Regierungsplan zur Rentenreform in Frankreich [fr]

JPEG Die französische Regierung hat am 27. August 2013 die Pläne für eine Rentenreform vorgelegt. Die Reform soll das System auf Dauer stabilisieren und es dabei übersichtlicher und gerechter machen. Nach einer eingehenden Debatte mit den Sozialpartnern sollen die Vorschläge dann noch in diesem Jahr in den parlamentarischen Beratungsprozess gehen.

Das auf dem Umlageprinzip beruhende französische Rentensystem steht aufgrund des Renteneintritts der Babyboom-Generation und der steigenden Lebenserwartung trotz mehrerer Reformen seit der Jahrtausendwende weiterhin vor großen Herausforderungen.

Ohne politisches Handeln würde das Defizit der Rentenkassen bis 2020 auf 20,7 Mrd. € und bis 2040 auf 27 Mrd. € pro Jahr anwachsen. Die jetzt vorgelegte Reform zielt darauf ab, die Defizite der allgemeinen Sozialversicherung (régime général), des Fonds zur Finanzierung von Mindestrenten bzw. anderen Rentensolidarleistungen (Fonds de solidarité vieillesse - FVS) sowie weiterer nicht subventionierter Rentenkassen auszugleichen. Allein das Defizit des FVS würde sich bis 2020 jährlich auf 7,6 Mrd. € belaufen.

Die Reform – Punkt für Punkt

- Beitragsdauer

Die Beitragsdauer zum Bezug einer vollen Rente wird von aktuell 41,5 Jahren schrittweise bis 2035 auf 43 Jahre für die nach 1973 geborene Generation angehoben. Die letzte Rentenreform von 2010 (Réforme Woerth) hatte die Beitragsdauer bereits mit einer Übergangszeit bis 2020 um 1,5 Jahre erhöht.

- Rentenbeiträge

Die Rentenbeiträge werden in allen umlagefinanzierten Regimen bis 2017 um 0,6 % erhöht, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Lasten jeweils zur Hälfte tragen. 2014 steigen die Rentenbeiträge für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber demnach um jeweils 0,15 %, und in den drei Folgejahren jährlich nochmals um jeweils 0,05 %. Der Arbeitgeberbeitrag wird 2017 dann bei 8,7 % und der Arbeitnehmerbeitrag bei 7,05 % (zusammen 15,75 %) liegen.

- Rentenanpassungen

Rentenanhebungen bzw. der Inflationsausgleich erfolgen in Zukunft immer erst zum 1. Oktober statt wie bisher zum 1. April.

- Verbreiterung der Steuerbasis

Rentner mit drei oder mehr Kindern, die bisher von der Einkommensteuer befreit waren, werden in Zukunft steuerpflichtig. Von dieser Maßnahme sind etwa 10% der Rentner betroffen.

- Besserstellung körperlich stark belasteter Arbeitnehmer

Ab 2015 wird eine hohe körperliche Arbeitsbelastung mit einem Gutschriftsystem bei der Rentenbiographie besser berücksichtigt. Dabei werden die 2008 von den Sozialpartnern festgelegten 10 Belastungsfaktoren zugrunde gelegt. Auf einem persönlichen Konto kann der Arbeitnehmer dann bis zu 100 Punkte (maximal 6 Punkte pro Jahr) ansammeln. Die ersten 20 Punkte muss der Arbeitnehmer für eine bezahlte Fortbildung nutzen. Mit den weiteren Punkten können Teilzeitansprüche in der Zeit vor dem Renteneintritt erworben werden oder aber auch ein Anspruch auf einen früheren Renteneintritt.

Insgesamt sind in Frankreich 166 Rententrimester, d.h. 41 ½ Jahre für den abschlagsfreien Bezug einer Rente notwendig. Mit den Gutschriften wäre dann ein früherer Rentenbeginn möglich. 10 Punkte wären nach den vorliegenden Plänen dann der Gegenwert eines Rententrimesters (40 Punkte = ein Jahr).

Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt durch eine Abgabe des Arbeitgebers und einen Sonderbeitrag von Unternehmen mit Arbeitsplätzen, die eine hohe körperliche Belastung erfordern.

- Besserstellung von Müttern, Studierenden und Auszubildenden

Frauen bekommen in Zukunft für jeden Mutterschaftsurlaub (congé de maternité) ein volles Rententrimester zusätzlich gutgeschrieben. Die Frauen haben Anspruch auf einen Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen für das erste und das zweite Kind, von 26 Wochen für das dritte und von 34 Wochen bei der Geburt von Zwillingen.

Die Ausbildungszeit von Lehrlingen und Jugendlichen in dualen Bildungsgängen wird in der Rentenbiographie angerechnet.
Studierende erhalten gegen eine Zahlung zu Vorzugsbedingungen die Möglichkeit, über einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren nach Abschluss ihres Studiums, maximal 4 Rententrimester (1 Beitragsjahr) nachträglich für ihre Studienzeit zu erwerben.

Zudem sollen in Zukunft auch beitragsfreie Zeiten aufgrund von Weiterbildungen bzw. von Arbeitslosigkeit (nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes) angerechnet werden.

- Einheitliches Rentenkonto

Damit die Rentenversicherten einen besseren Überblick über ihre Rentenanwartschaften bekommen, erhält jeder Versicherte ein einheitliches Rentenkonto. Dieses umfasst nicht nur die allgemeine Rentenversicherung, sondern auch die in Frankreich obligatorische Zusatzrentenversicherung. Hier sind alle Beitragszeiten und Einzahlungen vermerkt. Mit einem Rentensimulator kann sich jeder Versicherte dann jederzeit online seine jeweilige Rentenhöhe ausrechnen lassen.

Weitere Informationen zum französischen Rentensystem



- Rentensystem: Deutschland und Frankreich im Vergleich
- Rente: Arbeitnehmer mit langer Erwerbsbiographie können wieder mit 60 in den Ruhestand gehen
-  Renteneintrittsalter steigt in Frankreich weiter an
- Rentenreform 2010

Letzte Änderung 23/09/2013

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