Migrantenlager bei Calais: Auflösung aus humanitären Gründen [fr]

Der starke Migrationsdruck nach Europa macht sich in Frankreich nicht nur in steigenden Asylbewerberzahlen (79 126 in 2015), sondern auch an bestimmten Orten am Ärmelkanal im Norden Frankreichs bemerkbar, von wo viele Migranten versuchen, nach Großbritannien zu kommen. Im Raum Calais und Dunkerque sind illegale Lager (la Lande/Grande-Synthe) entstanden, wo Männer, Frauen und Kinder in extrem prekären Bedingungen leben. Diese sind auch die logistische Basis von Schleppern, die gegen ein hohes Entgelt eine gefahrvolle und kaum mögliche Passage über den Ärmelkanal versprechen.

Angesichts dieses Dramas besteht die Politik der Behörden auch im Sinne der Migranten aus einem Mix von Maßnahmen, worauf Innenminister Bernard Cazeneuve Ende Februar noch einmal ausdrücklich hinwies. Dieses sind Grenzkontrollen, die Bekämpfung der Schleuser, humanitäre Hilfe sowie die Durchführung von Asylverfahren in Frankreich.

Diese Politik, die es im Dialog mit den Betroffenen fortzuführen gelte, hätte zu einem deutlichen Rückgang der Menschen geführt, die sich in den Lagern bei Calais aufhielten (von 6.000 im Oktober 2015 auf 3.700 im Februar 2016).

Frankreich beweist Aufnahmebereitschaft

Zum Schutz der Migranten und aus humanitären Gründen betreiben die Behörden die Auflösung eines Teils des Lagers la Lande. Insbesondere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erhielten so die Möglichkeit der Beschulung und des Erlernens der französischen Sprache.

Die Regierung bemühe sich dabei alles zu tun, um die Flüchtlinge würdig auf einem Weg zur Integration in Frankreich zu begleiten. Frankreich beweise damit seine Aufnahmebereitschaft, so Innenminister Cazeneuve. Dieses Ziel könne aber nicht über ein Lager erfolgen, das eine Sackgasse sei.

Des Weiteren betonte er das weiterhin gültige Prinzip der Abschiebung von nichtasylberechtigten Migranten, um „die würdige Aufnahme derer zu gewährleisten, die ihr Land verlassen hätten, um Verfolgungen zu entgehen.“

Aufnahmeeinrichtungen auf nationaler Ebene

Seit Oktober 2015 wurden frankreichweit 102 dezentrale Beherbergungszentren (Centres d’accueil et d’orientation) neu eröffnet. Auch im Raum Calais wurden Einrichtungen geschaffen, um die Lebensbedingungen der Migranten zu verbessern. Allerdings ist der Andrang so groß, dass weitere Maßnahmen ergriffen werden mussten.

Die CAOs ermöglichen es den Migranten, in einem geschützten Raum mit medizinischer Betreuung zur Ruhe zu kommen. Mit qualifizierten Ansprechpartnern, auch aus humanitären Hilfsorganisationen, haben sie die Möglichkeit, ihre Situation und ihren Einwanderungswunsch nach Großbritannien zu überdenken. Insgesamt 2 687 Migranten aus den Lagern bei Calais haben seit Anfang 2015 den Weg in ein CAO gefunden.

Es steht ihnen auch offen, von hier aus einen Asylantrag in Frankreich zu stellen. Diese Möglichkeit wird inzwischen von 80% der Migranten genutzt. Ihnen wird dann eine Erstaufnahmeeinrichtung in Frankreich zugewiesen, in der sie umfassend betreut werden und von wo aus das Asylverfahren betrieben wird. Seit letztem Sommer hat die Regierung auch angesichts steigender Asylbewerberzahlen weitere Erstaufnahmeeinrichtungen mit etwa 18.000 Plätzen geschaffen.

Humanitäre Unterbringung in Calais

Im Januar 2015 eröffneten Servicezentrum Jules Ferry des Camps de la Lande bei Calais werden täglich 2 500 Mahlzeiten und 2 000 Frühstückspakete ausgegeben. Sanitäranlagen mit insgesamt 500 Duschen wie auch 400 Plätze extra für Frauen und Kinder stehen hier zur Verfügung. 160 Sozialarbeiter kümmern sich dabei um die Flüchtlinge.

Das ebenfalls im Januar eröffnete provisorische Beherbergungszentrum bietet Platz für 1 900 Migranten, davon 1 400 in festen Unterkünften und 500 in Zelten.
Das Zentrum wird durch die Hilfsorganisation La vie active betrieben. Zudem stellt die Sozialbehörde des Departements in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen eine Betreuung und Beratung der Migranten sicher. Hierzu gehören auch Informationsveranstaltungen, um die Migranten über ihre Rechte sowie die Schutzmöglichkeiten in Frankreich zu informieren. Dieses ist notwendig, um der Desinformation durch die Schlepper zu begegnen, die behaupten, die Migranten hätten keine Alternative zur illegalen und risikoreichen Überquerung des Ärmelkanals.

Letzte Änderung 09/05/2016

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