Geburtstag des Erfinders der Blindenschrift Louis Braille [fr]

Im Kreise der Sehbehinderten wird dieses Jahr der 200. Geburtstag von Louis Braille (4. Januar 1809 – 6. Januar 1852), dem Erfinder der nach ihm benannten Blindenschrift, gefeiert. In Verbindung mit den neuen Technologien bietet die Braille-Schrift heute mehr denn je einen verbesserten Zugang zur schriftlichen Information.

Wir schreiben das Jahr 1812. In der Nähe von Paris verletzt sich ein dreijähriger Junge beim Spielen in der Werkstatt seines Vaters am Auge. Da er es nicht schafft, die Wunde in Ruhe zu lassen, infizieren sich schließlich beide Augen und der Junge verliert für immer sein Augenlicht. Aus dieser persönlichen Tragödie wird eine revolutionäre Erfindung hervorgehen: die Braille-Schrift. Am Königlichen Institut für junge Blinde in Paris lernt Louis mit den damals existierenden Hilfsmitteln, reliefartigen Zeichen, zu lesen.

Bald beginnt sich Braille für eine völlig neue Art des Lesens zu interessieren, die Offizier Charles Barbier de la Serre vorstellt. Es handelt sich dabei um eine Anpassung der vom Militär verwendeten Nachtschrift. Der hochbegabte Louis Braille findet schnell die Grenzen dieser Methode heraus. Die Schrift von Barbier, die auf einem Punktesystem beruht, umschreibt Laute und nicht das Alphabet. Keine Grammatik, keine Zeichensetzung, keine Mathematik oder Notenschrift. Braille steckt seine gesamte Freizeit in die Bemühungen, das System von Barbier zu verbessern.

1829 erscheint sein erstes Werk: Procédé pour écrire les paroles, la musique et le plain-chant au moyen de points à l’usage des aveugles et disposé pour eux (Verfahren, um Worte, Musik und gregorianische Gesänge mit Hilfe von Punkten zu schreiben, zum Gebrauch der Blinden und für sie zusammengestellt). Die Braille-Schrift war geboren. Nach einigen Veränderungen erscheint 1837 die endgültige Version der Blindenschrift.

Heute genießt die Braille-Schrift universelle Anerkennung, sie hat aber einige Zeit gebraucht, um sich durchzusetzen. „Sie hat sich dank des Einsatzes von Vereinigungen wie der American Foundation for the Blind oder Once in Spanien verbreitet“, erklärt Jean-Marie Cierco, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses der französischen Braille-Schrift. „All diese Vereinigungen standen miteinander in Verbindung und haben die Braille-Schrift getestet, die sich als das beste System erwies. Wie die Blindenschulen auch, hat dieses System dann rasch Verbreitung gefunden. Nichtsdestotrotz wurde es erst 1878, im Rahmen des internationalen Kongresses der europäischen Nationen, als bestes und international anzuwendendes System anerkannt“.

Mit diesem System hat Louis Braille den Blinden ihre Würde zurückgegeben. Er ist also viel mehr als ein genialer Erfinder. „Louis Braille ist ein Erfinder, aber darüber hinaus ist er ein Segen für alle Blinden auf dieser Welt“, so Maurice Dangaye, Pädagoge eines wichtigen Blindeninstituts in Afrika. „Die Sehbehinderten haben eine ganz besondere Verbindung zu Braille“, ergänzte Gérard Colliot, der Vorsitzende der Vereinigung Valentin Haüy, einer der wichtigsten Organisationen in Sachen Verteidiung der Rechte von Sehbehinderten. „Er ist sozusagen ihr großer Bruder, derjenige, der ihnen ihr Alphabet gegeben hat. Davor wurden Seebehinderte wie Bettler behandelt. Blind sein wurde als ein Unheil angesehen.“

Auch heute ist die Blindenschrift unverzichtbar. Blinde können Bücher, Landkarten, Noten oder mathematische Formeln lesen. Sie können einem Beruf nachgehen, die Uhr lesen und sogar als Kopilot tätig sein. Die Blindenschrift hilft ihnen, im Alltag besser zurecht zu kommen, z.B. indem sie persönliche Gegenstände mit Schildchen kennzeichnen.

Die Braille-Schrift ist alles andere als überholt, denn sie ermöglicht auch den unbegrenzten Zugang zu den neuen Technologien. „Um einen Text auf dem Computer zu entziffern, können Sie sich eines Programms für elektronisch erzeugte Sprache bedienen. Oder aber Sie können sich der so gennanten Braillezeile, einer Art Blindentastatur, bedienen, um Texte zu lesen. Zur Überprüfung der Rechtschreibung etwa ist das sehr hilfreich. Die Braille-Schrift ist heute also gar nicht mehr wegzudenken!“, erklärt Gérard Colliot. „Dank der neuen Technologien haben Sehbehinderte heute einen besseren Zugang zur Kultur und zu geschriebenen Informationsquellen. Problematisch ist jedoch, dass die Hilfsgeräte sehr teuer sind. In einigen Ländern ist das Interesse sehr groß, allerdings fehlen häufig die Mittel. In unserem visuellen Zeitalter ist das eine wirkliche Herausforderung.“

Frankreich steht auch heute noch an der Spitze des Fortschrittes in Sachen Verbesserung der Lebensbedingungen für Sehbehinderte. So wurde im Dezember 2008 in Paris das Institut de la Vision, das erste französische öffentlich-private Forschungszentrum für Augenkrankheiten eröffnet. Diesem Zentrum gehören fast 200 Forscher an, die überwiegend in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien tätig sind. Die Forschung dieser internationalen Teams konzentriert sich vor allem auf die künstliche Netzhaut - ein Netzhaut-Implantat, das Blinden wieder zum Sehen verhelfen soll.

Letzte Änderung 25/04/2012

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