Statistik und Fakten zur Gleichstellung der Frauen in Frankreich

Seit 1982 wird in Frankreich am 8. März der im Jahre 1977 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Internationale Frauentag begangen. Dieser Tag bietet die Gelegenheit, eine Bilanz der jüngsten Entwicklung in Frankreich in Bezug auf die Frauenrechte zu ziehen.

AKTUELLES/ALLGEMEINES

Aktuelles Recht:

2014 Gesetz: zielt darauf ab, durch die Verschärfung der Vorschriften in vielen Bereichen eine reale Gleichstellung zu erzielen. In der Gesetzesvorlage wird ein „integrierter Ansatz“ verfolgt, wie er von der Europäischen Union unter der Bezeichnung „Gender Mainstreaming“ vertreten wird. Folgende Ziele wurden gesetzt:

- Berufliche Gleichstellung
- Bekämpfung des Prekariats
- Schutz der Frauen vor Gewalt
- Umsetzung des Verfassungsziels der Gleichstellung

Aktuelle Zahlen:

Innerhalb eines Jahres ist Frankreich von Platz 45 auf Platz 16 im Ranking des Weltwirtschaftsforums aufgerückt (Global Gender Gap Report 2014 des Weltwirtschaftsforums). Dieses Ergebnis spiegelt den bemerkenswerten Fortschritt, der in Frankreich auf dem Gebiet der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern erzielt wurde, wider.

ARBEIT DER FRAUEN

Rechtslage und Reformen

2015 Die Elternzeit, die zuvor CLCA (complément libre choix d‘activité) genannt wurde, heißt seit dem 1. Januar 2015 PreParE (prestation partagée d’éducation de l’enfant) und sieht die obligatorische Teilung des Urlaubs zwischen beiden Elterteilen vor.

Der Arbeitgeber darf einen Antrag auf Elternzeit nicht ablehnen. Die Elternzeit wird nicht bezahlt, aber im Fall einer vollständigen Aufgabe der Berufstätigkeit kann eine Beihilfe von 390,52€ gezahlt werden. Bei Paaren hat jeder Elternteil Anspruch auf bis zu 6 Monate Elternzeit.

Die zukünftigen Väter haben nun außerdem das Recht, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, um die werdende Mutter bei drei Ultraschalluntersuchungen zu begleiten.

Zahlen und Fakten

- Die Erwerbstätigkeit der Frauen (zwischen 20 und 64 Jahren) liegt in Frankreich auch aufgrund der Konjunkturlage mit 66% unter der deutschen Erwerbsquote (73,1%) (Quelle: Eurostat, 2014)

- Die Erwerbtätigkeitsquote im Vollzeitäquivalent liegt bei Frauen bei 58,6% (Deutschland 55,8) (Quelle: European Institute for Gender Equality – Gender Statistics Database)

- Nur 30% der Frauen arbeiten Teilzeit (gegenüber von 47% in Deutschland, wo 2/3 der Minijobs von Frauen besetzt werden) (Quelle: Eurostat, 2014)

- Die hohe Erwerbsquote im Vollzeitäquivalent ist möglich durch die hohe Betreuungsquote in Kitas. 26% der französischen Kinder unter 3 werden hier mehr als 30 Stunden pro Woche (Deutschland 15%). (Quelle: European Commission – Female labour Market participation)

- Die Französinnen unterbrechen ihre Karriere weniger:

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Quelle: Ministère des Affaires Sociales, de la Santé et du droit des Femmes, Chiffres Clés – Edition 2015

- Frauen bekommen in Frankreich durchschnittlich 811 Euro Rente pro Monat. In Deutschland sind es dagegen im Vergleich durchschnittlich 643 Euro pro Monat. (Quelle : Bundesrechnungshof und „Cour des Comptes“ 2015)

GENDER PAY GAP

Gesetze und Maßnahmen

2006 Entgeltgleichheitsgesetz: verstärkt den Zwang, die Bekämpfung von Entgeltdiskriminierungen als Ziel in Tarifverhandlungen, Verhandlungen bestimmter Industriezweige und nationalen Verhandlungen festzuschreiben. Es enthält spezifische Maßnahmen für die Entgelte der Frauen, die aus dem Mutterschaftsurlaub zurückkommen.

2011 Gesetz zum Abbau ungerechtfertigter Gehalts- und Karriereunterschiede zwischen Männern und Frauen: Es sieht den obligatorischen Abschluss von Unternehmensvereinbarungen bei mehr als 50 Beschäftigten vor, um Ungleichheiten zu beseitigen.

