Radioaktive Abfälle in Frankreich

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Die ASN reglementiert die Entsorgung radioaktiver Abfälle, überwacht die Sicherheit von Atomanlagen, die für den Atommüll bzw. seine Entsorgung verantwortlich sind und führt Inspektionen bei den verschiedenen Atommüll-Erzeugern (EDF, AREVA, CEA, Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen,…) und der ANDRA (Nationale Behörde für die Entsorgung radioaktiver Abfälle) durch. Sie überwacht die Arbeit der ANDRA [2] und die von der ANDRA eingeführten Genehmigungsverfahren für radioaktiven Abfall. Sie beurteilt die politischen Vorgaben und die Maßnahmen zur Entsorgung des radioaktiven Mülls.

Was ist radioaktiver Abfall?

Radioaktiver Abfall wird in erster Linie von der Atomindustrie produziert. Kleinere Mengen fallen bei der Nutzung radioaktiver Elemente in Krankenhäusern, Universitäten, einigen nicht nuklearen Industriezweigen und dem Verteidigungssektor an.

Die von EDF betriebenen Atomanlagen erzeugen verschiedene Arten von radioaktiven Abfällen:
• dem im Reaktorinneren produzierten Abfall
• Abfälle, die beim Betrieb und der Wartung von Atomanlagen entstehen
• Altlasten
• Abfälle, die beim Rückbau (Stilllegung) der Atomanlagen entstehen

Was bedeutet Stilllegung?

In Frankreich erfuhr die zivile Atomindustrie ihren Aufschwung in den 1960er Jahren. Viele Anlagen aus dieser Zeit sind am Ende ihrer Laufzeit angekommen und ihr Betrieb zu Produktions- bzw. Forschungszwecken wurde eingestellt. Sie müssen nun dekontaminiert und Schritt für Schritt zurückgebaut werden. Dieser Prozess wird als Stilllegung bezeichnet.

2010 wurden rund 30 Atomanlagen, darunter die 8 Reaktoren des ersten Kernenergieparks von EDF, endgültig abgeschaltet und werden nun schrittweise stillgelegt.

Die Stilllegung von Atomanlagen ist oft ein sehr langwieriger Prozess, der hinsichtlich des Projektmanagements, der Aufrechterhaltung der fachlichen Kompetenzen und der Koordinierung verschiedener Arbeiten für die Betreiber oft eine große Herausforderung darstellt. Die radioaktiven Stoffe müssen abtransportiert und die Anlage stillgelegt und anschließend saniert werden. Diese Arbeiten sind mit besonderen Risiken verbunden:
• Dosimetrie (Dosismessung): die Arbeiter kommen beim Abbau oft mit Ausrüstungen in Berührung, die radioaktive Stoffe enthielten
• Entsorgung radioaktiver Abfälle, deren Menge bei der Stilllegung deutlich über der Menge während der Betriebsphase liegt
• klassische Risiken: bestimmte Aufgaben ähneln denen beim Rückbau im Baugewerbe
• Verlust an fachlicher Kompetenz hinsichtlich des Betriebs und der Gestaltung der Anlage
• Risiken, die mit einer unzureichenden Überwachung verbunden sind und langfristig zur Verunreinigung des Standortes und seiner Umgebung führen können.

Wie werden radioaktive Abfälle entsorgt?

Jede Art von Abfall braucht eine entsprechende langfristig angelegte Behandlung und Entsorgung, um die oben genannten Risiken, insbesondere die Strahlenrisiken zu bewältigen. In Frankreich gibt es für die Entsorgung jeder einzelnen Abfallkategorie eine spezielle Branche. Die Entsorgung umfasst eine Reihe von Schritten, wie das Sortieren, die Behandlung, die Konditionierung, die Zwischenlagerung und eventuell die Endlagerung.
Für rund 90% des erzeugten Atommülls gibt es bereits spezialisierte Branchen, die sich der langfristigen Entsorgung widmen. Der restliche Abfall wird konditioniert und in sicheren Anlagen zwischengelagert, bis eine langfristige Entsorgungslösung gefunden wird. Ende 2007 befanden sich an 1121 Standorten radioaktive Abfälle. Mehr als 90% der Radioaktivität dieser Abfälle wird an den Standorten La Hague im Departement Manche und kleinere Mengen am Standort Marcoule im Departement Gard zwischengelagert.

Was bedeutet Konditionierung?

