Nationalfeiertag 14. Juli [fr]

Das Föderationsfest am 14. Juli 1790 gab den Anstoß zu einer Reihe von spontanen Veranstaltungen im ganzen Land. Von August 1789 an formierten sich die so genannten Föderierten in den Kommunen und den Provinzen. Doch erst am 5. Juni 1790, nur einen Monat vor dem Ereignis, stimmte die Nationalversammlung dem Vorschlag der Pariser Kommune zu, ein großes Föderationsfest zu veranstalten. Da die Vorbereitungszeit sehr kurz war, musste viel improvisiert werden. Es ging nicht darum, die Legitimität des Königs in Frage zu stellen, sondern vielmehr stand die Begeisterung für das Land im Vordergrund, das Streben nach einer neuen Einheit und nach Grundwerten. Der Astronom und Bürgermeister von Paris, Bailly, drückte es folgendermaßen aus: "Wir wollen, dass der 14. Juli für uns alle ein Zeichen der Freiheit ist, dieser Tag soll für die Freiheit stehen und sie erhalten."

1880 wird in Frankreich durch die Dritte Republik ein Nationalfeiertag, der 14. Juli, als Gedenktag zum Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, eingeführt. Dieser Tag, an dem sich alle Franzosen um den „Altar der Republik“ versammeln sollen, ist die Fortsetzung des Föderationsfestes vom 14. Juli 1790 – des Tages der „nationalen Versöhnung“. Dank der Feuerwerke wird dieser Tag zu einem allgemeinen Volksfest. Sie gewährleisten als fester und unumgänglicher Höhepunkt der Feierlichkeiten das Fortbestehen französischen Nationalfeiertages.

Am 21. Mai 1880 machte Benjamin Raspail einen von 64 Abgeordneten unterzeichneten Gesetzesvorschlag, nach dem "die Republik den 14. Juli zum nationalen, jährlichen Feiertag erklärt". Die Nationalversammlung verabschiedete den Text in den Sitzungen am 21. Mai und am 8. Juni und der Senat befürwortete den Vorschlag in den Sitzungen vom 27. und 29. Juni mit 173 gegen 64 Stimmen, nachdem er den Vorschlag zu Gunsten des 4. August abgelehnt hatte. Das Gesetz wurde am 6. Juli 1889 verkündet. Der Innenminister ordnete den Präfekten an, darauf zu achten, dass dieser Tag "mit soviel Ausstrahlung gefeiert wird, wie es die örtlichen Gegebenheiten zulassen". Das Fest jenes Jahres setzte dementsprechend Maßstäbe.

Hierzu bemerkte Henri Martin, der damalige Berichterstatter im Senat: "Der 14. Juli 1790 ist, ich will nicht sagen die Seele Frankreichs (...), aber die Revolution hat Frankreich ein Selbstbewusstsein geschenkt." 1878 hatte Minister Defaure den 30. Juni zum Pariser Festtag zu Ehren der Republik erklärt. Claude Monet hat diesen Tag mit seinem Bild "La Rue Montorgueil" verewigt. Der 14. Juli 1879 hatte dann einen halboffiziellen Charakter. Nach einer Parade in Longchamp (am 13. Juli) wurde im Beisein von Louis Blanc und Victor Hugo ein Empfang am 14. Juli auf der Pré Catelan organisiert. Die Zeitung "Le Figaro" bemerkte: "In ganz Frankreich wurden viele Bankette gegeben." (16. Juli 1879)

Am 14. Juli 1880 sollte das Fest der patriotischen Wiedererstarkung des Landes dienen, bei dem die seit mehreren Jahren aufgeschobene Verteilung der Fahnen an die neu gebildeten Regimenter erfolgen sollte. Der Verlust der Standarten an der preußischen Front im Jahr 1870 war ein großer Schock, der nur durch ein Fest mit starkem Symbolcharakter überwunden werden konnte. Somit waren die Gewährleistung des nationalen Zusammenhalts und die Wiederherstellung Frankreichs militärischer Macht die wichtigste Funktion dieses ersten Nationalfeiertages. Ferner wurde an diesem Tag die Marianne als Verkörperung der französischen Republik eingeführt. An öffentlichen Orten wurden Mariannenbüsten eingeweiht, und die Bürger konnten in Kiosken Lithografien erwerben, welche die Marianne mit einer Jakobinermütze als Symbol der vom Volk eroberten Freiheit, in die drei Nationalfarben drapiert, oder umgeben von einem Fahnenbündel als Symbol der triumphierenden Nation, darstellten.

