Organspenden: Die französische Gesetzeslage

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Frankreich hat mit den Gesetzen zur Bioethik von 1994 und 2004 eine Regelung eingeführt, die eine größere Solidarität mit den Kranken ermöglicht. Durch sie soll die Verfügbarkeit von Transplantaten optimiert werden (da alle potentielle Spender sind), ohne dabei die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen einzuschränken oder ihm die Möglichkeit zu verwehren, seine Entscheidung auf einfachem Wege rückgängig zu machen.

Das französische Gesetz legt fest, dass jeder als Organspender betrachtet wird, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich einer Organentnahme widersprochen hat. Das Gesetz sieht zwei Möglichkeiten des Widerspruchs vor: durch eine Eintragung in das Widerspruchsregister bei der Agence biomédicine und/oder durch die Mitteilung der eigenen Haltung an seine Angehörigen, die im Falle des plötzlichen Todes den zu Lebzeiten geäußerten Willen bezeugen. Das Gesetz legt weiterhin fest, dass die Ärzte vor der geplanten Organentnahme die Angehörigen kontaktieren müssen, um sicher zu gehen, dass sich der Verstorbene nicht zu Lebzeiten gegen eine Entnahme ausgesprochen hatte.

Der Plan Greffe 2012-2016

Mit dem am 26. März 2012 verkündeten „Plan greffe 2012-2016“ will Frankreich die Anzahl der Organtransplantationen deutlich erhöhen. Bis 2015 sollen jährlich bis zu 5 700 Transplantationen durchgeführt werden.

Fast 14 000 Menschen warten in Frankreich auf ein Spenderorgan und nur knapp über ein Drittel von Ihnen wird eines erhalten. Nach Angaben der Agentur für Biomedizin (Agence de biomédecine) starben 2009 250 Menschen, die auf der Warteliste standen und nicht rechtzeitig eine Organtransplantation erhalten konnten. Laut Zahlen der Agentur wurden 2010 insgesamt 4 708 Organe transplantiert.
Durch die Erfolge der therapeutischen Transplantation und die Alterung der Bevölkerung wächst der Bedarf an Transplantaten stetig.

Daher verfolgt der „Plan greffe 2012-2016“ vier Hauptziele:

- 5 700 Organtransplantationen pro Jahr bis 2015 – eine jährliche Steigerung von 5 %

- Förderung von Nierentransplantationen von Lebendspendern

- Erhöhung der Anzahl und der Qualität bei Entnahmen und Transplantationen von blutbildenden Stammzellen, die zur Behandlung von malignen Hämopathien (Blutkrankheiten) eingesetzt werden

- Verbesserung der langfristigen Betreuung von Organempfängern und Lebendspendern durch den Ausbau effizienter und hochwertiger Betreuungsnetze

Wer ist betroffen?

Die häufigsten Erkrankungen, die eine Organspende nötig machen, sind Fehlbildungen des Herzens, eine Zirrhose, eine Mukoviszidose, eine terminale Niereninsuffizienz und bestimmte Krebserkrankungen. Betroffen sind Patienten aller Altersgruppen, vom Baby bis zu Patienten mit über 70 Jahren.

Der Austausch eines defekten Organs erfolgt nur, wenn keine andere Behandlung mehr möglich ist und wenn der Patient sich kurz- bzw. mittelfristig in Lebensgefahr befindet.

Ärzte können heutzutage sechs Organe transplantieren. Die Niere ist das am häufigsten transplantierte Organ, gefolgt von der Leber, dem Herzen, den Lungen, der Bauchspeicheldrüse und Teilen des Darmtraktes.

Letzte Änderung 07/01/2016

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