Praktika: Frankreich ordnet Status von Praktikanten neu

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Mit der Veröffentlichung des letzten Umsetzungsdekrets Ende Oktober 2015 ist das Gesetz vom 10. Juli 2014 zur generellen Regelung von Praktika in Frankerich endgültig umgesetzt worden. Das Gesetz vereinheitlicht die Rahmenbedingungen von Praktika für Studenten und Schüler und weitet die Rechte der Praktikanten substantiell aus.

In Frankreich leisten pro Jahr etwa 1,2 Mio. Schüler und Studenten Praktika in Unternehmen ab, doppelt so viele wie noch 2006.

Das Gesetz zielt darauf ab, den Status der Praktikanten aufzuwerten, die Qualität der Praktika zu steigern und die Substituierung von festen Arbeitsplätzen durch Praktika zu verhindern. Übergeordnetes Ziel ist dabei die fachliche Vorbereitung der Jugendlichen auf ihr Erwerbsleben.

Die Regelungen gelten auch für Praktikanten aus anderen EU-Ländern.

1. Durchführungsbestimmungen und Bezahlung der Praktika

Praktika dürfen nicht länger als 6 Monate dauern. Die Unterzeichnung einer Praktikumsvereinbarung (Convention de stage) ist verpflichtend.

Bei Praktika, die länger als 2 Monate dauern, hat der Praktikant seit Anfang September 2015 generell ein Anrecht auf eine Vergütung von 554 € im Monat/3,60 € pro Stunde, die jeweils am Ende des Monats zu zahlen ist. Dies gilt auch z.B. für Öffentliche Verwaltungen, Vereine oder wohltätige Organisationen. Die Vergütung unterliegt nicht der Einkommenssteuerpflicht, falls die Gesamteinnahmen des Praktikanten nicht den jährlichen Mindestlohn (SMIC) übersteigen.

-  Vergütungsrechner

Praktikanten dürfen nicht in gefährlichen oder gesundheitsgefährdenden Bereichen eingesetzt werden. Ihre Arbeitszeit richtet sich nach den Arbeitszeiten der normalen Angestellten.

Praktikanten haben auf Antrag ein Anrecht auf Urlaub und Abwesenheit. Falls der Arbeitgeber Zuschüsse für den Öffentlichen Nahverkehr, die Kantinenverpflegung oder auch für Restauranttickets gewährt, sind die Praktikanten den anderen Arbeitnehmern des Betriebs gleichzustellen.

Praktikanten können unter der Voraussetzung der Abführung von Beiträgen das Praktikum auch rentenversicherungsmäßig geltend machen.

2. Pädagogische Betreuung der Praktika

Der Inhalt der Praktika muss sich in Zukunft an existierende Ausbildungsgänge anlehnen, damit der Praktikant weiterführende Kompetenzen erlangt. Das Praktikum muss in einen Ausbildungsgang mit mindestens 200 Std. Unterricht integriert sein Das Gesetz sieht hierfür eine „doppelte“ Betreuung der Praktikanten vor:

-  Schulen und Universitäten sind zur Betreuung ihrer Studenten bei Praktikas in den Betreiben durch eine pädagogische Fachkraft verpflichtet.
-  In den Betrieben muss den Praktikanten ein Tutor zugeordnet sein, der nicht mehr als drei Praktikanten auf einmal betreuen darf.

3. Begrenzung der Zahl der Praktikanten pro Betrieb

Unternehmen mit bis zu 20 Angestellten dürfen nur noch 3 Praktikanten gleichzeitig beschäftigen; Unternehmen mit mehr Angestellten dürfen maximal 15% des Gesamtpersonalstandes an Praktikanten beschäftigen.

Letzte Änderung 20/01/2016

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