Sozialversicherung in Frankreich

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Das französische Sozialversicherungssystem wurde 1945 auf Anregung des Nationalen Widerstandsrats (CNR) und in Anlehnung an die Bismarck’schen Sozialgesetze und den Beveridge-Bericht, der die Grundlage für den Aufbau eines sozialen Sicherungssystems in Großbritannien lieferte, eingerichtet. Damit sollten die existentiellen sozialen Risiken (Krankheit, Ruhestand, Arbeitsunfall, Familie) abgesichert werden.

Alle Personen, die dauerhaft und legal in Frankreich leben und arbeiten, sind automatisch Mitglied des Sozialversicherungssystems und genießen ebenso wie ihre Angehörigen sozialen Schutz. Im Unterschied zu Deutschland sind auch Beamte, Selbstständige und Freiberufler in das System einbezogen.

Teilbereiche des Sozialversicherungssystems

Das System der sozialen Sicherung gliedert sich unter einem einheitlichen öffentlich-rechtlichen Dach in fünf Bereiche:

- Die Krankenversicherung, die einen Großteil der Gesundheitsausgaben übernimmt und die die medizinische Versorgung der Versicherten gewährleistet.

- Die Familienkasse, die hauptsächlich in vier Bereichen Leistungen erbringt: Direkte Unterstützung der Familien, Kleinkindbetreuung, Wohnraumversorgung, Bekämpfung von Notlagen, insbesondere auch bei Menschen mit Behinderung.

- Die Rentenabsicherung, die allein auf dem Umlageverfahren beruht.

- Die Arbeitsunfall- und Berufskrankheitsversicherung, die die Berufsrisiken von Arbeitnehmern absichert.

- Der Bereich Beiträge und Zahlungseinzug, der für die Verwaltung der Sozialversicherungsbeiträge und -abgaben von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zuständig ist.

Versorgungssysteme

Beitragshöhe und Leistungen sind abhängig von dem jeweiligen Versicherungsstatus. Das System der Absicherung unterteilt sich in drei Zuständigkeitsbereiche:

- die allgemeine Sozialversicherung für Arbeitnehmer und gleichgestellte Beschäftigte (ca. 85 % der Versicherten);

- die Sozialversicherung für Selbstständige (außer Landwirtschaft);

- die Sozialversicherung für Landwirte, die im Gegensatz zu den beiden anderen Gruppen Arbeitnehmer und Arbeitgeber umfasst.

Zudem gibt es noch etwa hundert berufsständische Versorgungssysteme.

Die Sozialversicherungskassen werden gemeinsam von Arbeitnehmervertretern und Arbeitgebern verwaltet.

Herkunft der Kasseneinnahmen

Die Einnahmen der Kassen stammen aus:

- Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen (60 % der Einnahmen), die direkt von den Löhnen und Gehältern einbehalten werden. Im Unterschied zu Deutschland werden diese Beiträge nicht paritätisch erhoben, sondern der Arbeitgeber trägt einen größeren Anteil;

- der allgemeinen Abgabe zur Finanzierung der Sozialversicherung CSG, die auf alle Einkommen erhoben wird. Sie ist die ertragreichste direkte Steuer, noch vor der Einkommenssteuer, und macht rund 20 % der Einnahmen der Kassen aus;

- anderen Steuern und Abgaben, wie z. B. die Tabaksteuer.

Letzte Änderung 28/01/2016

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