Staatssekretär Fekl in Les Echos zur Senkung des französischen Außenhandelsdefizits [fr]

In einem Interview mit Les Echos vom 10.8. 2015 äußert sich der Staatssekretär für Außenhandel, Tourismusförderung und Auslandsfranzosen, Matthias Fekl, zur Reduzierung des französischen Außenhandelsdefizits sowie zur Stabilisierung des Anteils Frankreichs im Welthandel.

Das Handelsdefizit verringert sich, aber außerhalb der Bereiche Erdöl und Rüstung gibt es keine nennenswerten Verbesserungen. Ist das nicht beunruhigend?

Man darf unsere Ausgangssituation nicht außer Acht lassen: Schließt man die Energiekosten aus, konnte das Defizit im Vergleich zu 2011 um 40 % reduziert werden. Das Defizit des ersten Halbjahres 2015 ist im Vergleich zum Vorhalbjahr um 20 % gesunken. Das sind die besten Zahlen seit 2009. Die gute Nachricht ist auch, dass unsere Exporte wieder deutlich zunehmen. Ich möchte ergänzen, dass die Handelsbilanz Dienstleistungen und Gewerbe nicht berücksichtigt, wo Frankreich einen Überschuss freimacht, der zwei Drittel des Defizits im Warenhandel kompensiert! Schließlich stabilisiert sich der Marktanteil Frankreichs am Welthandel seit 2012 nach einer andauernden Talfahrt. Insgesamt sind diese Ergebnisse, die sich aus den Bemühungen für den wirtschaftlichen Aufschwung ergeben, sehr ermutigend.

Wurde die Zielsetzung aufgegeben, bis 2017 ein Gleichgewicht zu erreichen – den Energiesektor ausgenommen?

Ich habe bereits bei meinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass mein Ziel im Bereich Außenhandel nicht auf einen quantitativen Indikator reduziert wird. Die Außenhandelszahlen sind nur ein Teilaspekt der Situation Frankreichs in der Globalisierung. Mein Ziel ist es hingegen, eine globale Strategie zu verfolgen. Das Handelsdefizit ist das Ergebnis einer Reihe von Faktoren, die nicht alle von öffentlichen Maßnahmen abhängig sind. Das ist zum Beispiel der Fall bei der weltweiten Nachfrage, den Wechselkursen, den Rohstoffpreisen, geopolitischen Krisen… Sich auf einen Ausgleich bis 2017 festzulegen, wäre also nicht sehr ernsthaft und würde die Existenz dieser Zusammenhänge leugnen. Das ist kein Grund, nichts zu tun, sondern – ganz im Gegenteil – sich auf ein auf Dauer angelegtes Vorgehen zu konzentrieren.

Kann der Außenhandel von der Abwertung des Euro profitieren?

Die Abwertung des Euro seit Mitte 2014 ist eine gute Nachricht. Sie beflügelt die Volkswirtschaften der Eurozone, die die Hälfte unserer Exporte aufnehmen und macht die französischen Produkte außerhalb Europas wettbewerbsfähiger. Die ersten Effekte sind schon zu sehen: Seit Januar sinken die Exportpreise. Aber diese Tendenz ist noch ganz jung. Wenn der Euro an Wert verliert, werden Importprodukte sofort teurer, aber es braucht mehr Zeit, bis die französischen Produkte im Preisvergleich wettbewerbsfähiger sind: Das ist ein Klassiker des internationalen Handelns. Trotzdem wäre es falsch, alles von der Abwertung des Euro zu erwarten: Die Unternehmen müssen wettbewerbsfähiger werden und intensiver betreut werden.

Unsere Exporte beruhen vor allem auf großen Verträgen. Wie kann man die Exporte der KMU fördern?

Auf ein exportierendes KMU in Frankreich kommen zwei in Italien und drei in Deutschland. Es müssen also mehr KMU an den Export herangeführt werden und zwar so, dass sie dauerhaft exportieren können. Das ist die Aufgabe von Business France. Im März habe ich einen kompletten Aktionsplan für die Internationalisierung der KMU auf den Weg gebracht, insbesondere mit vereinfachten Abläufen für den Export und mit dem Ziel, vermehrt internationale Volontäre in Unternehmen einzustellen. Regelmäßig treffe ich mich mit den involvierten Akteuren zu einer Strategieberatung für den Export, um gemeinsam am selben Strang zu ziehen. Ich bin außerdem überzeugt, dass weitere Vereinfachungsmaßnahmen ergriffen werden müssen, die den Reiz des Internationalen für die KMU stärken.

Historisch gesehen ist Frankreich kein Land, das immer nur auf den Export gesetzt hat. Wir führen also gerade eine kopernikanische Revolution durch. Sie muss mit allen wirtschaftlichen, sozialen, aber auch politischen Akteuren vollzogen werden. Daher werde ich dem Parlament bald einen Bericht zur Außenhandelsstrategie vorlegen, damit diese zum Gegenstand einer nationalen Debatte wird.

Letzte Änderung 07/10/2015

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