Die von einer gemeinsamen Hoffnung getragene patriotische Begeisterung wurde schnell durch den Rausch eines Volksfestes auf den beleuchteten Straßen und öffentlichen Bällen, an Jahrmarktsbuden und vor allem bei den Feuerwerken verstärkt. Letztere erleuchten den nächtlichen Himmel über den französischen Städten und Dörfern und tragen zum Fortbestehen des Nationalfeiertages und seiner traditionellen Riten bei.

Kein 14. Juli ohne Feuerwerk!

Feuerwerke faszinieren. Dieses ursprünglich beim Militär übliche Ritual hat seinen Ursprung im sagenumwobenen mittelalterlichen China. In der volkstümlichen Vorstellung verkörpern sie Prunk und Zauber. Historikern zufolge fand die erste echte pyrotechnische Darbietung am 5. April 1612, in Paris, auf der Place Royale, der heutigen Place des Vosges im Marais, statt. Anlässlich der Vermählung von König Ludwig XIII. und Anna von Österreich wurde der Platz unter Einsatz von Bombarden und mit Platzpatronen geladenen Musketen in einen fiktiven Kriegsschauplatz verwandelt.

Die Begeisterung für die Pyrotechnik greift auf die großen Hauptstädte Europas über. Keine königliche Hochzeit oder hochadlige Geburt, kein militärischer Sieg oder Friedensvertrag, der nicht von einem Feuerwerk begleitet wird, vor allem unter der Herrschaft von Ludwig XIV. Der Sonnenkönig stellt fest: « les peuples se plaisent au spectacle » („das Volk erfreut sich am Schauspiel“) und macht daraus ein Instrument seiner Innenpolitik. « Par là, so der König, nous tenons les esprits et les cœurs » („Auf diese Weise sichern wir uns die Geister und Herzen“).

Im 18. Jahrhundert jedoch, mit den „genialen Erfindungen der fünf Feuerwerker Ruggieri-Brüder“, die im Jahr 1739 aus Bologna nach Frankreich kamen, erlebt die „Feuerwerkskunst“ in Europa ihre Blütezeit. Die Familie hatte lange Zeit das Quasi-Monopol für Feuerwerksinszenierungen.

Gekonnter als viele andere glänzen sie in einer Kunst, die, so ein Schriftsteller dieser Epoche, « charme l’oeil sans le blesser et plaît à l’oreille sans l’épouvanter » („das Auge entzückt und dem Ohr gefällt ohne es zu erschrecken“). Aus den Mitgliedern des „Ruggieri-Clans“ – vielseitige Erfinder, Chemiker, Theaterleute, aber auch geschickte Höflinge – werden schnell Unternehmenschefs, die mit ihren pyrotechnischen Zaubereien unzählige Menschen entzücken. Ihr Erbe setzt sich bis heute – in der Inszenierung prachtvoller Farben und Formen am 14. Juli – fort.

Seither ist der 14. Juli sowohl Nationalfeiertag als auch ein Fest mit hohem Unterhaltungswert. Dieser Tag erinnert an eine gemeinsame Vergangenheit und kollektive Hoffnungen. Die mythifizierte und transzendierte Geschichte wird im Rausch eines Sommerabends verherrlicht. Alljährlich versammeln die Feuerwerke am 14. Juli die Bürger Frankreichs um den Leitspruch der französischen Republik: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.

Heute wird der 14. Juli auf den Champs-Elysées in Paris mit einer traditionellen Truppenparade gefeiert. In ganz Frankreich gibt es Feuerwerke und bis in die kleinsten Ortschaften werden die sogenannten "bals populaires" organisiert, bei denen oft zu Livemusik ausgiebig getanzt wird.

Die verschiedenen Präsidenten der Fünften Republik haben dem Tag unterschiedliche Prägungen verliehen.

Präsident Giscard d’Estaing ließ anknüpfend an die Tradition des revolutionären Paris die Truppen zwischen dem Platz der Bastille und dem Platz der Republik defilieren.

Während der Präsidentschaft von François Mitterrand bildete die Zweihundertjahrfeier der Revolution am 14. Juli 1989 mit dem Schauspiel "Die Marseillaise" von Jean-Paul Goude einen Höhepunkt.

Am 14. Juli 1994 nahmen, zum Zeichen der Versöhnung zwischen den beiden Ländern, erstmals deutsche Soldaten des Eurokorps an der Parade teil.

Seit 1995 werden viele junge Leute aus ganz Frankreich sowie Militärangehörige nach der Truppenparade zum Empfang im Park des Elysée-Palasts eingeladen.

Letzte Änderung 15/07/2016

Seitenanfang