Pflege: Die Beihilfe für Senioren in Frankreich

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Die 2002 eingeführte und mit dem Gesetz vom 28.12.2015 modifizierte Beihilfe für pflegebedürftige Senioren APA (Allocation personnalisée d’autonomie) ist eine Antwort auf die veränderten gesellschaftlichen Familienverhältnisse und die demographischen Herausforderungen Frankreichs.

Machten 2010 die über 60-Jährigen noch 23,5 % der Bevölkerung aus, so wird ihr Anteil für 2060 auf 32 % geschätzt. Zudem steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an. Während sie bei den Männern 1960 noch bei 67,2 Jahren lag, waren es 2014 schon 79,2 Jahre (bei den Frauen 74,3 im Jahre 1960 und 85,4 im Jahre 2014).

Die APA finanziert Pflegeleistungen für Senioren über 60 Jahre, die nicht mehr eigenständig die wesentlichen alltäglichen Arbeiten ausführen können. Sie trägt zur Finanzierung der häuslichen Pflege oder des Aufenthalts im Pflegeheim bei und wird Personen gewährt, die dauerhaft in Frankreich leben.

Bedürftigkeitseinstufung

Anhand einer Tabelle mit 4 Pflegestufen wird von den sozialen Diensten der Grad der Eigenständigkeit des alten Menschen beurteilt und die Pflegestufe bestimmt, die wiederum über die Höhe der Beihilfe entscheidet.

Pflegeleistungen

Häusliche Pflege

Die Pflegebeihilfe wird in 4 Pflegestufen gezahlt. In Abhängigkeit seiner finanziellen Mittel hat der Leistungsempfänger allerdings ggf. einen Eigenbeitrag zu leisten.

Pflegestufen GIRMonatlicher Höchstbetrag 2015
Gir 1 1 312,67 €
Gir 2 1 125,14 €
Gir 3 843,86 €
Gir 4 562,57 €

Pflegeeinrichtungen für Senioren

In Pflegeeinrichtungen entspricht die Höhe der APA den hier zugrundeliegenden Pflegesätzen. Der Pflegebedürftige hat dabei mindestens eine Eigenbeteiligung von 96 € zu tragen. Für die weiteren anfallenden Kosten in den Einrichtungen müssen ggf. die Partner oder Familienangehörige aufkommen.

Kosten, die direkt mit einer z.B. chronischen Krankheit des Pflegebedürftigen zusammenhängen, werden von der Krankenversicherung (Assurance maladie) getragen.

Leistungen, die im Rahmen der APA gezahlt werden, sind im Todesfall des Begünstigten nicht auf das Erbe anrechenbar.

In Frankreich sind 51% der Pflegeeinrichtungen in öffentlicher Hand, 28% in gemeinnütziger Trägerschaft und 21% in gewinnorientierter Trägerschaft.
Finanzierung

Die APA speist sich aus vier Quellen:

- der Sozialabgabe der Arbeitgeber auf Löhne und Gehälter in Höhe von 0,3%, die an die Pflegekasse CNSA (Caisse nationale de solidarité pour l’autonomie) abzuführen ist. Seit 2004 müssen die Arbeitnehmer hierfür einen so genannten „Solidaritätstag“ ableisten an dem sie an einem Feiertag (meist Pfingstmontag) unbezahlte Arbeit leisten müssen.
- dem Beitrag der Rentner und Pensionäre in Höhe von 0,3% ihrer Bezüge (Contribution additionnelle de solidarité pour l’autonomie)
- einem Teil der allgemeinen Sozialsteuer CSG.
- Zuwendungen des Staates, der Departements und der Sozialversicherungen.

Die von der CNSA eingesammelten Mittel werden an die Departements weitergeleitet, die für die Bearbeitung der Anträge und Auszahlung der APA zuständig sind.

Die APA in Zahlen

Heute ist die APA in Sachen Pflege die am meisten in Anspruch genommene Leistung. 2012 erhielten 1 221 000 Senioren über 60 Jahre mit eingeschränkter Autonomie die APA. 56 % dieser Menschen lebten in ihrem eigenen Haushalt, 44 % in einer speziellen Einrichtung. 2012 beliefen sich die Kosten im Pflegebereich auf rund 45 Mrd. Euro.

- Weitere Informationen (auf Französisch)
- APA 2014 in Zahlen

Letzte Änderung 07/01/2016

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