Gleichstellung von Frauen und Männern in Frankreich

GIF Informations en français

Geschichte

Der Code civil (frz. bürgerliches Gesetzbuch) von 1804 räumt Frauen bürgerliche jedoch noch keine politischen Rechte ein. Erst 1944 erhalten Frauen das Wahlrecht. Und erst seit 1946 garantiert Artikel 4 der Verfassung der Vierten Republik Frauen in allen Bereichen die gleichen Rechte wie Männern. Doch ungeachtet dieser Errungenschaft bleibt die Gleichstellung zwischen Mann und Frau weit hinter den Erwartungen zurück.

Gesetzgebung

Seit Beginn des Jahrhunderts wurde die Gesetzgebung zum Thema Gleichstellung zwischen Mann und Frau mehrfach geändert. 1999 wurde im Rahmen einer Verfassungsänderung Artikel 3 der Verfassung der Fünften Republik wie folgt ergänzt: „Das Gesetz fordert den gleichen Zugang von Frauen und Männern zu den Wahlmandaten und auf einer Wahl beruhenden Ämtern“. Diese Ergänzung wurde 2008 in Artikel 1 aufgenommen. Erst diese neue verfassungsrechtliche Bestimmung machte die Verabschiedung weiterer Gesetze zur Förderung des Zugangs von Frauen zu Wahlmandaten möglich.

-  2000 wird die öffentliche Finanzierung politischer Parteien per Gesetz so geändert, dass ein Teil der staatlichen Förderung nur dann ausgezahlt wird, wenn die Kriterien für eine gleichberechtigte Aufstellung von Kandidaten bei regionalen und nationalen Wahlen erfüllt sind.
-  2006 wurden zwei Gesetze über die Gleichstellung von Männern und Frauen in Unternehmen verabschiedet.
-  2010 wurde ein Gesetz zum Abbau ungerechtfertigter Gehalts- und Karriereunterschiede zwischen Männern und Frauen verabschiedet. Es sieht den obligatorischen Abschluss von Unternehmensvereinbarungen bei mehr als 50 Beschäftigten vor.
-  2011 wurde ein Gesetz zur schrittweisen Einführung von Frauenquoten in den Führungsetagen von Unternehmen verabschiedet. Ab 2017 muss demnach in Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern und auch in der öffentlichen Verwaltung eine Quote von 40% erreicht sein.

Fortschritte in der Politik

Seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Gleichstellung von Männern und Frauen in der Politik (Gesetz vom 6. Juni 2000) sind in Frankreich große Fortschritte für den gleichberechtigten Zugang von Männern und Frauen zu Mandaten und Wahlämtern gemacht worden.

Frauenteil bei Mandaten und Wahlämtern (2015

Nationalversammlung 26 %
Senat 25%
Regionalräte 47,8%
Departementsräte 50 %
Gemeinderäte 40%
Europäisches Parlament 44%

In den Führungspositionen haben die Frauen trotz großer Fortschritte allerdings auch in der Politik noch Nachholbedarf. Die Regierung von Manuel Valls zählt zwar 16 Frauen (bei 34 Regierungsposten), aber nur 3 der 13 Regionalräte im Festlandsfrankreich werden von Frauen geleitet und in den Departementsräten sind nur 9 von 100 Präsidenten weiblich. Auch bei den Bürgermeistern lag der Frauenanteil 2014 bei nur 13%. Paris hat seit 2014 allerdings erstmals eine Bürgermeisterin.

Auf dem Arbeitsmarkt und in Unternehmen holen Frauen auf

Frauen waren in Frankreich 2013 weniger häufig arbeitslos als Männer (9,7%/10%). Sie arbeiten aber häufiger als Männer auf prekären Arbeitsstellen und in Arbeitsbereichen, die deutlich weniger zahlen. Des Weiteren erhalten sie trotz einer langsamen Aufholtendenz oft immer noch geringere Löhne und haben schlechtere Aufstiegschancen. Auf einer Vollzeitstelle verdienen sie durchschnittlich 19 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei gleicher Qualifikation und gleichen Aufgaben beträgt der Unterschied immer noch etwa 10%.

2014 erreichte der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten der 40 größten französischen Unternehmen erstmals 30%.

In der Zukunft dürfte sich aber viel ändern, denn Frauen erreichen zunehmend höhere Abschlüsse an den Universitäten als Männer. So betrug 2011 der Frauenanteil bei Bachelor-Studiengängen laut Hochschulministerium 57% und bei Master-Studiengängen nahezu 60%.

Letzte Änderung 19/01/2016

Seitenanfang