Tour de France – ein wirtschaftlicher Erfolg

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Die Tour de France startet in jedem Jahr Ende Juni/Anfang Juli. Hinter diesem in Frankreich und im Ausland äußerst beliebten sportlichen Ereignis stehen eine komplexe und reibungslos funktionierende Organisation sowie beachtliche finanzielle Mittel. Der Organisator, eine Stadt und ein Sponsor erzählen ...

Die Tour de France ist nach den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft das drittgrößte sportliche Ereignis weltweit. Dieses Radrennen ist von einer internationalen Berichterstattung begleitet: Das Rennen wird in 180 Ländern der Welt im Fernsehen übertragen. Darüber hinaus berichten 76 Radiosender aus 25 Ländern sowie 450 Zeitungen, Fotoagenturen und neue Medien aus 26 Ländern über die Tour. Insgesamt werden 3600 Akkreditierungen vergeben ... Die Website der Tour de France wurde im Vorjahr von sechs Millionen Internauten besucht. Das Budget der Veranstaltung wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt, die zu 50 % aus Fernsehrechten und zu 40 % von Sponsoren aufgebracht werden. Die restlichen 10 % tragen die Städten bei, die als Etappenziele ausgewählt wurden.

Die Tour de France wird von 4500 Personen begleitet, die jeden Tag befördert, untergebracht und beköstigt werden müssen. Und natürlich auch das Publikum, darunter 20 % Ausländer, das die Tour an der Strecke life miterlebt. Um diese Karawenserei zu managen ist die Erfahrung des Organisators unerlässlich! Amaury Sports Organisation (ASO) kümmert sich mit der Unterstützung der zuständigen Behörden insbesondere um die Festlegung der Rennstrecke und die Logistik. ASO kreiert Accessoires und Nebenprodukte, verfügt über die Handelsrechte, managt die Beziehungen zwischen den Etappenzielen und Sponsoren …

In diesem Jahr umfasst die Tour 34 Etappenziele, führt durch 560 Gemeinden und in 5 Länder außerhalb der Grenzen Frankreichs. Monaco, Andorra, Spanien (Girona und Barcelona), die Schweiz (Verbier und Martigny) und Italien. 2010 wird diese internationale Dimension erhöht: Die Tour startet dann in Rotterdam.

Jedes Jahr bewerben sich über 250 Städte, um als Etappenziel bei der Tour de France dabei zu sein. Im Rathaus der Stadt Besançon, die in diesem Jahr zum 17. Mal Etappenziel ist, vertraut uns Event-Manager Denis Lazzarotto an, dass „die Stadt aufgrund der Streckenführung zweigeteilt wird und dass man sehr viel Fantasie aufwenden muss, damit das normale Leben in der Stadt aufrechterhalten werden kann“. Ausgehend von einem „absolut transparenten Lastenheft“ und in Abstimmung mit ASO, der Präfektur, der Polizei und den Einsatzkräften hat die Gemeinde die Straßenbeschilderung neu gestaltet, die Straßen ausgebessert, acht Kilometer Sicherheitsbarrieren aufgestellt und ... die Grünanlagen mit gelben Blumen bepflanzt. Kosten: 400 000 Euro, wovon 100 000 Euro vom Veranstalter der Tour getragen werden. 180 000 Euro sind für direkte technische Kosten bestimmt. Die restlichem Mittel werden auf verschiedene Posten, u. a. die Kommunikation in Form eines praktischen Führers, Animationen, ein Konzert und ein Radrennen am Tag vor der Ankunft der Tour in Besançon, verteilt.

Unerwartet aber keineswegs von der Hand zu weisen ist für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, dass vor allem die interne Kommunikation von dem Ereignis profitiert: „Die Tour vereint mit einem echten Teamgeist und spontaner Begeisterung Verwaltungsabteilungen, die normaler Weise nicht zusammen arbeiten“, so Denis Lazzarotto. Der eigentliche Gewinn für diese Stadt im Osten Frankreichs mit 120 000 Einwohnern ist natürlich und vor allem wirtschaftlicher Art. Fernsehsender der ganzen Welt werden in diesem Jahr die Landschaften und Kulturstätten der Region zeigen. Neben der Tourismusförderung steigt der Umsatz der Hotels, Restaurants, Boutiquen ... Das Team der Tour umfasst 4500 Personen. Es wird mit ca. 500 000 Zuschauern gerechnet, die durchschnittlich zwei Euro pro Tag ausgeben.

Seitens der Sponsoren wird immer mehr in die Tour de France investiert. Die vier Hauptsponsoren sind mit drei bis fünf Milliarden Euro dabei. Die weiteren offiziellen Partner bringen ein bis zwei Millionen Euro auf. Insgesamt erhalten 28 Sponsoren das Exklusivrecht, das Logo und die Karte der Tour in ihrer externen, internen und internationalen Kommunikation zu verwenden. Die unumgängliche Werbekarawane umfasst 180 000 entsprechend dekorierte Fahrzeuge, die 14 Millionen Werbegeschenke mit dem Logo der Tour de France verteilen.

Eine große Handelskette, die Patin des Bergtricots (maillots à pois), das der beste Bergfahrer tragen darf, wird 21 Fahrzeuge in der Karawane haben. Die Verantwortlichen des Unternehmens haben sich einen besondern und ehrgeizigen Kommunikationsplan ausgedacht. Um die weibliche Kundschaft anzusprechen und Assoziationen mit Spanien zu wecken, tragen die Hostessen in den Geschäften ein Ensemble eines berühmten spanischen Modedesigners. An den Ständen wird die Beteiligung der Gruppe durch die von ASO gestartete Aktion „A chacun son Tour“ (Jedem seine Tour) sichtbar, die die Jugendlichen für Sport und Gesundheit sensibilisieren sollen. Vor und während des Rennens können regionale Produkte probiert werden. Ferner geben ehemalige Champions der Tour de France Autogramme, und es werden 400 000 Schirmmützen und 20 000 T-Shirts verteilt. „Die Imagewirkung und der positive Impuls für die interne Mobilisierung sind unschätzbar“, so der Sponsoring-Manager des Unternehmens. „Die Tour de France ist ein Ereignis, das verbindet und unserer Marke Wärme verleiht.“

Wie sind diese allgemeine Begeisterung und der kommerzielle Erfolg jeder Tour zu erklären? Vielleicht, weil die Tour de France – abgesehen von den Zahlen – ein großes und nicht zu zuletzt kostenloses Volksfest ist.

Sylvie Thomas

Letzte Änderung 19/01/2016

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