La rentrée: Frankreich geht mit vielen Neuerungen ins Schuljahr 2010/2011 [fr]

JPEG Der im Volksmund La rentrée (die Rückkehr) bezeichnete Wiederbeginn des öffentlichen Lebens und der Schule nach den Sommerferien ist jedes Jahr wieder eine Zäsur. Am 2. September begannen über zwölf Millionen Schüler in den allgemein bildenden öffentlichen und privaten Schulen das neue Schuljahr. Über eine Million Lehrer und Verwaltungsangestellte sorgten dabei dafür, dass sich die Rentrée unter den bestmöglichsten Bedingungen vollzog.

- Themendossier

Was ändert sich?

Mit dem neuen Schuljahr treten in Frankreich einige grundlegende Änderungen in Kraft.

Diese betreffen insbesondere den allgemein bildenden und technologischen Zweig des Gymnasiums (Lycée) mit der reformierten 10. Klasse (Seconde), in die 509 000 Schüler übergegangen sind. Das Gymnasium soll dadurch nicht nur lebendiger und zeitgemäßer werden, sondern auch die unterschiedlichen Begabungen und Schulkarrieren besser berücksichtigen. Die zur Rentrée 2010 in Kraft getretene Reform setzt mit ihren drei Schwerpunkten auf mehr Flexibilität:

- eine bessere pädagogische Begleitung der Gymnasiasten mit der Einführung von individueller Betreuung, Tutorien und Nachhilfeangeboten,

- verbesserte Orientierungsmöglichkeiten für die Schüler, mit einer besser auf die Bedürfnisse abgestimmten Didaktik und der Möglichkeit, gewählte Optionen wieder rückgängig zu machen,

- eine zeitgemäßere Ausrichtung der Gymnasien mit einem Schwerpunkt auf den modernen Fremdsprachen, der Förderung des kulturellen Interesses sowie der Stärkung der Eigenverantwortung.

Des Weiteren werden im berufsbildenden Zweig neue Wege gegangen, um das Qualifikationsniveau zu heben und die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu reduzieren. Die Reform zielt darauf ab, die Gleichwertigkeit der verschiedensten im Gymnasium angebotenen Abschlüsse zu gewährleisten und damit die unterschiedlichen Wege zum Schulerfolg zu honorieren.

Weitere Neuerungen

- Das Programm Clair mit seiner leistungs- und innovationsfreundlichen Ausrichtung wird in 105 Collèges (allgemeine Sekundarschule bis Ende der 9. Klasse) und Lycées (Klasse 10-12) umgesetzt. Dadurch erhalten diese Schulen mehr Freiheiten bei den Unterrichtsmethoden und der Lehrplangestaltung und können sich stärker an den Schülern orientieren.

- Nach dem Probelauf in einem 2009 gegründeten Internat werden elf weitere Exzellenz-Internate für motivierte Kinder aus bildungsfernen Verhältnissen eingerichtet. Zudem werden an bestehenden Schulen internatähnliche Züge angeboten. Die Zahl der Schüler, die diese Einrichtungen besuchen, soll in den nächsten Jahren von 2 900 auf 20 000 ansteigen.

- In 124 Schulen wird als Schulversuch ein neues Unterrichtskonzept „Morgens Unterricht, nachmittags Sport“ angewandt, welches die Motivation und das Gruppengefühl stärken soll.
Schulversagen reduzieren

Die seit 2007 erfolgte Reform zur Stärkung der Grundfertigkeiten mit einer Ausweitung des Französisch- und Mathematikunterrichts wird dieses Jahr durch ein Programm ergänzt, dass die Stärkung der Lesefertigkeiten und die Förderung der Lust am Lesen zum Ziel hat.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schulreform ist die verstärkte individuelle Förderung im Unterricht und die persönliche Begleitung des Schülers von der Vorschule bis zum Abitur:

- In der Vor- und Grundschule hat jetzt jeder Schüler das Anrecht auf zwei Wochenstunden individuell betreute Hilfe. Schon im Schuljahr 2009/10 haben über eine Million Schüler hiervon profitiert.

