Krankenversicherung in Frankreich

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Die Krankenversicherung umfasst vier große Sparten:

1) das régime général, das den abhängig Beschäftigten aus den Bereichen Industrie, Handel und dem Dienstleistungsgewerbe sowie Beschäftigten aus ähnlichen privaten Beschäftigungsverhältnissen Versicherungsschutz bietet.

80% der Bevölkerung, d.h. 54 Millionen Personen sind auf diese Weise versichert und dieses Prinzip bildet zugleich den Grundstein der sozialen Absicherung in Frankreich. Die Krankenversicherung des régime général ist Teil einer autonomen, dezentralisierten Körperschaft, die den Auftrag eines öffentlichen Dienstes erfüllt.

Die Krankenversicherung deckt die finanziellen Risiken ab, die sich auch Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsunfähigkeit und Tod ergeben. Im Rahmen einer separaten Verwaltung bietet sie ebenfalls finanzielle Absicherung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Sie wird verwaltet von der Caisse nationale de l’assurance maladie des travailleurs salariés (CNAMTS).

2) die Mutualité sociale agricole (mit 5 Millionen Mitgliedern) sichert Landwirte, abhängig Beschäftigten in der Landwirtschaft und in den ihr verwandten Berufen ab.

3) die Caisse Nationale d’Assurance Maladie des Professions Indépendantes , in der die verschiedenen Versicherungsträger der freien Berufe zusammengefasst sind und die etwa 3,5 Millionen Personen Versicherungsschutz bietet.

4) die berufsständischen Kassen (Eisenbahner, öffentliche Versorgungsbetriebe, Seeleute usw.), die etwa 2,5 Millionen Personen absichert.

Hinzu kommen die Versicherungen auf Gegenseitigkeit (Mutuelles) und private Krankenversicherungen, die ergänzende Zusatzversicherungen anbieten, da die Krankenkassen nur einen Teil der Kosten ersetzen. 95 % der Versicherten haben eine derartige Versicherung abgeschlossen.

Die Krankenversicherung wird in der Hauptsache finanziert durch Sozialabgaben auf Löhne und Gehälter (Arbeitgeber 12,8 %, Arbeitnehmer 0,75 %) und durch die Allgemeine Sozialsteuer CSG (contribution sociale générale - 7,5 % auf alle Einkommensarten).

Die Leistungen der Krankenversicherung bestehen aus der Erstattung eines Teils der Ausgaben der Versicherten (Arztbesuch, Krankenhausaufenthalt, Medikamente usw.) sowie aus direkten Unterstützungsleistungen Mutterschaftstagegeld, Arbeitsunfälle, Berufsunfähigkeitsrenten, Sterbegeld).

Das französische System basiert für den Versicherten auf zwei wichtigen Prinzipien:

- der freien Arztwahl ( Hausarzt, Facharzt, Zahnarzt, Labor, Physiotherapeut usw.)
Dabei muss zwischen zwei Kategorien von Ärzten unterschieden werden, den tariflich gebundenen Ärzten (médecins conventionnés) und denen, die ihr Honorar frei vereinbaren können (médecins non conventionnés). Die Krankenkasse ersetzt die Honorare der letztgenannten Ärzte nur zu einem geringen Teil.

- dem Kostenerstattungsprinzip, d.h. der Patient geht beim behandelnden Arzt in Vorkasse und erhält im Gegenzug einen Behandlungsschein, den er bei der Krankenkasse einreicht, die ihm dann die Kosten gemäß der staatlich festgesetzten Beträge erstattet. Das Vorleistungsprinzip gilt nicht im Falle eines Krankenhausaufenthaltes und auch nicht für Bedürftige, die über die CMU abgesichert sind. Bei der Höhe der Erstattung sowie der Vorkasse wird auch die persönliche Situation des Versicherten berücksichtigt.

Ab Mitte 2016 wird das Erstattungssystem sukzessive bis Ende 2017 auf die Direktabrechnung zwischen Leistungserbringern und Krankenkassen umgestellt.

Der nicht erstattete Teil, das sogenannte ticket modérateur, dessen Höhe vom Staat festgelegt wird, geht zu Lasten des Versicherten oder seiner Zusatzversicherung. Zur Sicherung des Erstattungsniveaus und einer qualitativ guten Versorgung schließt die Krankenversicherung mit den Leistungsanbietern Vergütungsvereinbarungen, die als Basis der Erstattungsleistungen dienen.

Wählt der Patient seinen Hausarzt als überweisenden Arzt aus (médecin référent), der im Krankheitsfalle immer die erste Anlaufstelle ist und den Patienten weiter überweist, braucht er nicht mehr in Vorleistung zu treten, sondern bezahlt allein den von der Kasse nicht übernommenen Anteil.

Die Honorarerstattungssätze der Krankenversicherung:
Ärzte und Zahnärzte 70 %
andere medizinische Leistungen und Untersuchungen 60 %
Krankenhausaufenthalt (Aufenthalt und Arzthonorar) 80 %

Medikamente

Lebenswichtige und sehr teure Medikamente 100 %
Verschreibungspflichtige Medikamente 65 %
Medikamente mit geringerem Wirkungsgrad, homöopathische Präparate 30 %
Andere Medikamente 15%

Eine 100%ige Erstattung der Kosten gibt es aus bestimmten sozialen Gründen und während der Mutterschaft, bei schwierigen Operationen, ab dem 31. Tag des Krankenhausaufenthaltes, bei chronischen Erkrankungen, nach der Geburt sowie in einigen anderen Fällen.

Bei einem Versicherten können neben Kindern und Ehepartnern bzw. Personen, die in einem eheähnlichen Verhältnis zusammenleben - auch gleichen Geschlechts - mitversichert werden.

Gesundheitsleistungen für EU-Ausländer

EU-Ausländer, die sich dauerhaft in Frankreich aufhalten, können, so sie nicht durch eine Erwerbstätigkeit in Frankreich pflichtversichert sind, unter gewissen Bedingungen die medizinische Hilfe des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen.

Auskunft hierüber sowie über weitere Einzelheiten in Bezug auf die Leistungen der Krankenkasse, Anschriften von Krankenhäusern, Ärzten usw. geben die Assurance maladie (CNAMTS) und das Gesundheitsministerium.

Urlauber bzw. Personen, die sich für eine kurze Zeit in Frankreich aufhalten, werden bei Vorlage der Europäischen Krankenversicherungskarte (bei den Krankenkassen erhältlich) behandelt.

-  Informationen zur Behandlung von EU-Bürgern in Frankreich

Letzte Änderung 05/01/2016

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