Kernenergie in Frankreich

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Die Kernenergie gilt in Frankreich spätestens seit dem Ölschock der 70er-Jahre als der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung. Dank der Kernkraft konnte die Abhängigkeit von Öl verringert und die Versorgungssicherheit verbessert werden. Gleichzeitig blieben die Stromproduktionskosten wettbewerbsfähig und die Stromschwankungen unerheblich. Es handelt sich um eine Energieform mit nur geringen Treibhausgasemissionen, was angesichts des Kampfes gegen den Klimawandel von besonderer Bedeutung ist. Es ist seinen Kernkraftwerken zu verdanken, dass Frankreich bei den CO2-Emissionen unter den 30 OECD-Ländern einen besonderen Platz einnimmt (an 7. Stelle bei den pro Kopf-Emissionen und an 4. Stelle bei den Emissionen pro BIP-Einheit).

Derzeit entwickeln die Forscher den Kernreaktor der Zukunft, mit dem die verfügbaren Mineralressourcen bestmöglich genutzt werden sollen, um eine nachhaltige Verfügbarkeit dieser Ressourcen sowie die Versorgungssicherheit zu garantieren. Die Forschungen zielen ebenfalls auf eine Reduzierung der Radiotoxizität und der produzierten Abfallmenge ab.

Da Kernkraftwerke radioaktive Substanzen erzeugen und nutzen, sind Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und zur Gewährleistung der Sicherheit kerntechnischer Anlagen notwendig. Dies erfordert einen verantwortungsvollen Umgang mit den von den Kernkraftwerken erzeugten radioaktiven Abfällen. Vor diesem Hintergrund hat Frankreich einen speziellen Rechtsrahmen geschaffen, der einerseits Maßnahmen zur Transparenz und nuklearen Sicherheit vorschreibt (z.B. Unabhängigkeit der Behörde für nukleare Sicherheit) und andererseits Maßnahmen für einen nachhaltigen Umgang mit radioaktiven Materialien und Abfällen: nationaler Bewirtschaftungsplan, Reglementierung der Forschung zur Behandlung radioaktiver Abfälle, Transparenz, Absicherung der Finanzierung für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen und zur Entsorgung radioaktiver Abfälle etc.

Der Kampf gegen den Klimawandel und die absehbare Ölverknappung führen dazu, dass sich immer mehr Länder der Kernenergie bzw. seiner verstärkten Nutzung zuwenden. Vor diesem Hintergrund setzt sich Frankreich auf internationaler Ebene für die Förderung des verantwortungsvollen Ausbaus der zivilen Kernenergienutzung ein. Es unterstützt französische Unternehmen (die im Kernenergiesektor Maßstäbe setzen) bei ihren Projekten im Ausland und gewährleistet eine institutionelle Zusammenarbeit mit den Drittländern, die eine Kooperation beim eventuellen Ausbau ihres Kernenergiesektors gemäß den Grundsätzen einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Nutzung dieser Energiequelle wünschen.

Kernkraftwerke in Frankreich

-  Strom erzeugende Reaktoren

Frankreich verfügt derzeit über 58 Druckwasserreaktoren (EPR), die von EDF betrieben werden und auf 19 Standorte verteilt sind: 34 Reaktoren mit einer Leistung von 900 MWe, 20 mit 1 300 MWe und 4 mit 1 500 MWe; Gesamtleistung von 63 GWe. Die ältesten Reaktoren wurden in den 1970er Jahren in Betrieb genommen. Die jüngste Anlage mit 1 450 MWe wurde im Dezember 1999 in Civaux ans Netz angeschlossen und nahm im April 2002 ihren Betrieb auf. Hinzu kommen der derzeit im Bau befindliche Reaktor der dritten Generation EPR3 in Flamanville und das Projekt des zweiten EPR in Penly.

Bereits vor mehreren Jahren wurden außerdem die ebenfalls von EDF betriebenen Reaktoren der ersten Generation stillgelegt. Sie befinden sich derzeit im Rückbau. Ferner das Kernkraftwerk Phönix, das seit 1974 von der Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) betrieben und im September 2009 endgültig abgeschaltet wurde. Es handelte sich hierbei um einen Forschungsreaktor des Prototyps eines so genannten Schnellen Brüters. Im Gegensatz zu herkömmlichen Druckwasserreaktoren werden die für die Kernfusionsreaktion im Schnellen Brüter genutzten Neutronen nicht abgebremst, was einer besonderen Kühlflüssigkeit (Natrium) bedarf.

-  Anlagen im Kernbrennstoffkreislauf

Der Kernbrennstoffkreislauf umfasst den gesamten Weg des Kernbrennstoffs von der Gewinnung, der Umwandlung, dem Reaktoreinsatz bis zur Entsorgung. In Frankreich arbeiten viele vom Atomkonzern AREVA betriebenen Anlagen im Kernbrennstoffkreislauf.

Die Aufbereitung des Urans erfolgt in den beiden COMURHEX-Anlagen in Malvési und Pierrelatte. In diesen ICPE-Anlagen (klassifizierte Anlage zum Schutz der Umwelt) wird natürliches Uran verwendet.

Das Unternehmen Eurodif betreibt auf dem Gelände der Atomkraftanlage Tricastin in Frankreich zwei Anlagen zur Urananreicherung Georges Besse I (soll bis 2020 komplett rückgebaut werden) und Georges Besse II. Der Anreicherungsprozess wurde vom Gasdiffusions-Verfahren (Georges Besse I) auf das deutlich energiesparendere Gaszentrifugen-Verfahren (Georges Besse II) umgestellt.

In der Brennelementefabrik FBFC in Romans-sur-Isère wird Uranhexafluorid (UF6) in pulverförmiges Uranoxid umgewandelt. Die mit diesem Oxid hergestellten Brennpellets werden in ein Hüllrohr verbracht und zu Brennstäben verarbeitet. Diese Uranstäbe werden anschließend in den Kernkraftwerken verbrannt und liefern durch die Kernspaltung des Urans 235 die notwendige Energie. Die Einsatzzeit der Brennstäbe in einem Reaktor ist auf drei bis fünf Jahre begrenzt. Danach werden sie aus den Reaktoren entfernt, in einem Abklingbecken vor Ort abgekühlt und anschließend in die Wiederaufbereitungsanlage von AREVA NC in La Hague transportiert. Das Uran und Plutonium werden dort aufbereitet und bis zu einer späteren Nutzung zwischengelagert. Die dabei entstehenden radioaktiven Abfälle werden gemäß der von Frankreich festgelegten Strategie zur Entsorgung radioaktiver Abfälle behandelt.

Das aus dem wiederaufgearbeiteten verbrauchten Brennstoff stammende Plutonium wird in der kerntechnischen Anlage Melox in Marcoule zur Herstellung von MOX-Brennstoffen (Gemisch aus Uran- und Plutoniumdioxid) genutzt, die vornehmlich in bestimmten Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von 900 MWe im französischen Kernkraftpark zum Einsatz kommen.

(Stand November 2014]

Letzte Änderung 25/09/2015

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