Jugendliche als Literaturkritiker: Prix des lycéens allemands 2009 geht an Elisabeth Combres für La mémoire trouée [fr]

GIF Am 13. März 2009 verliehen deutsche Oberstufenschüler bereits zum fünften Mal den Prix des lycéens allemands. Der Preis 2009 ging an die Autorin Elisabeth Combres für ihren Roman La mémoire trouée (Editions Gallimard), einer der fünf Romane in der Endausscheidung.

Am 12. März 2009 hatte die Bundesjury für den Prix des lycéens allemands, die aus Schülervertretern der Bundesländer besteht, in einer letzten Beratung den Preisträger 2009 gewählt. Die 15 Schülervertreter erkannten nach lebhaften Diskussionen dem Roman La mémoire trouée von Elisabeth Combres (Gallimard, collection Scripto) den Preis zu.

Die feierliche Preisverleihung fand am 13. März wieder auf der Leipziger Buchmesse statt und wurde von Bernard de Montferrand, Botschafter der Republik Frankreich in Deutschland, in Anwesenheit von Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse und Bertold Marohl, Verlagsleiter bei Ernst Klett Sprachen GmbH eröffnet.

Dieser Literaturpreis, an dem sich eine immer grössere Anzahl von deutschen Schulen beteiligt (mehr als 3500 Schüler im Jahr 2009), geht auf den französischen Prix Goncourt des lycéens zurück und ist eine Gemeinschaftsinitiative der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin, der französischen Kulturinstitute in Deutschland, der Kultusministerien der Bundesländer, des Ernst Klett Verlages sowie der Leipziger Buchmesse.

Der preisgekrönte Roman La mémoire trouée von Elisabeth Combres behandelt in einer verständlichen und treffenden Weise den Völkermord in Ruanda. Die Autorin zeichnet darin das anrührende Portrait des jungen Mädchens Emma nach, das die brutale Ermordung ihrer Mutter durch Hutus miterleben muss. Nach diesem grauenhaften Erlebnis versucht Emma, zu einem Leben zurückzufinden, das sie eigentlich als verloren glaubt. Dieses Buch reisst die Wunde der noch präsenten Vergangenheit wieder auf und verleiht den Opfern eine Stimme, um das „Unsagbare auszudrücken“. In der Begründung der Bundesjury, die von der Ernsthaftigkeit des Buches tief beeindruckt war, heisst es weiter, dass dieses Thema „uns alle betrifft“ und „zum Nachdenken anregt“. Die deutschen Oberstufenschüler waren sich einig, dass La mémoire trouée „nicht nur über die Vergangenheit Zeugnis ablegt sondern auch das Bewusstsein für die Gegenwart stärkt und Hoffnung für die Zukunft vermittelt“. Sie sind der Ansicht, dass es dieser Roman verdient, in Deutschland veröffentlicht zu werden, um die jungen deutschen Leser für die noch wenig bekannte ruandische Tragödie zu sensibilisieren und „ Erinnerungslücken“ zu schliessen.

Der Prix des lycéens allemands ist mit 5000€ dotiert, die vom Ernst Klett Verlag für die Übersetzung des prämierten Werkes ins Deutsche gesponsort werden.

Letzte Änderung 26/04/2012

Seitenanfang