Ergebnisse, Zahlen und Fakten

Französische Frauen verdienen pro Arbeitsstunde immer noch 15% weniger als Männer (unbereinigter Gender pay gap) und deutsche 22% weniger. Im öffentlichen Sektor verdienen Frauen 12% weniger als Männer (12,9% in Deutschland), während sie im privaten Sektor 17% weniger verdienen (24,4% in Deutschland). (Quelle : Eurostat)

- 2015 hatten 67% der Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten ein Abkommen zur Beseitigung der Entgeltungleichheiten abgeschlossen. (Quelle : Ministère de la Santé et des Affaires Sociales, Communiqué de presse 26.03.2015)

- In Frankreich nimmt der gender pay gap schneller als in anderen europäischen Ländern ab: Von 2008 bis 2013 sank er von 16,9% auf 15,2%, also insgesamt um 1,7% (von 17,3% auf 16,4% in Europa). (Quelle : Ministère de la Santé et des Affaires Sociales, Communiqué de presse 26.03.2015)

FRAUEN IN UNTERNEHMEN

Gesetze und Maßnahmen

2008 Verfassungsänderung: Sie verankert die aktive Förderung des Zugangs von Frauen zu Führungspositionen im beruflichen und sozialen Bereich in der Verfassung.

In den Jahren 2010 und 2011 hat Frankreich einige der entschlossensten und fortschrittlichsten Quotenregelungen in der EU für Parität in Vorständen privater Unternehmen und in höheren Laufbahnen des öffentlichen Dienstes verabschiedet.

2010 Gesetz: sieht den obligatorischen Abschluss von Unternehmensvereinbarungen über mehr Lohngerechtigkeit bei mehr als 50 Beschäftigten vor.

2011 Gesetz: schrittweise Einführung von Frauenquoten in den Führungsetagen von Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern und in der öffentlichen Verwaltung.

- Drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes (2014) muss der Frauenanteil in den betroffenen Gremien mindestens 20 % betragen.

- Sechs Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes (2017) muss der Frauenanteil in den Führungsgremien börsennotierter und öffentlicher Unternehmen 40 % erreicht haben.

- Unternehmen, die noch gar keine Frau in ihrem Verwaltungs- oder Aufsichtsrat sitzen hatten, mussten sechs Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes eine weibliche Person aufgenommen haben.

- Unternehmen mit 250 bis 499 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 50 Mio. € müssen diese Verpflichtung ab 2020 erfüllen.

Das Gesetz sieht bei Verstößen Sanktionen vor. Zum einen sollen die Ernennungen von männlichen Mitgliedern nicht rechtskräftig sein, wenn die Frauenquote verfehlt wird. Zum anderen dürfen die Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieder für ihre Anwesenheit in den Sitzungen nicht bezahlt werden.

2014 10 Pläne – eine Premiere in der französischen Politik: Unterzeichung von 10 branchenspezifischen Plänen, den sog. „Plans mixité“, zum Abbau von geschlechtsspezifischen Diskrepanzen und zur Förderung der Eingliederung von Frauen und Männern in Sektoren und Berufen, in denen sie traditionell unterrepräsentiert sind, und Schaffung von Modellen für die Anerkennung nicht formaler Kompetenzen. Ziel: 30% geschlechtsgemischter Berufe (aktuell 12%).
Beispiele: plan mixité dans le secteur des services à la personne (Oktober 2015), plan sectoriel pour la mixité des métiers dans les transports (2014), plan pour plus de mixité dans les métiers du bâtiment (2014).

Zahlen und Fakten

- Bemerkenswert sind vor allem die Fortschritte im CAC 40 (die 40 führenden französischen Aktiengesellschaften). In sechs Jahren wurde der Frauenanteil dort verdreifacht (10,7% 2009 gegen 34,1% 2015). Frankreich ist in diesem Bereich nun an erster Stelle, vor Schweden (32%). (Quelle: Ministère des Affaires Sociales, de la Santé et du droit des Femmes, Chiffres Clés – Edition 2015)

- Genauso schnell nahm der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 120 führenden französischen Aktiengesellschaften (SBF 120) zu: Er stieg von 9,3% im Jahr 2009 auf 32% im Jahr 2015. (in Deutschland von 13,5% auf 24%) (Quelle: Ministère des Affaires Sociales, de la Santé et du droit des Femmes, Chiffres Clés – Edition 2015)

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FRAUEN IN DER POLITIK

Rechtslage

1999 Verfassungsänderung zur Gleichstellung von Frauen und Männern: gleichberechtigter Zugang zu Wahlämtern und Wahlfunktionen

