1980) zu verdanken, die nach dem Krieg mit ihren Aufzeichnungen eine wichtige Rolle bei der Identifizierung, Rettung und Wiederbeschaffung von rund 45.000 entwendeten Objekten spielte.

Der Katalog war bisher im diplomatischen Archiv des Außenministeriums aufbewahrt worden. Dort lagern insgesamt etwa 9 km Bücher und Dokumente zum Kunstraub der Nazis während des 2. Weltkrieges.

Die Herausgabe des Göring-Katalogs macht diese „Fotographie der Raubkunst“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und kann zugleich das Interesse für die diplomatischen Archive Frankreichs im Außenministerium und den Ablegern in la Courneuve und in Nantes wecken, so Außenminister Laurent Fabius in einem Interview mit der Tageszeitung Le Figaro (29.9.2015).

Insgesamt 2000 in Frankreich entzogene Werke mit der Klassifizierung Musée nationaux de Récupération, die in Deutschland und Österreich wieder aufgefunden wurden, werden heute in Frankreich in öffentlichen Museen ausgestellt. Dabei konnten noch nicht alle rechtmäßigen Besitzer der Werke ermittelt werden, so der Minister.
Des Weiteren ging der Außenminister auf die in München entdeckte Gurlitt-Sammlung ein. Etwa 200 der insgesamt 1500 Werke seien augenscheinlich aus Frankreich. Hierüber stehe Frankreich mit Deutschland, der Schweiz und Österreich in Verhandlungen.

Letzte Änderung 30/11/2015

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