Verteidigung: Der französische Weg zur Berufsarmee

GIF Informations en français

Nach der politischen Entscheidung von 1996 zur Abschaffung der Wehrpflicht hat Frankreich seit dem 1. Januar 2003 eine reine Berufsarmee mit den vier Teilstreitkräften: Luftwaffe, Heer, Marine und Gendarmerie. Sie umfasst augenblicklich etwa 350 000 Soldaten, Gendarmen und Zivilangestellte. Die Gendarmerie, die organisatorisch seit dem Gesetz vom 3. August 2009 dem Innenministerium unterstellt ist, hat weiterhin Militärstatus.

Die Einberufung zum einjährigen Wehrdienst ist seit 2003 für alle nach dem 31.12.1978 Geborenen ausgesetzt, kann aber per Gesetz wieder eingeführt werden (Artikel L. 112-2 des Code du service national). Eine Wehrerfassung findet im Alter von 16 Jahren weiterhin statt. Die Musterung wurde durch einen Informationstag (Journée d’appel de préparation à la défense (JAPD), seit 2010 Journée défense et citoyenneté) ersetzt, der in der Regel im Alter von 18 Jahren stattfindet. Die Teilnahme ist für Jungen und Mädchen Pflicht.

Militärreform 2008

Mit der 2008 beschlossenen Militärreform will Frankreich, so Verteidigungsminister Hervé Morin in einem Brief an die Streitkräfte, „eine moderne, gut ausgerüstete und auf der Höhe der technologischen Entwicklung stehende Armee unterhalten, die Handlungs- und Antizipationsfähigkeit beweist, um die Sicherheit der Franzosen zu gewährleisten und den Platz unseres Landes in der Welt zu sichern“.

Bis 2015 soll die Zahl der Soldaten und Beschäftigten des Verteidigungsministeriums von aktuell ca. 300 000 auf 273 000 zurückgeführt werden. Die Sollstärken bei den Teilstreitkräften (ohne Gendarmerie) betragen dann:

- Heer: 131 000
- Luftwaffe: 50 000
- Marine: 44 000.

Im Rahmen des Plans zur Modernisierung der Verteidigung werden von 2009 bis 2015 83 Standorte geschlossen, 33 verlegt und 60 ausgebaut. Die durch die Refom erzielten Einsparungen fließen vollständig in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Soldaten und in die Modernisierung und Erneuerung des Materials. Insgesamt erhalten die Streitkräfte so bis 2020 mehr als 377 Milliarden €.

Rekrutierung

Die französischen Streitkräfte sind durch ihre Umwandlung in eine Berufsarmee bei der Rekrutierung von neuem Personal einer ständigen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt. Ihre Aufgabe ist es heute, potentielle Bewerber für einen Beruf zu begeistern, der auf Befehlsstrukturen basiert, die im zivilen Sektor nicht vorhanden sind. (…)
Das Verteidigungsministerium bietet Stellen in allen Berufsfeldern an, die zur Erfüllung der Aufgaben der Streitkräfte notwendig sind. Heutzutage kann ein junger Mensch unabhängig von seinem Bildungsgrad eine Erstanstellung beim Militär erhalten – ohne Abitur (Mannschaftsdienstgrad), mit Abitur bis 2 Jahre Studium (Unteroffizier) und darüber hinaus (Offizier) – und durch interne Weiterbildung und Beförderung Karriere machen. Das Verteidigungsministerium spielt weiterhin eine bedeutende Rolle bei der sozialen Integration von gering qualifizierten Jugendlichen. Jeder Einzelne erhält die Möglichkeit zu einer Berufsausbildung mit vielversprechenden Berufsperspektiven.

Das Verteidigungsministerium beschäftigt aber auch ziviles Personal: Beamte, Staatsbedienstete, Angestellte (Hochschulabgänger, die für drei Jahre in speziellen Fachbereichen bzw. in Bereichen, für die keine Beamten zur Verfügung stehen, eingesetzt werden).

Es gibt drei Beamtenkategorien (A, B und C), die von der jeweiligen Ausbildung sowie dem Verantwortungsgrad abhängen. Wie überall im öffentlichen Dienst müssen die Beamten ein zentrales Auswahlverfahren durchlaufen. Die Personalentscheidungen richten sich nach dem Bedarf des Ministeriums, aber auch nach dem Ergebnis der Kandidaten beim Auswahlverfahren, nach ihren Fähigkeiten und ihren Wünschen.

Im Bereich des Zivilpersonals strebt das Ministerium danach, Militärangehörige auf den Zivilbereich umzuschulen sowie im Rahmen der Chancengleichheit Menschen mit Behinderung einzustellen und im Sozialbereich die Einstellung von schwierigen Jugendlichen zu fördern. Die Einstellung von Nicht-Beamten ermöglicht eine flexible Personalpolitik, die der jeweiligen Bedarfslage entspricht.

Quellen:

- Le Premier ministre présente les contours de la nouvelle carte militaire (24-7-208
- Pour une défense d’avance (dossier ministère défense) 24-7-08

Letzte Änderung 11/12/2015

Seitenanfang