Islamforum: Für einen Islam mit französischem Antlitz [fr]

Am 15. Juni ist das neu gegründete Forum für den „Dialog mit den Vertretern des Islams in Frankreich“ erstmals zusammengetreten. Sein Ziel ist es, Anstöße für die Herausbildung eines Islam mit französischem Antlitz zu geben, was auch die Ausbildung der Imame und die Sicherheit und Finanzierung der Moscheen betrifft. Weitere Themen sind die Aufwertung gemeinnütziger islamischer Einrichtungen in den Bereichen Soziales, Kultur und Bildung sowie die Bekämpfung islamfeindlicher Handlungen.

Die Gründung des Forums zum Dialog mit der zweitwichtigsten Religion Frankreichs war im Februar im Zuge der Attentate in Paris Anfang des Jahres vom Ministerrat beschlossen worden. Ihm gehören neben den Vertretern des Staates die wichtigsten Vertreter des französischen Islam an (Vereine, Imame, Intellektuelle und Vertreter der Zivilgesellschaft).

In seiner Rede wies Premierminister Manuel Valls auf die Vielfalt des Islam in Frankreich hin, der maghrebinische, malikitische, türkische und afrikanische Traditionen und Wurzeln vereine.

Die Anschläge Anfang Januar hätten die Notwendigkeit aufgezeigt, „dem Islam alle Möglichkeiten zur Reform und zur Hinwendung zu schwierigen Fragen und Herausforderungen zu geben, vor denen er in seiner Vielfalt und seiner Komplexität steht“, so der Premierminister. Auch wenn eine laizistische Republik sich nicht in die internen Dinge der Religionsgemeinschaften einmischen dürfte, so müsse sie sich doch bei allem Respekt der Grundlagen der Republik mit den Fragen der freien Religionsausübung befassen.

« Wir müssen Mittel zur Überwindung unserer Verletzungen finden, den klaren Beweis antreten, dass der Islam mit der Demokratie, unseren republikanischen Werten und den Frauenrechten vereinbar ist und uns der Tatsache versichern, dass es an uns ist, dieses französische Modell zu schaffen. Dies ist die Botschaft die unsere Nation so kraftvoll am 11. Januar gegeben hat.»

Manuel Valls, 15. Juni 2015

Manuel Valls unterstrich, dass die Laizität und die mit ihr einhergehende Neutralität des Staates ein unteilbarer Bestandteil der Republik seien. Sie dürfe aber nicht als Mittel der Stigmatisierung, des Ausschlusses und der Geringschätzung des Islam benutzt werden.

Schließlich nannte der Premierminister die wichtigsten Baustellen der Zukunft, die es gemeinsam anzugehen gelte:

- Die Sicherheit der Stätten der Religionsausübung und die Bekämpfung muslimfeindlicher Taten

Vor dem Hintergrund der seit Januar 2015 stark angestiegenen muslimfeindlichen Taten ist das Engagement des Staates gegen jedwede Form des Antisemitismus und des Antiislamismus unabdingbar.

- Der Bau religiöser Stätten und deren Finanzierung

Die Bauten und deren Unterhaltung müssen aus französischen Quellen finanziert werden. Hierzu wird bis zum Ende des Jahres eine neue Stiftung gegründet, die Projekte von Allgemeininteresse (Kultur, Soziales, Bildung) sowie solche der islamischen Gemeinschaft finanziert.

- Die Ausbildung von Imamen und religiösen Würdenträgern

Die Ausbildung der religiösen Verantwortlichen müsse verstärkt und verpflichtend werden für alle, die diese Ämter ausüben wollten. Dies sei auch deshalb notwendig, um die djihadistische Propaganda zu brechen und dem Islam ein anderes Bild zu geben.

Letzte Änderung 25/08/2015

Seitenanfang