Staatspräsident Hollande beim 15. Gipfel der Frankophonie in Dakar [fr]

GIF Staatspräsident François Hollande unterstrich in seiner Rede vor dem 15. Gipfel der Frankophonie (Dakar, Senegal, 29.- 30. November 2014) die Rolle der französischen Sprache beim Einsatz für die Demokratie und die Bewahrung der sprachlichen Vielfalt in der Welt und den internationalen Organisationen. Des Weiteren forderte er dazu auf, den Zukunftskontinent Afrika bei seinen Transformationsprozessen zu unterstützen. Frankreich engagiere sich zwar in dieser Hinsicht auf vielen Ebenen, wolle aber keine Sonderrolle spielen. Zudem würdigte der Staatspräsident den Einsatz für die Demokratie, der insbesondere in Tunesien einen wichtigen Erfolg gefeiert habe, sowie die Unterstützung Frankreichs bei den Anti-Terroreinsätzen in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik.

Die 35 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs sowie weitere Vertreter der Frankophonie wählten die Franko-Kanadierin Michaëlle Jean zur Nachfolgerin des seit 2002 amtierenden senegalesischen Generalsekretärs der Frankophonie Abdou Diouf.

Der Gipfel der Frankophonie, eine Art Commonwealth à la française, ist traditionell ein Ort des Austausches und der politischen Initiativen der französisch sprechenden Gemeinschaft in 53 Staaten und mit 280 Mio. Menschen.

Neben der Rolle der Frauen und jungen Menschen beschäftigte sich der Gipfel insbesondere mit den Themen der Bewahrung der kulturellen Vielfalt, Fragen der Erziehung, den Konsequenzen der Ebola-Krise sowie dem gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus.

Der nächste Frankophonie-Gipfel wird 2016 in Madagaskar stattfinden.

Rede von François Hollande beim 15. Frankophoniegipfel in Dakar (Auszüge)

Die Frankophonie als Organisation stellt kulturelle und sprachliche Vielfalt in den Dienst der ganzen Welt. (…)

- Für Französisch einzustehen heißt, die kulturelle Vielfalt zu schützen. Für Französisch einzustehen heißt, dafür Sorge zu tragen, dass dieses Erbe niemals angetastet wird. Für Französisch einzustehen heißt, Kultur als ein universelles öffentliches Gut zu betrachten. Die Auffassung, dass Kulturgüter wie andere Waren zu behandeln seien, hat keinen Platz in transkontinentalen und multilateralen Verhandlungen. Wir werden niemals akzeptieren, dass Kultur Gegenstand von Verhandlungen sein kann.

- Für Französisch einzustehen, heißt sprachliche Vielfalt zu fördern. Denn die Dinge falsch zu benennen, bringt nur noch mehr Unordnung in die Welt. In diesem Kampf muss die Frankophonie die Speerspitze sein, vor allem in den internationalen Organisationen. Wenn wir fordern, Französisch zu sprechen, dann geht es nicht um die Verteidigung eines Privilegs. Weil man aber in den internationalen Organisationen Französisch spricht, schaffen wir Raum für Pluralismus, für Vielfalt und sogar das Einstehen für alle Sprachen, denn wir verteidigen alle Sprachen. (…)

- Wir wollen auch für Französisch einstehen, um den Austausch zu fördern. Daher müssen wir durch die Frankophonie mehr Studierende aufnehmen, mehr Zirkulation zulassen, der Jugend, Unternehmern und Forschern mehr Mobilität erlauben. Zuerst muss Frankreich ein gutes Beispiel geben und das tun wir mit der Vergabe der Schengen-Visa und der Aufnahme zahlreicher ausländischer Studierender.

- Für Französisch einzustehen, heißt sich für die Zukunft zu entscheiden. Demographen sagen voraus, dass bis 2050 750 Millionen Menschen Französisch sprechen werden. Die Jugend dieser Welt wird zu einem großen Teil frankophon sein, diese Jugend wird afrikanisch sein. Es ist an uns, die wir alle hier versammelt sind, diesen jungen Menschen nicht nur die Chance zu geben, Französisch zu sprechen sondern auch auf Französisch ausgebildet zu werden. (…)

- Für Französisch einzustehen heißt auch, Werte zu vertreten. Zuvorderst steht die Demokratie. Einige Länder unserer Organisation habe große politische Krisen durchlaufen und es ist eine Ehre für den Generalsekretär und für die Mitglieder unserer Organisation, dass die Krisen dank Vermittlungsarbeit erfolgreich überwunden werden konnten. (…)

Die Frankophonie ist bedacht auf die Regeln der Demokratie, der Wahlfreiheit, auf die Einhaltung der öffentlichen Ordnung und auf das Streben der Völker, aller Völker, nach freien Wahlen. Das hat sich in Tunesien erfüllt. Es ist ein schönes Bild, dass es ein frankophones Land war, in dem der Arabische Frühling erfolgreich war. (…)

Wir haben gezeigt, dass wir uns für die Versöhnung nach Kriegszeiten einsetzen. Wir haben auch gezeigt, dass Frankreich für die Sicherheit in Afrika einsteht. (…)

Afrika ist ein Kontinent der Zukunft, jeder weiß das. (…) Afrika ist die große Herausforderung des Wachstums, nicht nur für den Kontinent selbst sondern für die ganze Welt.

Alle frankophonen Menschen hier müssen sich ganzheitlich für die Umwandlungsprozesse dieses Kontinents engagieren, das ist eine Chance für uns alle. Frankreich wird seinen Teil beitragen. Aber Frankreich verlangt keinerlei Privilegien in Afrika. (…)

Die Frankophonie muss dem Rest der Welt immer einen Schritt voraus sein. Zunächst einmal, weil wir dieses Erbe von der Welt erhalten haben, weil wir den Anspruch haben, wir die Frankophonen mehr als die anderen, mit Französisch die Welt zu verändern. Verändern wir die Welt gemeinsam. Danke.

- Weitere Informationen (Frz.)

Letzte Änderung 30/01/2015

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