- In den Schulferien werden Nachhilfekurse in Französisch und Mathematik für Schüler der 4. und 5. Klasse angeboten. Im letzten Schuljahr haben 200 000 Schüler dieses kostenlose Unterrichtsangebot genutzt.

- In der Grundschule und im Collège wird zwischen 16 und 18 Uhr ein kostenfreier begleitender Unterricht für Schüler angeboten, die zu Hause wenig Unterstützung erhalten. Im letzten Jahr haben 850 000 Schüler der Collèges und 200 000 Schüler im Grundschulbereich daran teilgenommen.

Erstmals wird auch an Gymnasien eine individuelle Schülerförderung eingeführt. Die Schulen erhalten hierfür mehr Autonomie, so dass sie 25 % des Unterrichts in der 10. Klasse unter Mitwirkung des pädagogischen Rates der Schule selbst bestimmen können.

Bessere Rahmenbedingungen für Lehrer

Das neue Schuljahr bringt trotz des Abbaus von Lehrerstellen (nur die Hälfte der in Rente gehenden Lehrer wird ersetzt) grundlegende Verbesserungen für das lehrende Personal:

- eine verbesserte Ausbildung mit einem größeren Praxisbezug für Lehrer, die mit einem Master-Diplom eingestellt werden,

- eine bessere Betreuung über das ganze Berufsleben mit der sukzessiven Umsetzung eines Plans zur Gesundheitsförderung für Pädagogen,

- eine bessere Versetzungspraxis und mehr berufliche Entfaltungsmöglichkeiten mit einem Recht auf Fortbildung,

- eine Erhöhung der Gehälter für Berufsanfänger und in den ersten sieben Berufsjahren. Hierfür werden im ersten Jahr 196 Mio. € zur Verfügung gestellt, was 50% des Einsparungsbetrages durch den Stellenabbau entspricht. Davon profitieren im ersten Jahr 190 000 Lehrer.

Das Französische Bildungssystem 2010 in Zahlen
Schülerzahlen
12 031 984 Schüler in Frankreich mit Überseedepartements (staatliches und Privatschulwesen), davon
- 6 661 100 Schüler im Primarschulbereich (mit Vorschule)
- 5 370 884 Schüler im Sekundarschulbereich, davon 3 222 172 im Collège und
2 148 712 im Lycée (davon 718 620 in berufsbildenden Gymnasien)
- 187 500 behinderte Schüler in Integrationsklassen, was einer Steigerung um
32 500 Schüler innerhalb von drei Jahren entspricht
- 852 907 Lehrer in Grundschulen, Collèges und Lycées
65 058 öffentliche und private Schulen, davon:
- 54 280 Vor- und Grundschulen
- 6 933 Collèges
- 3 845 Gymnasien, davon 1 284 berufsbildende Gymnasien
Abschlüsse
- 83,3 % Erfolgsquote beim diplôme national du brevet
(vergleichbar mit dem mittleren Schulabschluss in Deutschland)
- 85,5 % Erfolgsquote beim Abitur
- 65,4 % Abiturientenanteil pro Jahrgang
Klassenstärken (Durchschnitt)
Primarstufe:
- 25,5 Schüler in der Vorschule (école maternelle)
- 22,6 Schüler in der Grundschule
Sekundarstufe (öffentliche Schulen):
- 24 Schüler in der Sekundarstufe 1 (premier cycle)
- 19,1 Schüler im berufsbildenden Zweig der Gymnasien
- 28,4 Schüler im allgemein bildenden und technologischen Zweig der Gymnasien
Budget
Gesamtbudget der Nationalen Schulverwaltung (Education nationale)
59,6 Mrd. €
Ausgaben pro Schüler pro Schuljahr:
- 5 620 € pro Schüler im Primarschulbereich
- 8 000 € pro Schüler im Collège
- 10 710 € pro Schüler im allgemein bildenden und technologischen Zweig der Lycées
- 11 230 € pro Schüler im berufsbildenden Zweig der Lycées

Datenbasis: Schuljahresanfang 2009/10 und vorläufige Daten Schuljahr 2010/11, Quelle: Education nationale

Letzte Änderung 03/05/2012

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