Gewerkschaften in Frankreich

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Der französische Staat erkennt fünf Verbänden das Recht auf gewerkschaftliche Vertretung und den Abschluss von Branchenverträgen zu:

Den zwei großen Gewerkschaftsverbänden Confédération générale du travail (CGT) und Confédération française démocratique du travail (CFDT), der mittelgroßen Force ouvrière (FO) und den beiden kleineren Gewerkschaftsverbänden Confédération française des travailleurs chrétiens (CFTC) und Confédération générale des cadres (CGC).

Die Arbeitgeber werden seit 1998 durch die MEDEF (Mouvement des entreprises de France) vertreten.

Die Gewerkschaften sind die unternehmensübergreifende Interessenvertretung der Arbeitnehmer und arbeiten direkt mit den Betriebsräten zusammen.

Geringer Organisationsgrad der Gewerkschaften in Frankreich

Zahlen des französischen Arbeitsministeriums aus dem Jahr 2013 belegen, dass 11% der Arbeitnehmer in Frankreich (etwa 2,6 Millionen) einer Gewerkschaft angehören. Dieser Anteil ist seit Mitte der 90er Jahre stabil geblieben. Der Durchschnitt der organisierten Arbeitnehmerschaft liegt in der Europäischen Union bei 23%.

Die Studie belegt auch, dass der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Beamten (20%) doppelt so hoch ist wie der im Handels- und Dienstleistungssektor (9%).

Staatsbeamte sind mit 24% am stärksten gewerkschaftlich organisiert. Dagegen sind es nur 17% der Beamten des Gesundheitswesens und 16% in der territorialen Verwaltung. Relativ stark sind die Gewerkschaften in den Bereichen Erziehung, Bildung und Forschung mit einem Organisationsgrad von 24%, ebenso wie in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung (32%). Bei der Polizei ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter mit 49% besonders hoch.

Im Handels- und Dienstleistungssektors ist der Organisationsgrad im Transportwesen am höchsten (18%). In den großen öffentlichen Betrieben dieser Branche (Pariser Verkehrsbetriebe RATP, Staatsbahn SNCF, Post, Pariser Flughäfen) haben die Gewerkschaften trotz der jüngsten Umstrukturierungen innerhalb dieser Konzerne weiterhin großen Einfluss.

28% der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmerschaft sind traditionell in der Industrie tätig und 20% im Handels- und Dienstleistungssektor. Der Organisationsgrad liegt hier trotz der Umstrukturierungen und des Verschwindens ehemaliger Gewerkschaftsbastionen mit 12% weiterhin über dem Durchschnitt.

Arbeitnehmer in Vollzeit sind stärker gewerkschaftlich organisiert (12%) als Arbeitnehmer in Teilzeit (8%). Ein weiteres Kriterium für gewerkschaftliches Engagement ist die Stabilität des Arbeitsplatzes, denn nur 1% der Zeitarbeiter sowie 2% der Beschäftigten mit einem befristeten Arbeitsvertrag sind gewerkschaftlich aktiv. Im Handels- und Dienstleistungssektor sind die intermediären Berufe (non-profit) und die klassischen Arbeiter am stärksten gewerkschaftlich organisiert (11 bzw. 9%), aber nur 7% der leitenden Angestellten gehören einer Gewerkschaft an. Im öffentlichen Dienst hingegen sind 23% der leitenden Angestellten organisiert, wobei der Frauen- und Männeranteil gleich ist.

In den Überseegebieten ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Arbeitnehmern mit 24% höher als im übrigen Land. Das liegt zum großen Teil an dem überdurchschnittlichen Anteil der in diesen Departements im öffentlichen Dienst Beschäftigten (37% im Vergleich zu 23% im nationalen Durchschnitt).

Finanzierung der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften in Frankreich finanzieren sich wie folgt:

-  durch die Beiträge der Mitglieder (einkommensabhängig gestaffelt),
-  durch die Unternehmen, die auch finanziell zur gewerkschaftlichen Tätigkeit beitragen können; die Zuwendungen, die unter das Gewerkschaftsrecht fallen, werden entweder zu gleichen Teilen oder proportional zu den Wahlergebnissen unter den repräsentativen Gewerkschaften verteilt,
-  durch die Gebietskörperschaften, die den lokalen Verbänden der Gewerkschaften Zuwendungen zukommen lassen können,
-  durch staatliche Zuwendungen zur Förderung bestimmter gewerkschaftlicher Aktivitäten

Außerdem werden bestimmte Aktivitäten oder Funktionskosten der Gewerkschaften auf die verschiedenste Weise übernommen, zum Beispiel durch die kostenlose Überlassung von Räumlichkeiten durch die Gebietskörperschaften.

Im öffentlichen Dienst werden die Mittel (finanzieller und materieller Art sowie Mitarbeiter) den jeweiligen Organisationen durch den Staat oder die Gebietskörperschaften zur Verfügung gestellt.

Der tendenzielle Rückgang des gewerkschaftlichen Organisationsgrades der französischen Arbeitnehmerschaft trägt zur finanziellen Schwächung der Gewerkschaften bei. Jedoch ist der aus Mitgliedsbeiträgen bestehende Anteil der Finanzierung schwer einzuschätzen, genau wie die anderen Finanzierungsquellen, die keiner Veröffentlichungspflicht unterliegen.

Die Herkunft der finanziellen Mittel der Gewerkschaftsorganisationen ist jedoch seit dem Gesetz vom 20. August 2008 transparenter geworden. Sie sind jetzt zur Erstellung jährlicher Konten verpflichtet, die im Internet für die Öffentlichkeit einsehbar sein müssen.

Kein Streikgeld

Die Gewerkschaften in Frankreich haben keine Streikkasse aus der Arbeitnehmer im Falle von Arbeitsniederlegungen den ausgefallenen Lohn ersetzt bekommen. Streikende gehen daher bei längeren Streiks ein größeres Risiko ein. Allerdings ist die Bezahlung der Streiktage der Arbeitnehmer oft ein Teil des nach Ende des Streikes abgeschlossenen Tarifvertrages.  

Letzte Änderung 31/05/2016

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