Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in Frankreich

GIF Informations en français

Auf Vorschlag des damaligen Justizministers Robert Badinter stimmte die französische Nationalversammlung 1982 für die Entkriminalisierung der Homosexualität, nachdem Präsident François Mitterrand sich im Wahlkampf 1981 für die Abschaffung aller diskriminierenden Gesetze gegen Homosexuelle ausgesprochen hatte.

Erst mit der Verabschiedung des zivilen Solidaritätspakts (PACS - pacte civil de solidarité) im Jahr 1999, der auf Initiative der sozialistischen Abgeordneten und PACS-Verfechter Patrick Bloche und Jean-Pierre Michel zurückgeht, verlieh Frankreich homosexuellen Paaren einen Rechtsstatus. Der PACS ist ein Vertrag, der zwischen zwei volljährigen Personen desselben oder unterschiedlichen Geschlechts geschlossen wird. Doch obwohl der PACS die Grundlage für die gesetzliche Anerkennung homosexueller Paare ist, wurden von den 195 000 PACS im Jahr 2010 nur 5 % von homosexuellen Paaren geschlossen.

Der PACS verleiht heterosexuellen und homosexuellen Paaren zwar einen Rechtsstatus, räumt ihnen jedoch nicht die gleichen Rechte wie bei einer Heirat ein, die gleichgeschlechtlichen Paaren in Frankreich nach wie vor verwehrt ist. Bei der sozialen Absicherung sowie bei Steuern und Schenkungen bestehen keine großen Unterschiede zwischen Heirat und PACS. Die größten Unterschiede betreffen das Kindschaftsverhältnis, die Adoption und die Erbschaftsansprüche.

Mit dem Gesetz vom 17. Mai 2013, das gleichgeschlechtlichen Paaren die Eheschließung ermöglicht, wird dem Gleichheitsprinzip noch stärker Rechnung getragen. Homosexuelle Ehepaare haben seitdem auch das Recht auf Adoption, sowohl im Falle der gemeinsamen Adoption eines Kindes durch die beiden Ehepartner als auch bei der Adoption des Kindes des Ehepartners.

Das Gesetz ermöglicht nicht nur Eheschließungen zwischen zwei in Frankreich lebenden Personen gleichen Geschlechts, sondern erkennt auch gleichgeschlechtliche Eheschließungen zwischen Paaren an, die vor Inkrafttreten des Gesetzes im Ausland geheiratet hatten. Das Gesetz ändert dabei nichts an der aktuellen Rechtslage zur Eheschließung und zur Adoption sowie sämtlicher damit verbundener Rechte und Pflichten. Nur bei der Namensgebung kam es zu Änderungen, denn das Kind kann bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht mehr automatisch den Familiennamen des Vaters annehmen.

In einigen Rechtsfällen sieht das Gesetz außerdem Wortlautänderungen vor, So ist z. B: nicht mehr von «Vater und Mutter» die Rede, sondern von «Eltern» bzw. wird «Ehemann und Ehefrau» durch «Eheleute» ersetzt. Diese Änderungen sind nur dann vorgesehen, wenn sie notwendig sind und sie betreffen dabei weder die Personenstandsurkunden noch die Familienstammbücher. Hier wird bei Paaren unterschiedlichen Geschlechts weiterhin von „Vater und Mutter“ gesprochen.

Mit der Verabschiedung des Gesetzes ist Frankreich neben Holland, Belgien, Spanien, Schweden, Norwegen, Portugal und Island das neunte Land in Europa, das gleichgeschlechtliche Ehen anerkennt.

- Weitere Informationen zum PACS

- Allgemeine Informationen

Letzte Änderung 02/02/2016

Seitenanfang