Reformagenda: Frankreich modernisiert 2018 Steuererhebung [fr]

Mit der zum 1. Januar 2018 geplanten Umstellung des Lohnsteuerabzugs beendet Frankreich seine Sonderstellung auf diesem Gebiet. In Zukunft wird die Lohnsteuer über den Arbeitgeber eingezogen und nicht mehr nachträglich durch den Steuerpflichtigen erklärt.

Staatspräsident François Hollande hatte die endgültige Umsetzung am 19. Mai 2015 angekündigt. Die Reform, deren Prinzip schon mit dem Haushaltsentwurf 2016 gebilligt worden war, soll im Herbst 2016 vom Parlament formell beschlossen werden.
Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber

Musste bisher der Steuerpflichtige seine Erklärung für ein Steuerjahr immer bis Mitte Mai des Folgejahres abgeben, d.h. im Mai 2016 für das Jahr 2015, soll die Lohnsteuer in Zukunft wie in Deutschland und anderen Industrieländern monatlich direkt vom Arbeitgeber an die Steuerverwaltung entrichtet werden (Prélèvement à la source).
Bisher konnte der Steuerpflichtige die Einkommensteuer in drei Abschlagszahlungen im Februar, Mai und September oder auf einen Schlag leisten. Trotz des neuen Abzugsverfahrens muss der Steuerpflichtige – wie in Deutschland - auch in Zukunft nach Ablauf des Jahres eine Einkommensteuererklärung machen, die die Gesamteinkünfte eines Haushaltes abbildet (Einkommen, Kapitalerträge, Immobilien). Die endgültige Höhe der Steuer wird dann mit dem Einkommensteuerbescheid festgesetzt.

Die Berechnungsgrundlagen sowie die Berücksichtigung der familiären Lebensverhältnisse bleiben unverändert.

Für die Regierung besteht in dieser Frage aufgrund der zunehmend nicht mehr linear verlaufenden Lebens- und Arbeitsgewohnheiten ein dringender Handlungsbedarf bei dieser immer wieder verschobenen Reform. Das neue Abzugsverfahren mit der monatlichen Begleichung der Steuerschuld

-  ist transparenter und ermöglicht den Privathaushalten auch eine vorausschauendere Haushaltsführung ohne notwendige Rückstellungen;
-  ist einfacher und flexibler, da es sofort auf eine veränderte Einkommens- oder Familiensituation reagieren kann.

Der Steuerabzug an der Quelle erfolgt bei allen Beschäftigten, Beamten, Rentnern, und Empfängern von Transferleistungen.

Selbstständige, Landwirte sowie Eigentümer mit Einnahmen aus Immobilien und Verpachtung müssen schon heute nach ähnlichen Regeln Abschlagszahlungen leisten, die dann mit der endgültigen Einkommensteuererklärung verrechnet werden. Auf Grundlage dieser Erklärung erfolgt dann die endgültige Steuerfestsetzung mit Nachforderungen oder Erstattungen.

Die Steuerverwaltung bleibt weiterhin der alleinige Ansprechpartner des Steuerpflichtigen in Steuerfragen, sodass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt. Sie übermittelt den Unternehmen nur die anzuwendenden Steuersätze.

Die Umstellung erfolgt wie folgt:

-  2017 macht der Steuerpflichtige letztmalig seine Einkommensteuererklärung für 2016 nach dem bisher gültigen Verfahren;
-  ab 1. Januar 2018 erfolgt der Steuerabzug monatlich über den Arbeitgeber, Rentenkasse etc. auf Grundlage des Steuerbescheides von 2016die Höhe des Abzuges durch den Arbeitgeber wird dem Steuerpflichtigen bis Mitte 2017 mitgeteilt;
-  für das Jahr 2017 werden keine Lohnsteuern fällig.

Für den Staat entstünden bei der Umstellung keine Verluste, so der Staatssekretär für Haushalt Christian Eckert, da die Steuereinnahmen ununterbrochen fortlaufen. Der Steuerpflichtige muss dagegen keine Steuern auf Lohn und Transfereinkommen für das Jahr 2017 entrichten. Kapitalerträge und Immobilieneinkünfte – die ja schon an der Quelle fällig werden – werden weiterhin normal über Abschlagszahlungen und auf Grundlage der Einkommensteuererklärung erhoben.

Elektronische Steuererklärung soll Regel werden

Mit der Umsetzung des neuen Steuerabzugverfahrens zum 1. Januar 2018 soll auch bis 2019 die elektronische Steuererklärung für all diejenigen zur Regel werden, die an ihrem Hauptwohnsitz über einen Internetanschluss verfügen.
Haushalte, die über keinen Internetanschluss verfügen, können weiterhin ihre Erklärung in Papierform abgeben.

Letzte Änderung 17/10/2016

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