Durch die Konditionierung werden die radioaktiven Abfälle in einen chemisch stabilen, in Wasser nicht oder nur schwer löslichen Zustand überführt und den Anforderungen von Transporten und Endlager entsprechend verpackt. Je nach Material werden dazu unterschiedliche Verfahren verwendet.

Wo wird der Atommüll gelagert?

Als langfristige Entsorgungslösung hat sich Frankreich, wie viele andere Länder auch, für die Lagerung seiner radioaktiven Abfälle entschieden. Die von der ANDRA erschlossenen unterirdischen Lagerstätten sind den verschiedenen Abfallkategorien angepasst. Sie ermöglichen es, die in den Abfällen enthaltenen Substanzen so lange einzuschließen, bis ihre Radioaktivität abgebaut ist.

Derzeit gibt es zwei oberirdische Lagerstätten für schwach radioaktive und für kurzlebige schwach bis mittelradioaktive Abfälle, die fast 90% des in Frankreich anfallenden Atommülls ausmachen. Aktuell werden Entsorgungsmöglichkeiten für die anderen Abfallkategorien (langlebige schwach, mittel- und hochradioaktive Abfälle) untersucht.

Endlager im Departement Manche
Das Endlager im Departement Manche (CSM) für radioaktive Abfälle schwacher und mittlerer Aktivität umfasst derzeit eine Fläche von ca. 15 ha in La Hague, dem nördlichsten Teil der Halbinsel Cotentin im Westen Frankreichs. Es wurde 1969 in Betrieb genommen und war die wichtigste Lagerstätte Frankreichs. Sie unterstand zunächst der Verantwortlichkeit der CEA und wurde am 24. März 1995 der ANDRA unterstellt. Im Juli 1994 wurde das CSM geschlossen. Am 10. Januar 2003 begann der Beobachtungszeitraum.

Endlager für kurzlebige schwach und mittelradioaktive Abfälle
1992 übernahm die Lagerstätte für schwache und mittelradioaktive Abfälle (CSFMA) die Aufgabe des Endlagers in Manche und konnte dabei auf dessen Erfahrungswerte zurückgreifen. Die Anlage befindet sich in der Nähe der Stadt Soulaines-Dhuys und hat ein Fassungsvermögen von 1 Mio. m³, das sich auf 400 Betonblöcke erstrecken wird. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Betriebs wurden 111 Blöcke gebaut. In dieser Anlage erfolgt ebenfalls die Konditionierung der Abfälle, entweder durch Einbindung (Einspritzen von Zement in die 5 bis 10 m³ großen Metallbehälter) oder durch Volumen reduzierendes Verpressen. Der Einschluss der Abfälle wird durch ein Multibarrierensystem gewährleistet, das aus geologischen (v. a. gering durchlässige Gesteinsschichten), geotechnischen (z. B. Bentonit als Puffermaterial um die Abfallbehälter) und technischen Barrieren (z. B. die Abfallbehälter) besteht.

Endlager für schwach radioaktive Abfälle
Die radioaktiven Abfälle schwacher Aktivität, die aufgrund der zahlreicher werdenden Projekte zur Stilllegung von Atomanlagen immer umfangreicher werden, werden im Endlager in Morvilliers untergebracht, das im Sommer 2003 in Betrieb genommen wurde. Die anderen Abfallkategorien werden bis zur endgültigen Lagerung in Atomanlagen zwischengelagert. Einige Zwischenlager erreichen bereits ein Alter von mehreren Jahrzehnten und könnten aus diesem Grund Sicherheitsmängel aufweisen. Es handelt sich hierbei insbesondere um von Areva zwischengelagerte Abfälle in La Hague und an einigen Standorten der CEA und um von EDF zwischengelagerte Graphitabfälle.

Projekte zur Errichtung eines oberflächennahen Endlagers für langlebige schwach radioaktive Abfälle

Nach einer Projektausschreibung unter 3115 Kommunen, deren geologische Gegebenheiten für die Errichtung eines Endlagers geeignet wären, wählte die französische Regierung 2009 zwei Kommunen aus, in denen 2009 und 2010 genauere Untersuchungen vorgenommen wurden. Die geplante Anlage wäre in erster Linie für die Lagerung von Graphitabfällen aus dem Betrieb und der Stilllegung von EDF-Reaktoren der 1. Generation, Reaktoren der CEA und radiumhaltigen Abfällen ausgelegt. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2019 geplant.

Weitere Informationen unter: www.asn.fr

Letzte Änderung 11/12/2015

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