2000 Loi sur la parité: Paritätische Besetzung der Wahllisten
Anreiz durch Parteifinanzierung: nachträgliche Kürzung der staatlicher Zuwendungen für Parteien, bei denen der zahlenmäßige Unterschied zwischen aufgestellten Kandidatinnen und Kandidaten mehr als 2 % beträgt

2007 Gesetz: schreibt strenge paritätische Regeln bei Stadt- und Regionalratswahlen vor.

2013 Gesetz: Parität bei den Vizepräsidenten der Departementräte

2013 Protokoll: Unterzeichnung eines Protokolls für die Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst. Nach diesem Protokoll mussten alle Ministerien einen eigenen Plan vorlegen.

2014 Maßnahmen zur Generalisierung der Gleichstellung
- Verdoppelung der Strafen für politische Parteien, die die Gesetze zur Gleichstellung bei Parlamentswahlen nicht einhalten;
- Verpflichtung zur Parität in Berufsorganisationen

Zahlen und Fakten

- Die erste geschlechterparitätische Regierung in der Geschichte Frankreichs kam 2012 ins Amt, mit 17 Frauen und 17 Männern. Auch in der neuen Regierung gibt es genauso viele Männer wie Frauen, sowohl bei den Ministern als auch bei den Staatssekretären. (38% Frauen in der deutschen Regierung , 28% in der EU)

- Im Europaparlament sind 42% der französischen Abgeordneten weiblich (36% der deutschen, 37% im EU-Durchschnitt).

- Was den Zugang von Frauen zu Ministerposten angeht, rangiert Frankreich an vierter Stelle im Ranking des Weltwirtschaftsforums.

- Nach der Reform von 2013 sind jeweils 2054 Frauen und 2054 Männer Mitglied von Departementsräten (gegen 280 Frauen und 1746 Männer vor der Reform von 2011)

- Trotz des Binomsystem wurden in den Departementräten nur 10 Frauen bei 101 Departements zum Präsidenten bestimmt. Über das Amt des Vizepräsidents des Vorstandes ist allerding die Parität erreicht.

- Im französischen Parlament sind nur 26% der Abgeordneten weiblich (36% in Deutschland, 29% in der EU). Im Senat gibt es auch nur 25% Frauen

GEWALT GEGEN FRAUEN

Rechtslage und Reformen

2014 Plan: Der 4. interministerielle Aktionsplan (2014-2016) zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sieht die Verdopplung der Mittel in diesem Handlungsfeld vor: 66 Mio. € für 3 Jahre.

Um Rollenbilder zu beseitigen, wird der CSA (Conseil supérieur de l’audiovisuel) über die adäquate Darstellung von Frauen in den Medien wachen und gegen sexistische Darstellungen und Gewalt vorgehen. Seit 2010 können Verbände sich beim CSA über klischeehafte oder diskriminierende audiovisuelle Inhalte gegen Frauen in den Medien beschweren. Falls der CSA einer Klage stattgibt, kann es sogar zu Geldstrafen kommen und die Ausstrahlung der Sendung kann vorübergehend eingestellt werden. 2013 wurde eine gesonderte Gruppe für „Frauenrechte“ gegründet.

2010 Gesetz: Gesetz zu Gewalt gegen Frauen, Beziehungsgewalt und die Auswirkungen dieser Formen von Gewalt auf Kinder. Dadurch ergeben sich für die Betroffenen in den unterschiedlichsten Familienstrukturen (Ehe, zivile Partnerschaft, eheähnliche Gemeinschaft) neue Möglichkeiten zum Schutz vor Gewalt.

2014: Gesetz : Um die betroffenen Frauen besser zu schützen, werden die Maßnahmen zum Schutz bedrohter Frauen (Ordonnance de protection) verschärft: Ihre Dauer wird von 4 auf 6 Monate verlängert; die Ausweisung des gewalttätigen Partners aus der gemeinsamen Wohnung wird systematisch vorgeschlagen; das Hilfetelefon (téléphone grand danger) wird allgemein und flächendeckend eingeführt, um die Opfer von häuslicher Gewalt oder Vergewaltigung zu schützen; um Rückfälle zu verhindern, können als zusätzliche oder alternative Strafe Kurse zur Stärkung des Verantwortungsbewusstseins von Tätern häuslicher Gewalt verordnet werden.

Auch ausländische Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, werden besser geschützt insbesondere durch eine Gebührenbefreiung bei der Ausstellung und Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Darüber hinaus werden die Maßnahmen zur Verhinderung von Zwangsheirat verschärft.

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Letzte Änderung 19/05/2016

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