Internationaler Frauentag: Wie steht es um die Frauenrechte in Frankreich? [fr]

Seit 1982 wird auch in Frankreich am 8. März der im Jahre 1977 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Internationale Frauentag begangen. Dieser Tag bietet die Gelegenheit, die jüngste Entwicklung in Frankreich in Bezug auf die Frauenrechte unter die Lupe zu nehmen.

Statistik und Fakten zur Gleichstellung in Frankreich

Seit Ende der 60er Jahre gab es bei der Verwirklichung der Frauenrechte immense Fortschritte etwa in Bezug auf das Recht, über den eigenen Körper zu verfügen, der politischen und beruflichen Gleichstellung oder bei der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen. Allerdings bleibt festzuhalten, dass auch bei einer besseren rechtlichen Gleichstellung in der Realität Ungleichheiten fortbestehen.

Auch wenn die berufliche Gleichstellung 1946 in Frankreich Verfassungsrang erhielt, so gestaltet sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Frauen weiterhin schwieriger als für Männer (unterschiedliche Gehälter, unsichere Beschäftigungsverhältnisse usw.) Zudem ist es für sie immer noch schwieriger in leitende Positionen aufzusteigen.
In den letzten 5 Jahren hat der Gesetzgeber allerdings weitere Maßnahmen ergriffen, um die Gleichstellung der Frau voranzubringen.

-  Ein 2011 verabschiedetes Gesetz verpflichtet große Unternehmen dazu, bis 2017 mindestens 40% der Aufsichtsratssitze an Frauen zu vergeben.

-  Ein 2014 verabschiedetes Gesetz zielt darauf ab, im privaten Bereich die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Praxis zu fördern.

-  Die Abschaffung der Notlagenindikation sowie der 7-tägigen Bedenkzeit als Vorbedingungen für eine Abtreibung

Frankreich ist zudem das erste Land, das ein Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen in der Politik verabschiedet hat (Gesetz vom 6. Juni 2000), um den gleichberechtigten Zugang von Männern und Frauen zu Wahlmandaten und Wahlämtern zu fördern. Dies hat in mehreren Schritten zu einer deutlichen Erhöhung des Frauenanteils in der Politik geführt. 2015 wurde so zum ersten Mal auch bei den Departementswahlen, die nach dem Mehrheitswahlrecht stattfinden, über den Zwang zu „Paarkandidaturen“ eine paritätische Verteilung von Mandaten erreicht.

Frauenteil bei Mandaten und Wahlämtern (2015)

Nationalversammlung 26 %
Senat 25%
Regionalräte 47,8%
Departementsräte 50 %
Gemeinderäte 40%
Europäisches Parlament 44%

In den Führungspositionen haben die Frauen trotz großer Fortschritte allerdings auch in der Politik noch Nachholbedarf. Die Regierung von Manuel Valls zählt zwar 19 Frauen (bei 38 Regierungsposten), aber nur 3 der 13 Regionalräte im Kontinentalfrankreich werden von Frauen geleitet und in den Departementsräten sind nur 9 von 100 Präsidenten weiblich. Auch bei den Bürgermeistern lag der Frauenanteil 2014 bei nur 13%. Paris hat seit 2014 allerdings erstmals eine Bürgermeisterin.

Auch in anderen Bereichen gibt es noch Nachholbedarf. So sind trotz vieler Informationskampagnen und Maßnahmen gegen abwertende Darstellungen von Frauen weiterhin Stereotype weit verbreitet. Auch gelten Frauen weiterhin als erster Ansprechpartner für Kinder und die Haushaltsführung liegt zuvorderst in ihren Händen

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Frauenrechte_F2016

Letzte Änderung 18/05/2016

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